Herr Häfner, sind Sie nach Ihrer kurzfristigen Rückkehr in die Heimat wieder in Ihrem Kinderzimmer in Straßdorf eingezogen?
(Lacht) Nicht ganz, aber fast. Da am Schluss wirklich alles ganz schnell ging, sind wir übergangsweise sozusagen ins Kinderzimmer meiner Frau bei den Schwiegereltern in Adelstetten bei Alfdorf gezogen. In rund zwei Wochen ziehen wir dann in unser neues Heim nach Lorch-Weitmars.
Wie froh sind Sie, wieder im Schwabenland zu sein?
Gerade ist ziemlich viel Stress, da es immer noch viel zu organisieren gibt. Aber natürlich bin ich happy. Es war immer der Plan zurückzukommen. Dass es jetzt so schnell ging, damit konnte man nicht rechnen.
Wollten Sie raus aus Ihrem Vertrag, oder wollte die MT Melsungen Sie loshaben?
Zu diesem Thema möchte ich nicht zu viel sagen. Nur so viel: Alle drei Seiten, die MT, der TVB und ich, haben jetzt eine Lösung gefunden, die für alle passt.
Stimmt es, dass Sie bei der MT die Option auf eine Vertragsverlängerung bis 2025 gezogen hatten?
Sie scheinen gut informiert zu sein (schmunzelt), jedoch sind die Vertragsinhalte vertraulich.
Es war auch zu hören, dass sich im Laufe der Vorbereitung kein fairer Konkurrenzkampf für Sie auf Ihrer Position mit Star-Neuzugang Dainis Kristopans und Ivan Martinovic angedeutet hat?
Ich bitte um Verständnis, dass ich mich auch dazu leider nicht äußern kann. Außer, dass ich noch nie in meiner Karriere von meiner Seite aus einem Konkurrenzkampf aus dem Weg gegangen bin.
„Zutun von Melsungen“
Sie gehören zu den Topverdienern im deutschen Handball, es wird ein Netto-Monatsgehalt von 26 000 Euro kolportiert. Wie kann der TVB Sie sich leisten?
(Lacht) Diese Zahl stammt aus einem Gehaltsranking der Nationalspieler, das vor großen Titelkämpfen regelmäßig veröffentlicht wird. TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt hat in der Pressemitteilung ja erklärt, dass es auch das „Zutun von Melsungen“ benötigte, um den Wechsel zu realisieren. Die Aussage zeigt, in welche Richtung es geht.
Sie sind 34 Jahre alt, der Zeitpunkt für die Rückkehr ist optimal – oder?
Ich habe immer gesagt, dass ich noch ein paar Jährchen im Tank habe. Von daher – ja, der Zeitpunkt ist gut.
Zumal Sie mit Ihrem Bruder Max zusammenspielen können.
Klar, das ist eine schöne Sache und gefällt uns beiden sehr. Wir sind sieben Jahre auseinander, weshalb wir jetzt das erste Mal zusammen Handball in der gleichen Mannschaft spielen.
Wie lauten Ihre Ziele mit dem TVB?
Wir wollen den nächsten Schritt machen, stabiler werden, so viele Punkte wie möglich holen.
Die Erwartungshaltung, der Druck ist durch Sie nicht größer geworden?
Ach, das gehört im Profisport doch dazu. Dafür macht man das Ganze doch.
Der Verein hat die Top Ten als Saisonziel ausgegeben.
Das ist durchaus ambitioniert. Die Top Ten zu erreichen wird eine Mammutaufgabe, da es extrem eng zugeht zwischen Platz sechs und 14. Da haben viele Teams ein ähnliches Niveau. Es entscheiden Kleinigkeiten, eine kleine Serie, die man hinlegt, mit der man sich in einen Flow spielt, solche Dinge können brutal viel ausmachen.
Landet der TVB vor Frisch Auf Göppingen?
Ich hoffe es. Die Nummer eins in Württemberg zu sein wäre ein schöner Nebeneffekt. Aber es gibt auch noch Aufsteiger HBW Balingen-Weilstetten, dem ich einiges zutraue. Das Team von Jens Bürkle hat eine super Vorbereitung gespielt und gegen uns zweimal gewonnen. Ich glaube, dass der HBW ganz gute Chancen hat, drin zu bleiben.
„Europa mit TVB hätte Charme“
Ihr Ex-Club TSV Hannover-Burgdorf spielt kommende Saison international. Muss das in Stuttgart auch das mittelfristige Ziel sein?
Hannover hat sich krass entwickelt, da gibt es inzwischen einen echten Hype. Natürlich hätten auch europäische Spiele mit dem TVB einen großen Charme. Aber es wäre nicht förderlich, jetzt darüber zu philosophieren. Bis dahin sind es noch fünf Steps, und wir müssen erst die nächsten ein, zwei machen, um auf Tuchfühlung zu kommen.
Ihr persönliches großes Ziel dürfte die Teilnahme an der Heim-EM im kommenden Januar sein?
Derzeit habe ich den Kopf voll mit anderen Dingen. Aber ich habe auch schon vor zehn Jahren gesagt, dass große Turniere mit der Nationalmannschaft etwas Besonderes sind, erst recht, wenn sie auch noch im eigenen Land über die Bühne gehen. Damals wie heute gilt auch: Man muss im Verein seine Hausaufgaben machen, Leistung bringen – das wird der Bundestrainer honorieren.
Hat Ihnen Alfred Gislason schon zu Ihrem neuen Verein gratuliert?
Bisher nicht. Wir hatten seit dem Lehrgang im vergangenen April keinen Kontakt.
Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning hat Einsätze der deutschen U-21-WM-Helden schon bei der EM 2024 gefordert. Was halten Sie davon?
Ich finde, man darf das nicht pauschalisieren. Im Nationalteam müssen die Besten spielen, da darf das Alter keine Rolle spielen. Ein gutes Turnier zu spielen reicht da meiner Meinung nicht aus, es müssen konstant gute Leistungen über einen längeren Zeitraum hinweg gezeigt werden. Dann hat man auch die Berechtigung, in der A-Nationalmannschaft zu spielen, egal ob man U-21-Nationalspieler ist oder zu den älteren Semester gehört.
„Ein Titel ist nie unrealistisch“
Was trauen Sie Deutschland bei der Heim-EM zu?
Ich sehe trotz der Rückschläge gegen die Topnationen super Ansätze. Ich hoffe auf eine Weiterentwicklung bis zum EM-Start. Dann wollen wir um die Medaillen spielen.
Ist der Titel realistisch?
Ein Titel ist nie unrealistisch, weil im Sport alles möglich ist, gerade mit den eigenen Fans im Rücken. Klar muss man dafür verdammt hart arbeiten, einen Lauf bekommen, und man braucht das nötige Glück.
Zur Person
Karriere
Kai Häfner wurde am 10. Juli 1989 in Schwäbisch Gmünd geboren. Seine Stationen: TSB Gmünd (1995 bis 2006), TV Bittenfeld (2006/2007), Frisch Auf Göppingen (2007 bis 2011), HBW Balingen-Weilstetten (2011 bis 2014), TSV Hannover-Burgdorf (2014 bis 2019), MT Melsungen (2019 bis 2023), jetzt TVB Stuttgart. Größte Erfolge: Junioren-Weltmeister 2009, EHF-Pokal-Sieger 2011, Europameister und Olympia-Bronze jeweils 2016. Er absolvierte 133 Länderspiele (315 Tore).
Persönliches
Kai Häfner ist verheiratet mit Saskia. Das Paar hat einen Sohn (Levi/2 Jahre). Hobby: Reisen/Städtetrips. Häfners jüngerer Bruder Max spielt ebenfalls beim TVB Stuttgart. (jüf)