Kinokritik zu „Knives out“ Tod mit Hindernissen

Von Kathrin Horster 

Der Krimi „Knives out“ spielt mit Mustern der guten Agatha-Christie-Knobelromane. Aber er ist auch ein starker Kommentar zur Gesellschaft unter US-Präsident Donald Trump. Daniel Craig ist hier mal nicht James Bond.

Achtung, keine Spuren zertrampeln: Daniel Craig, LaKeith Stanfield und Noah Segan (v. li.) Foto: Universum Film 14 Bilder
Achtung, keine Spuren zertrampeln: Daniel Craig, LaKeith Stanfield und Noah Segan (v. li.) Foto: Universum Film

Stuttgart - Ein Mordfall ist nichts für Sensible, die schon beim Anblick der Farbe Rot erblassen. Beim Krimidinner oder Exit-Game wird das Verbrechen dagegen zum Partyhit; die Frage „Wer war´s?“ beschäftigt ein eigenes Genre in Literatur und Film. Der sogenannte Whodunit funktioniert nach ebenso einfachen wie effizienten Gesetzen. Was schnell öde werden kann – wenn der Täter doch wieder nur der Gärtner ist. Rian Johnsons bitterböser, virtuos konstruierter Kriminalfall „Knives Out – Mord ist Familiensache“ hat aber ein anderes Kaliber.

Lauter Verdächtige

Alles deutet auf einen Suizid hin, als Lieutenant Elliott (LaKeith Stanfield), dessen Kollege Wagner (Noah Segan) und der von einem Anonymus angeheuerte Privatermittler Benoit Blanc (Daniel Craig) die Leiche des Krimi-Schriftstellers Harlan Thrombey (Christopher Plummer) begutachten. Thrombey hatte mit Angehörigen seinen 85. Geburtstag gefeiert, sich später in seine Studierstube zurückgezogen und war dort am nächsten Morgen von der Haushälterin gefunden worden – mit durchtrennter Kehle und der zur Wunde passenden Waffe. Doch es findet sich kein Motiv für einen Selbstmord, auch die martialische Art der Tötung spricht dagegen. Auf die Nachfragen der Kriminalisten reagieren Thrombeys Angehörige verschnupft und sind deshalb allesamt schnell verdächtig.

Walt Thrombey (Michael Shannon), Sohn des Toten, fällt nicht nur mit steilen politischen Thesen auf, er hat auch seinen Spross Jacob (Jaeden Martell) zum Neo-Nazi im Zopf-Pullunder erzogen. Joni, (Toni Collette) die verwitwete Schwiegertochter Thrombeys, ist notorisch pleite und kann sich das exklusive Schulgeld für Tochter Meg (Katherine Langford) nicht leisten. Und auch Linda Drysdale (Jamie Lee Curtis), ein weiteres Kind des Opfers, hat mit ihrem Gatten Richard (Don Johnson) ein paar Leichen im Keller. Nicht minder seltsam agieren die Hausangestellten Fran (Edi Patterson) und Marta (Ana de Armas).

Für die offene Gesellschaft

Diese dysfunktionale Sippe erinnert an das großbürgerliche, moralisch abgewirtschaftete Personal der für das Genre wegweisenden Romane der Britin Agatha Christie wie „Mord im Orientexpress“ oder „Das krumme Haus“, die beide erst 2017 neu fürs Kino verfilmt wurden.

Rian Johnson („Looper“, „Star Wars: Die letzten Jedi“) schwelgt aber nicht in nostalgischen Verweisen, sondern bindet Plot und Figuren an die Gegenwart an und thematisiert aktuelle politische Verwerfungen in den USA, wie etwa die grausame Anti-Migrationspraxis Donald Trumps. So ist „Knives Out“ nicht nur ein unterhaltsames, großartig besetztes Krimistück, sondern auch ein starkes Plädoyer für eine offene Gesellschaft, die Menschen nicht allein aufgrund ihres Geburtsrechts eine Heimat bietet.

Knives Out – Mord ist Familiensache. USA 2019. Regie: Rian Johnson. Mit Christopher Plummer, Jamie Lee Curtis, Ana de Armas. 131 Minuten. Ab 12 Jahren.