Kita-Betreuung in Leinfelden-Echterdingen Freitags gibt es keine Betreuung mehr
In der St.-Franziskus-Kita in Leinfelden-Echterdingen fallen Betreuungsangebote auch kurzfristig weg. Aber auch in anderen Kitas ist die Situation kritisch.
In der St.-Franziskus-Kita in Leinfelden-Echterdingen fallen Betreuungsangebote auch kurzfristig weg. Aber auch in anderen Kitas ist die Situation kritisch.
Die Beschwerden über die Kita St. Franziskus der katholischen Gemeinde Leinfelden-Echterdingen sind sehr heftig: Dass ein Betreuungstag künftig komplett wegfällt, haben die Eltern nur mit einem Vorlauf von zwei Wochen erfahren. Ebenfalls ganz kurzfristig wurden sie darüber informiert, dass eine Gruppe komplett geschlossen wird. Oder dass die Betreuungszeiten immer mehr verkürzt werden. Sie werden zudem mit neuen Mitarbeitern konfrontiert, die wohl über keine pädagogische Qualifikation verfügen. Und das Plus-Angebot, weshalb sich Eltern für einen kirchlichen Träger entscheiden, ist auch nicht mehr gegeben: „Ausflüge oder Kirchgänge gibt es nicht mehr, der tägliche Morgenkreis wurde in den Ü-3-Gruppen abgeschafft, die Wochenstruktur auf ein Minimum heruntergefahren.“
Das haben betroffene Eltern zusammengetragen, die hier namentlich lieber nicht genannt werden wollen. Denn sie stellen auch fest, dass die Situation in den anderen katholischen Kitas nicht ganz so prekär ist, ein Wechselbemühen dahin ist aber nicht realistisch.
Das alles sind massive Vorwürfe, die Pfarrer Thomas Vogel, als Administrator zurzeit auch zuständig für die Gesamtkirchengemeinde Leinfelden-Echterdingen, gar nicht erst schön reden will. Er erinnert an Infoabende, an runde Tische mit Kita-Leitung und den Elternbeiräten, an ein Gespräch mit dem Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. Hier wurden die Nöte wohl besprochen. Aber die Realität ist: „Wenn sich jemand krank meldet, ist er eben von heute auf morgen weg. Und wir müssen so kurzfristig darauf reagieren“. Die Personaldecke sei zu dünn, als dass dies andere auffangen könnten. Vogel: „Frau Ulrike Seibel vom Verwaltungszentrum Esslingen, für die Personalfragen verantwortlich, ist da sehr kreativ. Sie hat beispielsweise einen Musikpädagogen verpflichtet, um die Erzieherinnen wenigstens etwas zu entlasten. Sie gibt auch stets Stellenangebote raus. Aber angeln Sie mal in einem See, der quasi leer gefischt ist.“
Vogel beschreibt die Situation in St. Franziskus als „eine Verkettung unglücklicher Umstände“. Er gibt aber auch zu erkennen, dass strukturell hier etwas nicht in Ordnung ist: „Als weitere Unterstützungsmaßnahme haben wir inzwischen ein professionelles Coaching eingeführt“, so Vogel, „sowohl für das bestehende Personal wie für das künftige, das wir hoffentlich bald wieder haben werden“. Und für das spezielle kirchliche Plus-Angebot gibt es Marlene Schiebel, die außer ihren Aufgaben als Gemeindereferentin auch religiös unterwegs ist in der Arbeit mit den Kleinen. Vollwertig abdecken kann sie letztere Arbeit freilich auch nicht.
Stellt sich die Frage, ob und wie lange sich die Kirche diesen Aufwand noch leisten kann, die ja selbst von Sparmaßnahmen landes- wie bundesweit betroffen ist. „Derzeit können wir uns das noch leisten“, sagt Vogel. Er macht aber auch dezent auf den Vertrag mit der Stadt aufmerksam: „Insbesondere bei den Personalkosten und den Investitionen sind wir auf die hohen Zuschüsse der Stadt angewiesen.“ Und wenn die Kirche da aussteige, müsste die Stadt diese Aufgabe komplett übernehmen. Das dürfte allerdings nicht wirklich im Sinne der Kirche sein. Zum einen hat sie ein hohes Eigeninteresse daran, als Teil der Gesellschaft ihre Werte zu vermitteln im frühen Kindesalter. Zum anderen ist das auch die Erwartung von Eltern, die mit Religion und Kirche gut verbunden sind. Klar ist auch: Kinderbetreuung ist keine Aufgabe, wo man Gewinne erzielen kann, sondern das bleibt ein Zuschussgeschäft.
Die Situation in St. Franziskus mag besonders prekär erscheinen, sie ist aber kein Einzelfall. Viel zu wenig Personal, dieses viel zu wenig geschult – damit kämpfen seit Jahren viele Kitas im Land. Wenn Vogel einen schwarzen Peter verteilen wollte, würde er ihn der Politik geben: „Es war ein Fehler, einen Rechtsanspruch für jedes Kind auf einen Kita-Platz festzuschreiben. Da wurde ein Versprechen gemacht, das nicht eingehalten werden kann. Die Gebäude sind wohl da. Aber wo die Leute herkommen sollen, das wurde nicht beantwortet“, so Vogel. Und: „Ich kann die Eltern verstehen, wenn sie sich beschweren. Es ist für uns alle eine unbefriedigende Situation. Wir bemühen uns, so viel wie möglich auf die Beine zu stellen.“
Geschichte
Nach dem Krieg ließen sich katholische Heimatvertriebene unter anderem auch auf den Fildern nieder. So lebten 1950 in Echterdingen 645 Katholiken (bei 4044 Einwohnern) in Leinfelden waren es 367 Katholiken. Im September 1956 wurde St. Raphael und im April 1958 wurde St. Peter und Paul eingeweiht. Im Januar 1961 wurde St. Raphael zur Pfarrei, am 15. Juli 1964 folgte Leinfelden. Seit 2001 sind beide Gemeinden (mit jeweils etwa 4000 Mitgliedern) die Seelsorgeeinheit Leinfelden-Echterdingen, seit 2003 mit einem Pfarrer, seit 2019 als Gesamtkirchengemeinde.
Nachwuchs
Kinderbetreuung war von Anfang an eine Kernaufgabe der einst jungen Gemeinden. Das Angebot wurde kontinuierlich größer, beide Gemeinden unterhalten seit vielen Jahren jeweils zwei Kindergärten: So gibt es heute St. Michael, St. Franziskus, St. Gabriel und St. Martin. Sie bieten verschiedene pädagogische Schwerpunkte an, derzeit freilich nur in geringerem Maß oder aktuell auch gar nicht.
Leitbild
„Die Träger gewährleisten die Erfüllung des Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrags auf der Grundlage des christlichen Glaubens. Es werden Kinder ohne Rücksicht auf ihr Bekenntnis aufgenommen“ heißt es im Leitbild der katholischen Gesamtkirchengemeinde mit Blick auf ihre Kitas. Und mit Blick auf die Stadt: „Die kirchliche Kinderbetreuung erfolgt unter den Grundsätzen der Trägervielfalt und der Subsidiarität; beide Prinzipien werden von der Stadt Leinfelden-Echterdingen ausdrücklich bestätigt und anerkannt.“ (dl)