Auch wenn die eigentlichen Bauarbeiten für den Neubau der John-Cranko-Schule erst im Sommer beginnen, wird auf dem Areal an der Werastraße jetzt schon gerodet – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt.

Titelteam Stuttgarter Nachrichten: Christian Milankovic (mil)

Stuttgart - Weitgehend unbemerkt haben die Arbeiten für den Neubau der John-Cranko-Schule im Kernerviertel begonnen. Obwohl die Stuttgarter Öffentlichkeit in der Regel ausgesprochen sensibel reagiert, wenn für Bauvorhaben Bäume gefällt werden müssen, konnten die Mitarbeiter einer Gartenbaufirma aus Altbach (Kreis Esslingen) unbehelligt von Protesten sich daran machen, die Baufläche zwischen der Wera- und der Kernerstraße zu roden. Auf dem Grundstück mit Blick auf die Innenstadt müssen nach Angaben einer Sprecherin des baden-württembergischen Wirtschafts- und Finanzministeriums immerhin 65 Gehölze dem geplanten Neubau der renommierten Ballettschule weichen. Das Land ist der Bauherr der Einrichtung.

Zwei weitere Bäume außerhalb des eigentlichen Grundstücks fallen, um die Sicherheit während des Bauphase zu gewährleisten. Der Rückschnitt der Pflanzen muss bis Ende Februar und dem Beginn der Vegetationsphase erfolgt sein. Mit den eigentlichen Erdarbeiten geht es aber nach Angaben der Behördensprecherin nicht vor Anfang Juli los. „In der Zwischenzeit führen wir noch weitere vorbereitende Arbeiten durch – etwa die Baustelleneinrichtung“.

Bis zum Beginn der Aushubarbeiten dauert es noch

Mit den ersten Arbeiten geht eine lange Zeit der Diskussion zu Ende, die nicht immer ganz frei von Spannungen gewesen ist. Kontroversen gab es unter anderem zur Frage, wie viele Bäume tatsächlich für das vom Münchner Büro Burger Rudacs Architekten geplante Ensemble weichen müssen. Vor allem der Plan, für die Baustelleneinrichtung Gehölz im nennenswert Umfang zu entfernen, hatte die Kritiker auf den Plan gerufen. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sah sich veranlasst, in einem Brief an Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) einen schonenderen Umgang mit der Botanik anzumahnen. Wenn die Kaderschmiede für den Ballettnachwuchs einmal fertig ist, werden 56 Bäume vor Ort nachgepflanzt, erklärt die Ministeriumssprecherin.

Stadt und Land investieren rund 50 Millionen Euro, um die renommierte Einrichtung aus ihrer Platznot am alten Standort an der Urbanstraße zu befreien. Ursprünglich waren die Kosten auf 32 Millionen Euro taxiert gewesen. Die Preissteigerung konnte die Stadt auch deshalb mittragen, da sie in der Porsche AG einen zahlungskräftigen Sponsor fand. Die Zuffenhäuser steuern zehn Millionen, die Stadt 16 Millionen Euro für eine gemeinsame „Stiftung zur Förderung der John-Cranko-Schule der württembergischen Staatstheater Stuttgart“ bei. Das Ausbildungszentrum soll künftig neben einer Probebühne für 200 Zuschauer, Übungsräume für 150 Schülerinnen und Schüler und ein Wohnheim für 70 Eleven bieten.