Kammer-Finanzen Die IHK Stuttgart senkt die Beiträge
Auch andere Industrie- und Handelskammern im Land entlasten die Unternehmen im kommenden Jahr. Die IHK Stuttgart legt zudem offen, wie viel die Hauptgeschäftsführerin verdient.
Auch andere Industrie- und Handelskammern im Land entlasten die Unternehmen im kommenden Jahr. Die IHK Stuttgart legt zudem offen, wie viel die Hauptgeschäftsführerin verdient.
Eine ganze Reihe von Industrie- und Handelskammern (IHK) in Baden-Württemberg senkt im kommenden Jahr den Hebesatz für die Beiträge der Unternehmen. Der Hebesatz drückt aus, welchen Anteil vom Gewinn die Mitgliedsunternehmen an die Kammern zahlen müssen, und ist die wichtigste Beitragsart für die Unternehmen. Die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart reduziert den Hebesatz für 2024 von bisher 0,16 auf 0,14 Prozent des Gewinns. Dies ist für die Mitglieder der Stuttgarter Kammer bereits die zweite Reduzierung in Folge. Schon für das Jahr 2023 war diese Zahlung von 0,21 Prozent auf 0,16 Prozent vermindert worden.
Zuvor war der Hebesatz 20 Jahre lang konstant bei 0,21 Prozent gelegen. Auch die vom Gewinn unabhängigen Grundbeiträge werden reduziert.
Unternehmen, die weniger als 5200 Euro im Jahr verdienen, müssen keinen Beitrag bezahlen. Landesweit handelt es sich dabei um etwa 40 Prozent der Mitgliedsunternehmen bei den Industrie- und Handelskammern. Die Stuttgarter Kammer entlastet ihre Mitglieder im kommenden Jahr um insgesamt 4,8 Millionen Euro. „Wir sind froh, dass wir unsere Mitglieder in der aktuell schwierigen konjunkturellen Lage durch eine Beitragssenkung entlasten können“, sagte Hauptgeschäftsführerin Susanne Herre. Die Stuttgarter Kammer vertritt rund 175 000 Mitgliedsunternehmen.
Am deutlichsten reduziert die IHK Heilbronn den Hebesatz für ihre 69 700 Mitgliedsfirmen. Dieser sinkt von 0,19 Prozent auf 0,14 Prozent des Gewinns. Auch andere Zahlungen wie etwa der Grundbeitrag werden deutlich reduziert. Damit werden die Unternehmen für das kommende Jahr um 6,7 Millionen Euro entlastet. Mehr Geld in die Kasse kommt allerdings durch eine Anhebung der Gebühren für Leistungen der Kammer. Dies werden in Heilbronn und teilweise auch anderswo erhöht. Gebühren verlangen die Kammern für hoheitliche Aufgaben wie etwa berufliche Prüfungen. Diese müssen nach den Vorgaben der Rechtsaufsicht – dies ist das Landeswirtschaftsministerium – kostendeckend sein.
Auch die Industrie- und Handelskammern Ostwürttemberg mit Sitz in Heidenheim mit 30 000 Mitgliedern sowie Bodensee-Oberschwaben mit 40 000 Firmen und Sitz in Weingarten vermindern den Hebesatz. In Ostwürttemberg geht er von 0,24 Prozent auf 0,22 Prozent zurück, Bodensee-Oberschwaben senkt den Umlagehebesatz von 0,21 Prozent auf 0,19 Prozent.
Den geringsten Hebesatz verlangt schon seit Langem die IHK Rhein-Neckar in Mannheim. Dieser liegt dort seit 2012 bei 0,12 Prozent und bleibt auch für 2024 unverändert. Ebenfalls keine Änderungen des Hebesatzes gibt es bei der IHK Ulm (38 000 Mitglieder) mit 0,15 Prozent und bei der Kammer in Reutlingen (43 430 Firmen) mit 0,16 Prozent. Auch die Kammern Südlicher Oberrhein in Freiburg (71 300 Firmen) mit 0,16 Prozent sowie Karlsruhe (74 400 Firmen) mit 0,19 Prozent verändern den Hebesatz nicht. Die IHK Hochrhein-Bodensee in Konstanz bleibt bei 0,18 Prozent. Keine Änderungen gibt es auch bei den IHKen Schwarzwald-Baar-Heuberg in Villingen-Schwenningen (36 500 Mitglieder), wo 0,20 Prozent bezahlt werden müssen, und Nordschwarzwald in Pforzheim (36 000 Unternehmen) mit 0,23 Prozent.
Als einzige Kammer im Land veröffentlicht die IHK Stuttgart das Gehalt ihrer Hauptgeschäftsführerin. Dieses liegt bei jährlich 198 000 Euro. Dazu kommt ein variabler Bestandteil von bis zu 25 Prozent, der an die Erreichung bestimmter Ziele geknüpft ist, sowie ein Ausgleich für den Verzicht auf einen Dienstwagen. Die anderen Kammern veröffentlichen nur das Gehalt, das an die komplette Geschäftsführung bezahlt wird.
Höchst unterschiedlich sind die Rücklagen für Risiken oder spezielle Vorhaben. So betrug die Ausgleichsrücklage in Stuttgart für 2023 rund 7,3 Millionen Euro. Damit lag sie unter dem Beitragsausfall im Pandemiejahr 2020. Die Bezugnahme auf das Jahr 2020 erklärt sich daraus, dass die Beiträge immer rückwirkend festgelegt werden. So können für das aktuelle Jahr etwa die Einnahmen von vor zwei Jahren herangezogen werden. „Weitere Rücklagen sind komplett aufgelöst“, heißt es in Stuttgart. Dies ist auch eine Folge der Rechtsprechung, die für die Bildung von Rücklagen enge Grenzen setzt.
Es gibt jedoch auch Kammern mit Rücklagen in Millionenhöhe. Dies gilt etwa für Freiburg, wo der überwiegende Teil für die Sanierung der Hauptgeschäftsstelle verwendet werden muss. Ausgaben gibt es zudem für neue Gebäude wie im Nordschwarzwald für ein Bildungszentrum in Nagold oder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Kammergebäudes wie in Weingarten.
Die meisten IHK-Magazine erscheinen sowohl gedruckt als auch online. Lediglich Heilbronn verzichtet schon seit einiger Zeit auf gedruckte Ausgaben. Neben Hebesatz und Gebühren haben die Kammern auch Einnahmen durch kostenpflichtige Informationsveranstaltungen für ihre Mitglieder. Diese sind teilweise nicht unerheblich. So kommen etwa in Reutlingen gerade einmal etwa 50 Prozent der Einnahmen durch Beiträge zustande, die übrigen 50 Prozent durch Gebühren und Veranstaltungen.