Keine Landeszuschüsse für das Kulturhaus in Ludwigsburg Das Scala macht erneut Miese

Und im Scala blickt man stumm . . . Die Hoffnung auf Landeszuschüsse hat sich zerschlagen, das Haus muss nun  neue Wege gehen. Foto: factum/Archiv
Und im Scala blickt man stumm . . . Die Hoffnung auf Landeszuschüsse hat sich zerschlagen, das Haus muss nun neue Wege gehen. Foto: factum/Archiv

Die Landesregierung hat dem Ludwigsburger Scala die Anerkennung als soziokulturelles Haus verweigert. Damit fehlen dem Haus 100 000 Euro. Der Gemeinderat und die Verwaltung hadern mit dem Wirtschaftsministerium.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)
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Ludwigsburg - Das baden-württembergische Wissenschaftsministerium meint es zurzeit nicht gut mit Ludwigsburg und seinen Kulturschaffenden: Nachdem das Stuttgarter Ministerium erst vor wenigen Wochen dem Oberbürgermeister in Sachen Umzug des Staatsarchivs eine Abfuhr erteilt hatte, hat es nun dem Verein Scala Live die Anerkennung als Soziokulturelle Einrichtung verweigert. Verwaltung und Gemeinderat fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Im Falle des Scala kostet das die Stadt 100 000 Euro. Das Geld ist nötig, um dem Kulturhaus aus der Klemme zu helfen.

In normalen Jahren wird das Scala von der Stadt mit 210 000 Euro bezuschusst. Dies zugrunde gelegt, liegt das letzte „normale“ Jahr schon eine Weile zurück. Der CDU-Stadtrat Klaus Herrmann hat in der Sitzung des Gemeinderates am Mittwoch vorgerechnet, dass das Scala seit 2013 regelmäßig zusätzliche Mittel benötigt hat. Mussten anfangs 17 500 Euro und dann 27 000 Euro auf die 210 000 Euro drauf gepackt werden, waren es 2015 bereits 68 000 Euro. 2016 war erstmals ein ergänzender Zuschuss von 100 000 Euro nötig – in diesem Jahr wird er zum zweiten Mal fällig.

Das Team von Scala Kultur hat die Zusatzkosten 2016 und 2017 mit der Neuausrichtung des Hauses gerechtfertigt. Unter anderem soll das Scala für soziale und politische Themen geöffnet werden. Die Idee dahinter: Sofern das Haus als soziokulturelles Zentrum anerkannt werde, bekomme es auch Zuschüsse vom Land. Im Programm schlug sich das zum Beispiel im März mit den Internationalen Wochen gegen Rassismus nieder. Im Mai folgte das zweiwöchige Festival „Achtung?! Denkweite“, eine Auseinandersetzung mit Extremismus in der modernen Gesellschaft.

Noch im Juli war Scala-Geschäftsführer Edgar Lichtner guten Mutes: Man habe alle Kriterien erfüllt, dem im Januar eingereichten Antrag auf Zertifizierung werde wohl stattgegeben. Dass daraus nun doch nichts geworden ist und das Scala auf ungedeckten Zusatzkosten sitzt, führt er auf einen Fehler im System zurück.

„Es kann nicht sein, dass die Arbeitsgemeinschaft der soziokulturellen Einrichtungen Empfehlungen ausspricht und die Politik dem folgt“, sagt Lichtner. In seiner Ablehnung beruft sich das Ministerium auf einen entsprechenden Bescheid der Arbeitsgemeinschaft. Doch die sei eben Partei, sagt Lichtner. Deren Mitglieder kämen schon bisher in den Genuss der staatlichen Förderung und sie dächten offenbar nicht im Traum daran, den Kuchen mit noch mehr hungrigen Mäulern zu teilen.

Hier gebe es ganz offensichtlich einen Zielkonflikt, meinte Oberbürgermeister Werner Spec: „Das wirft politische Fragen auf.“ Diese Art der Zuschussvergabe des Landes sei höchst fragwürdig, meinten auch Stadträte von CDU, Freien Wählern und FDP. Grünen-Stadtrat Michael Vierling sprach von „einem unglücklichen Verlauf bei der Bewerbung“.

Es gab jedoch auch Kritik an der Planung des Scala. „Man muss eben so planen, dass das Geld reicht“, sagte Claudia Dziubas (Ökolinx). Der Gemeinderat könne zwar das Scala nicht hängen lassen, „aber man kann nicht planen, wenn man das Geld nicht hat“, sagte Annette Deetz (SPD). Ähnlich äußerten sich auch Kritiker aus den Reihen der CDU: Die Scala-Team hätte nicht auf die bloße Hoffnung bauen dürfen, sondern erst dann zusätzliche Kosten generieren dürfen, wenn es die Mehreinnahmen sicher gehabt hätte.




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