Kickers zurück auf der Waldau Die Tribüne ist der Star

Von Jörg Nauke und  

Am Samstag ist das runderneuerte Waldaustadion eröffnet worden – und wie ist es für die Fans? Zwei StZ-Redakteure machten den Praxistest – einer auf der Haupttribüne, einer auf der Gegengerade.

Kickers-Präsident Rainer Lorz (links) und OB Fritz Kuhn testen den Rasen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski 16 Bilder
Kickers-Präsident Rainer Lorz (links) und OB Fritz Kuhn testen den Rasen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Haupttribüne
Sie verschafft den Kickers bessere Bedingungen für die Vermarktung. Die Gastronomie ist okay.

So ein Fußballspiel dauert in der Regel kaum mehr als 93 Minuten, wer aber 450 Fußballfans mit Logentickets zu Gast hat, sollte wohl doch mehr Zeit einplanen. „Der erste Koch hat um sechs angefangen“, sagt Gastronom Axel Steinbeck, der mit Partner Heiko Krelle nun nicht mehr nur den Club Schräglage in der City betreibt, sondern auch das Waldaustadion.

Es sind noch drei Stunden bis zum jenem Schauspiel kurz vor Anpfiff, bei dem OB Fritz Kuhn seinen Freund aus Leder nicht nur an den Präsidenten Lorz übergibt, sondern ihn zuvor mit dem Innenrist streichelt, als die Küche in Schräglage gerät: „Dampfgarer an Rauchmelder: Aktivierung.“ „Rauchmelder an Dampfgarer: Feuerwehr alarmiert.“ Die Panne geht richtig ins Geld, weil sie sich nicht auf dem kleinen Dienstweg regeln lässt. Sechs Löschfahrzeuge rücken an.

Eine Stunde vor Spielbeginn füllt sich die neue Haupttribüne. Statt 1068 nie komplett verkauften Plätzen gibt es jetzt 2211. „In die Heimat kehr’n wir wieder, dieselbe Luft, dieselben Lieder“ prangt zwar vom Banner gegenüber. Weil in der alten Heimat aber neue Platznummern gelten, herrscht vielfach Orientierungslosigkeit. Zufrieden schauen dagegen Sanitäter und Polizisten drein. Sie erhalten Asyl im Tribünenbauch, früher hausten sie im Container. Vom Spiel bekommt man auf der Wache nicht viel mit. Es wird zwar live im „Dritten“ übertragen, doch die Polizei hat keinen Fernseher.

Vor dem Business-Bereich stehen Großkopfete sowie Vertreter der Stadt und die halbe CDU-Fraktion in der Schlange. Gelegenheit, sich für die Entscheidung zum Stadionausbau zu loben. Bei der Vokabel schaut der Stadtkämmereileiter Volker Schaible aber drein, als hätte er schon drei dieser herrlich-würzigen Currywürste verdrückt. Bei „Stadionausbau“ denkt er vor allem an den möglichen Zahlungsausfall für die Mercedes-Benz-Arena, sollte der VfB dieses Jahr absteigen, woran kein Kickers-Fan zweifelt.

Nun haben die „Blauen“ also auch einen beheizbaren Wintergarten mit Spielfeldblick. Kost und Logis gibt’s für 115 bis 192 Euro, es sei denn, man hat sich einladen lassen. „Wir geben 150 Prozent“, sagt Gastronom Axel Steinbeck. Viele Gäste nehmen 150 Prozent. Auf ihren Tischen sieht es aus wie bei Hempels. Gourmets wie SPD-Stadtrat Hans Pfeifer oder der Ur-Blaue AfD-Fraktionschef Bernd Klingler, der lediglich der Petersilienwurzelsuppe mehr Würze gegönnt hätte, loben die Qualität der Speisen. Wenn schon der Kuchen vom Sillenbucher „Rosenstöckle“ stammt! Am Samstag im Angebot: Krustenbraten, Kässpätzle, Geflügelbrust, Kickers-Burger, Hähnchenspieße mit Mango-Chutney, ein Salat-Bufett und geschichtete Mascarpone. Jetzt muss der DFB nur noch die Halbzeitpause verlängern. Bei Wiederanpfiff sind viele „Vips“ erst beim zweiten Gang. Würden sie sich strecken, könnten sie einen kleinen Ausschnitt vom beheizten Rasen sehen.

 

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