Kanzlerbesuch in der Region Stuttgart Olaf Scholz besucht Mercedes-Werk in Sindelfingen

Olaf Scholz ist am Montag in Sindelfingen bei Mercedes und in einer Schule zu Besuch. (Symbolbild) Foto: imago//Grant Hubbs

Am Montag erwartet Sindelfingen hohen Besuch: Der Bundeskanzler lässt sich die Factory 56 zeigen und trifft dort Mercedes-Chef Ola Källenius. Nicht nur Mercedes, auch IBM haben immer wieder Besuch aus Bonn oder Berlin in den Kreis Böblingen gebracht.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Kaum ein Kanzler kommt am Kreis Böblingen vorbei, wie es scheint: Am kommenden Montag besucht Olaf Scholz (SPD) das Mercedes-Werk in Sindelfingen, um sich die Factory 56 zeigen zu lassen, die derzeit modernste Fertigung des Unternehmens. Danach ist er im Gespräch mit Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender Mercedes-Benz Group AG, und dem Betriebsratsvorsitzenden Ergun Lümali. Bevor er jedoch das rund 100 Jahre alte Werk betritt, besucht er noch eine Schule.

 

Helmut Schmidt half beim Wahlkampf

Hohen Besuch aus Bonn oder Berlin von Kanzlern und Exkanzlern und Nochnichtkanzlern jedweder politischen Couleur gab es immer mal wieder im Landkreis. Im kollektiven Gedächtnis geblieben ist die denkwürdige Visite von Helmut Schmidt im Jahr 1986, vier Jahre nach dessen Sturz. Der beliebte Politiker leistete damals seinem SPD-Parteifreund Alexander Vogelgsang Schützenhilfe. Der hatte 1986 in Böblingen für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiert, war aber seinem Kontrahenten von der CDU mit 45,3 Prozent im ersten Wahlgang knapp unterlegen gewesen und stand nun vor der entscheidenden Stichwahl. Helmut Schmidt kam in das überfüllte Gerätehaus der Feuerwehr Böblingen. Er sprach eine gute Viertelstunde, heißt es in den Quellen, und habe Fäden zwischen der großen Weltpolitik und Böblingen gespannt, und anscheinend dabei die Bürger so begeistert, dass Vogelgsang die Wahl gewann.

Auch sein Nachfolger Helmut Kohl (CDU) war da, genauer gesagt auf der Böblinger Hulb. Ende der Achtziger Jahre weihte er ein Werk der IBM ein – und startete damit die modernste Halbleiterlinie in Europa, erinnert sich ein ehemaliger Betriebsrat der IBM.

Angela Merkel trug sich in das Goldene Buch ein

Angela Merkel trug sich im Jahr 2004 in das Goldene Buch der Stadt Sindelfingen ein, ein Jahr bevor sie der Bundestag zur Kanzlerin wählte. Damals war sie CDU-Bundesvorsitzende. Bei der Regionalkonferenz der CDU hatte sie für ein gemeinsames Konzept der Union bei der Reform des Gesundheitssystems geworben und sich gegen die EU-Mitgliedschaft der Türkei ausgesprochen, die vom damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder und vor allem vom Außenminister Joschka Fischer (Grüne) propagiert wurde.

Die Stadthalle in Sindelfingen war proppenvoll gewesen: Die mehr als 1000 Sitzplätze waren belegt, einige hundert Zuhörer mussten stehen. Heftig applaudierte die Basis, als Merkel und der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) die Geschlossenheit der Union beschworen. Die Union solle sich nicht als zerstrittener Haufen, sondern als handlungsfähige Alternative zur Bundesregierung unter Gerhard Schröder erweisen - „und zwar bald“, so der Appell.

Im Jahr 2015 eröffnete Merkel – inzwischen zur Kanzlerin  gewählt –   mit dem  Teufel-Nachfolger Winfried Kretschmann (Grüne) ein  Bosch-Forschungszentrum in Renningen. Damals wurde sie von Demonstranten begrüßt, die mit einem Transparent die Asyl- und Flüchtlingspolitik kritisierten. Ein paar Jahre später kam sie noch einmal zurück – dieses Mal virtuell.

Während der Corona Pandemie im Juni 2021 wurde bei der IBM in Ehningen der erste Quantencomputer Europas eingeweiht, das Interesse war riesig. In der Videokonferenz sprach sie Grußworte, doch hatte ein Mitarbeiter das Modell des Computerchips falsch herum auf den Schreibtisch gestellt. Als kundige Physikerin bemerkte Merkel vermutlich als einzige den Fauxpas. Sie drehte während der Veranstaltung das Modell richtig herum und nahm den Ehninger Supercomputer symbolisch in Betrieb.

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