Kater Karlsson gesucht Bußgeld wegen Plakataktion? Hetze gegen Stadt Maulbronn

Von Beate Grünewald 

Eine Familie aus Maulbronn hängt Plakate auf, weil sie ihren entlaufenen Kater Karlsson vermisst. Kurz darauf kommt ein Brief von der Stadt – es droht ein Bußgeld. Auf Facebook hagelt es massive Kritik.

Mit diesem Plakat suchte Katrin Wiedmer nach dem vermissten Kater. Foto: Screenshot Facebook
Mit diesem Plakat suchte Katrin Wiedmer nach dem vermissten Kater. Foto: Screenshot Facebook

Maulbronn - Große Aufregung um ein entlaufenes Haustier: Eine Familie aus Maulbronn im Enzkreis sucht ihren entlaufenen Kater Karlsson und hängt Plakate mit einem Foto des Tieres aus. Daraufhin leitet die Stadt Maulbronn ein Bußgeldverfahren ein – in den sozialen Netzwerken hagelt es massive Kritik.

Gegenüber dem SWR schildert Katrin Wiedmer den Fall: Ihr 15-jähriger Sohn habe in Maulbronn Plakate mit dem Foto seines vermissten Katers aufgehängt. Doch alle seien kurz darauf wieder abgehängt worden. Dann folgte ein Brief der Stadt Maulbronn mit dem Hinweis, dass gegen sie ein Bußgeldverfahren über Ordnungswidrigkeiten eingeleitet wurde.

„Sie haben im Stadtgebiet Maulbronn an mehreren öffentlichen Stellen Suchplakate Ihres Katers Karlsson aufgehängt ohne in Besitz einer Plakatierungserlaubnis zu sein“, heißt es darin. Nun habe Wiedmer zwei Wochen Zeit, sich in einem Anhörungsbogen zu den Beschuldigungen zu äußern.

Aufrufe zum Protest bei der Stadt werden laut

In der Facebook-Gruppe „Tiere entlaufen Baden-Württemberg“ postete Katrin Wiedmer den Brief der Stadt und löste einen Shitstorm aus. Der Beitrag wurde fast 2000 Mal geteilt und vielfach kommentiert. Im Fokus der Kritik: die Stadt Maulbronn.

„Schweinerei! Haben die keine anderen Sorgen“, schreibt eine Leserin. „Sollten sich mal um andere Dinge kümmern“, schreibt ein anderer. „Ich frage mich echt, wo eigentlich die Menschlichkeit bei vielen geblieben ist.“ Aufrufe zum Protest gegen die Stadt werden laut. Auf der Facebookseite der Stadt Maulbronn hinterließen viele User in den vergangenen Tagen miese Bewertungen und verweisen auf das herzlose Verhalten der Angestellten.

Gegenüber dem SWR betont Katrin Wiedmer, dass sie diesen Shitstorm gegen die Stadt Maulbronn nicht gewollt habe. Sie habe den Brief lediglich in der Entlaufenen-Gruppe auf Facebook gepostet, um andere Tierfreunde darauf aufmerksam zu machen, dass man für das Plakatieren eine Genehmigung brauche.

Trotzdem findet sie die Reaktion der Stadt überzogen: „Es hätte auch ein einfacher Anruf genügt“, sagt Wiedmer. „Gleich mit einem Bußgeldverfahren zu kommen finde ich etwas übertrieben und beschämend.“

Stadt Maulbronn: „Wichtig ist, dass das Tier gefunden wird“

Bei der Stadt Maulbronn ist man unglücklich über den Verlauf der Geschichte, verweist aber auf den vorgegebenen rechtlichen Rahmen – die Polizeiverordnung. „Die Stadt hat nichts dagegen, dass plakatiert wird, sie muss nur informiert werden“, erklärt Ulrike Fegert, Pressesprecherin der Stadt Maulbronn. Sie erwähnt außerdem: Der Hinweis über die unerlaubt angebrachten Plakate sei aus der Bevölkerung gekommen.

Die Polizeiverordnung besagt, dass das Plakatieren „außerhalb von zugelassenen Plakatträgern“ wie Plakatsäulen und Anschlagtafeln nicht erlaubt ist. Dafür bedarf es einer Genehmigung der Stadt. 15 Euro kostet so eine Erlaubnis. Ein Bußgeldbescheid würde etwa das Fünffache kosten.

„So wie die Sachlage jetzt ist, wird es wohl nicht zu einem Bußgeldbescheid kommen“, verrät Fegert. Es gehe schließlich um ein vermisstes Tier. „Die Stadt ist ja nicht kaltblütig“, so die Pressesprecherin. Von den negativen Kommentaren auf Facebook zeigt sie sich nur mäßig beeindruckt. „Wichtig ist, dass der Kater weiter gesucht wird – und nicht, dass gegen die Stadt gehetzt wird“, so Fegert.

Damit das Verfahren abgeschlossen werden kann, müsse die Halterin des Tieres jedoch noch Stellung nehmen und den sogenannten Anhörungsbogen ausgefüllt zurücksenden.