King Gizzard and the Wizard Lizard in Schorndorf Psychedelischer Orkan aus Down Under

Von Thomas Morawitzky 

Bei ihrem Konzert in der Schorndorfer Manufaktur haben King Gizzard and the Wizard Lizard Gitarren leise zerrende Schreie ausstoßen und Melodien in kurzen Schleifen tanzen lassen. Und haben dabei geklungen wie Black Sabbath, The Greatful Dead, Hawkwind und King Crimson zusammen.

King Gizzard and the Wizard Lizard haben ihr Publikum überwältigt. Foto: Veranstalter
King Gizzard and the Wizard Lizard haben ihr Publikum überwältigt. Foto: Veranstalter

Schorndorf - Sie gründeten sich vor gerade erst acht Jahren, sie veröffentlichten 2017 allein fünf Studio-Alben. King Gizzard and the Wizard Lizard kommen aus Melbourne, sind unverkennbar aufgewachsen inmitten von Schallplattenregalen aus einem anderen Jahrzehnt und haben sich längst einen großen Ruf erspielt: Am Mittwochabend füllen die australischen Erneuerer des Psychedelic-Rock die Schorndorfer Manufaktur restlos mit einem Publikum, das vor allem jung ist und T-Shirts im alten Stil trägt. Im Fahrwasser von King Gizzard and the Lizard Wizard entdeckt eine Generation Musikgeschichte. Der Name, den die Band sich selbst gegeben hat, spielt natürlich an auf Jim Morrison, den Sänger von The Doors, der sich gerne als schamanistischer Echsenkönig sah.

Im Vorprogramm: Amyl and the Sniffers, ebenfalls aus Melbourne. Sie sind das Gegenprogramm, spielen launisch simplen, harten Retro-Punk. Ihre sehr blonde Frontfrau singt mit toller Plastikstimme und springt zuckend über die Bühne. King Gizzard beginnen ihr Konzert dann sehr gelassen: im Halbdunkel nähern sich leuchtende Balken auf der Leinwand, die Instrumente werden lange gestimmt, summende Gitarren, ein Schlagzeug, das erst leise einfällt, hängen im Saal. Dann verdichtet sich all das zu einem ersten Stück: ein motorischer Rhythmus, Gitarren, die leise zerrende Schreie ausstoßen, Melodien, die in kurzen Schleifen auf dem Mechanismus tanzen. Die Rockband-Version eines Kraftwerkhits könnte das sein, oder von Klaus Dinger.

Längst sind alle nass geschwitzt

Krautrock bleibt ein klarer Bezugspunkt an diesem Abend. Aber damit ist es nicht getan. King Gizzard and the Lizard Wizard streuen gekonnt unzählige Referenzen an den harten psychedelischen Rock der 1970er auf ihre Rhythmusmuster und setzen dabei enorme Energie frei. Die Band besteht aus Schulfreunden, ihre Musik kommt vom Jam, vom freien Zusammenspiel her, die Stücke strecken sich rauschhaft. An Vorbilder wie The Grateful Dead – sehr präsent auf den T-Shirts des Publikums – erinnern King Gizzard immer nur dann, wenn ihre Musik sich allmählich aus weit gestreuten Klangpartikeln herauskristallisiert und eine Form annimmt.

Gleich aber gehen die beiden Schlagzeuger, die sich auf der Bühne an kleineren Drum-Sets gegenüber sitzen, in Führung, drängen die Musik auf eine endlose Autobahn, steigern das Tempo hart und hypnotisch. Ozric Tentacles, eine andere psychedelische Jam-Band jüngerer Generation, kommt in den Sinn, vor allem aber die Japaner Acid Mothers Temple, die ganz ähnlich mit Bezügen zu den 1960ern, 1970ern jonglieren. King Gizzard haben ihnen voraus, mit wie leichter Hand sie in jedem Song ein Patchwork aus oft sehr klar erkennbaren Motiven weben. Black Sabbath stehen im Raum, Hawkwind, King Crimson. Die älteren Zuschauer spitzen überrascht die Ohren, die jüngeren überlassen sich dem Sog der Musik und ihrer Bilder.

Im Mittelpunkt der Band steht Stu Mackenzie, der mit der Gitarre in die Grätsche geht, singt. Ambrose Kenny-Smith steht am Keyboard, heult manchmal mit der bluesgetränkten Mundharmonika. Manch ein Musiker bleibt ganz im Bühnendunkel. Plötzlich verlassen King Gizzard den schnurgeraden Pfad der Ekstase, plötzlich klingt ihre Musik nach Jazz, spielen sie ungerade Takte, scheint Dave Brubeck sich in ihr Labyrinth verirrt zu haben; plötzlich mutiert die Musik zur Folklore. Dann geht es mit hart verzahnten Gitarrenriffs, uralten Keyboardklängen wieder zurück auf die Gerade. Dazu zuckt auf der Leinwand hinter der Band ein Inferno aus Blitzen, fließenden Formen, Mustern. Gizzard and the Wizard Lizard überwältigen ihr Publikum – nach zwei Stunden ist der psychedelische Orkan aus Down Under vorbeigezogen und alle, die in der Manufaktur lauschten und tanzten, sind längst nass geschwitzt.