Kernen im Remstal Schuldiskussion geht weiter

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Nach dem absehbaren Ende der Werkrealschule steht das Konzept für die Rumold-Realschule aus.Eben erst hat der Gemeinderat sich ergeben und den Schließungs-beschluss für die Werkrealschule in der Karl-Mauch-Schule gefällt.

Der Schließungsbeschluss für die  Werkrealschule in der Karl-Mauch-Schule ist gefällt. Foto: Gabriele Lindenberg
Der Schließungsbeschluss für die Werkrealschule in der Karl-Mauch-Schule ist gefällt. Foto: Gabriele Lindenberg

Kernen im Remstal - Eben erst hat der Gemeinderat Kernen sich kampflos ergeben und den Schließungsbeschluss für die Werkrealschule in der Karl-Mauch-Schule gefällt. Zeitgleich hat er versucht, die Diskussion über die Zukunft der Rumold-Realschule, der als einziger verbliebener weiterführender Schule in Kernen, die geordnete zielführende Bahnen zu lenken. Ein runder Tisch zur Schulentwicklung soll dies leisten. Es gibt aber derzeit möglicherweise schon eine Mehrheit im Gemeinderat, die sie gerne künftig als Gemeinschaftsschule sehen würde, um auch für Schüler auf Hauptschulniveau ein Angebot am Ort zu haben und de Drang an andere Standorte von Gemeinschaftsschulen – ihm sind zuletzt sieben Schüler aus Kernen gefolgt – entgegenzuwirken.

„Wunsch und Wille einer großen Anzahl von Eltern gehen eindeutig in Richtung Gemeinschaftsschule“

„Wunsch und Wille einer großen Anzahl von Eltern gehen eindeutig in Richtung Gemeinschaftsschule. Diesem Trend können wir uns auch in Kernen nicht verschließen“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans Peter Kirgis. „Selbst wenn die Schulleitung und das Lehrerkollegium der Rumold-Realschule derzeit noch anderer Meinung sind, wird das Ziel in Kernen eine Gemeinschaftsschule einzurichten, von der SPD-Fraktion weiterverfolgt“, kündigt er an, während sich andere Befürworter mehr zurückhielten.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nannte Bürgermeister Stefan Altenberger Festlegungen auf die Gemeinschaftsschule „verfrüht“ angesichts der erst stattfindenden Ratsdebatte über die Schulentwicklung. Auch vom Staatlichen Schulamt Backnang wird möglicherweise wenig Unterstützung kommen: Dessen Leiterin Sabine Hagenmüller-Gehring sieht die Einführung von Gemeinschaftsschulen für den Rems-Murr-Kreis „weitgehend fertig“, wurde die Leitende Schulamtsdirektorin vor kurzem in unserer Zeitung zitiert. Mit den sieben Schulen, die einen Antrag für das nächste Schuljahr stellen, wird es im Kreis 20 Gemeinschaftsschule geben. Viel mehr würden wohl nicht benötigt, sagte sie. Hans Peter Kirgis will sich davon nicht beirren lassen: „Wir müssen weiterhin gemeinsam dieses Ziel weiterverfolgen und dürfen nicht untätig zuwarten, wie sich die Schullandschaft weiterentwickelt.“

Dagegen hält die CDU, deren Fraktionsvorsitzender Andreas Wersch stellvertretender Leiter der Auberlen-Realschule ist, zu dieser Schulart. Sie kann sich darauf berufen, dass für die Rumold-Realschule kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht. Zwar hatte sie für das Schuljahr 2014/2015 nur 35 Anmeldungen statt zuvor zwischen 40 und 58. Für die auf Zweizügigkeit angelegte Rumold-Realschule ist dies in einem Jahr mit hohen Zahlen an Gymnasialempfehlungen aber kein Alarmsignal, meint auch Kernens Hauptamtsleiter Bernhard Bühler.

Schüler aus Gymnasien wechseln insbesondere nach Klasse 7 oder 8 auf die Realschule

Dies gilt zumal, wenn man die im späteren Verlauf ihrer Bildungskarriere noch in die Realschule stoßenden Schüler betrachtet: Von 52 Schülern zum Start sind bis jetzt in den sechsten Klassen fünf weitere hinzugekommen. Die siebten Klassen waren einst 47 Fünftklässler stark und haben heute 53 Schüler. In die achten Klassen gehen heute 57 Schüler, obwohl der Jahrgang im Schuljahr 2011/2012 mit 46 Schülern gestartet ist. Die Klassen 9 sind von einst 40 Schülern sogar auf 59 Schüler angewachsen, die zehnten Klassen von 46 auf 61. Die Rumold-Realschule musste reagieren: Bis zu 60 Schüler können zwei Realschulklassen haben. Mit der Zeit wurden daraus in zwei Jahrgängen der jüngeren Zeit drei Klassen mit 61 und mehr Schülern. Das lag daran, dass Schüler aus Gymnasien insbesondere nach Klasse 7 oder 8 auf die Realschule gewechselt sind. Erhebliche Platzprobleme im Schulgebäude waren die Folge. Sorgen, auch der Rumold-Realschule könnten die Schüler ausgehen wie zuvor der Karl-Mauch-Werkrealschule, erscheinen trotz der bekannten demografischen Entwicklung zu weniger Geburten vor diesem Hintergrund voreilig.

Altenberger und Hauptamtsleiter Bernhard Bühler sehen es als kritisch an, wenn sich die Rumold-Realschule zur Gemeinschaftsschule entwickeln soll: Schüler, die nicht auf einem Gymnasium bleiben können oder wollen, können nicht auf eine Gemeinschaftsschule wechseln. Für diese starke Schülergruppe gäbe es in Kernen dann kein Angebot mehr.

Für die weiterführende Schule wird die Konzentration auf den jetzigen Standort in Rommelshauen favorisiert

Mit dem jüngsten Beschluss im Gemeinderat haben die Bürgervertreter schon eine Vorentscheidung gefällt. Für die weiterführende Schule wird die Konzentration auf den jetzigen Standort in Rommelshauen favorisiert. Die Räume der jetzigen Werkrealschule in der Karl-Mauch-Schule sollen nicht von einer möglichen Gemeinschaftsschule weitergenutzt werden. Eine Teilung auf zwei Standorte wird sowohl von Realschulrektorin Ingeborg Nagl-Kranziger, als auch vom Schulamt abgelegt.

Auch die Gemeindeverwaltung hat Gründe, sich dagegen zu stemmen: Sie müsste für eine Gemeinschaftsschule und deren verbindlichen Ganztagesbetrieb an beiden Standorten eine Mensa und weitere Räume errichten. Für einen Ganztagesbetrieb reichen die Räume laut Hauptamtsleiter Bühler an der Karl-Mauch-Schule „bei weiterem“ nicht aus. Bürgermeister Altenberger und der Hauptamtsleiter sehen laut einer Vorlage an den Gemeinderat die von den Schulen aufgeworfenen Probleme eines geteilten Lehrerkollegiums und der teilweise erforderlichen Wege und Wegzeiten als gravierend an.