Kita-Gebühren in Heimsheim steigen Eltern zahlen bis zu 140 Euro mehr im Monat

In der Kita Bloßenberg sollen künftig, wenn auch zeitlich begrenzt, mehr Kinder unterkommen. Foto: /Simon Granville

Die Elternbeiträge in Heimsheim werden um bis zu 25 Prozent erhöht. Der Personalmangel macht der Stadt und allem den Eltern weiter zu schaffen.

Wegen der Energiekrise hatte die Stadt Heimsheim die Erhöhung der Kita-Gebühren vergangenes Jahr ausgesetzt. Jetzt gibt’s für Eltern dafür den richtig großen Brocken zu schlucken. Familien mit mehreren Kindern werden zum Teil entlastet. Für andere erhöhen sich die Gebühren um bis zu 25 Prozent. Die Stadt reagiert damit auf die stark angestiegenen Betriebs- und Personalkosten. Entsprechend groß war das Interesse bei den Eltern, die Zuhörerreihen im Ratssaal waren gut gefüllt.

 

Insgesamt ist die Situation in der Kinderbetreuung in Heimsheim wie auch in anderen Kommunen nicht einfach. 13 Stellen sind derzeit unbesetzt. Wie es weitergeht, darüber hat die Leiterin im Amt für Bildung und Soziales, Klara-Sophie Schüßler, im Gemeinderat berichtet.

20 Prozent der Kosten sollen von Eltern getragen werden

Normalerweise hebt die Stadt Heimsheim die Gebühren jährlich um rund zehn Prozent an, um irgendwann die Empfehlungszahlen der kirchlichen und städtischen Landesverbände zu erreichen. Diese sehen vor, dass 20 Prozent der Kosten für die Kinderbetreuung über die Elternbeiträge gedeckt werden. In Heimsheim sind es weniger als zehn Prozent.

Nun handelt es sich dabei lediglich um eine Empfehlung. Jeder Kommune ist es letztlich selbst überlassen, welche Gebühren sie erheben möchte. Jedoch wies der Heimsheimer Bürgermeister Jürgen Troll deutlich auf die klamme Stadtkasse hin. Demnach sei es durchaus wahrscheinlich, dass die Stadt früher oder später einen Kredit für Investitionen aufnehmen muss. „Das ist nichts Ungewöhnliches und haben wir auch früher schon gemacht.“ Allerdings werde in diesen Fällen vom Land genau darauf geachtet, ob die Kommune wirklich alle Möglichkeiten ausschöpft, um ihre Finanzen aufzubessern. Dazu gehören auch die Kita-Gebühren. Ralf Rüth (CDU) wies außerdem auf die gestiegene Kreisumlage hin, welche Heimsheim künftig zusätzliches Geld kosten wird.

Entscheidung fällt einstimmig bei drei Enthaltungen

Vor allem die SPD äußerte sich kritisch zu der Erhöhung. Die Fraktion hatte einst eine Staffelung der Gebühren nach Einkommen gefordert, um weniger wohlhabende Familien nicht zu stark zu belasten. Auch Michael Teichmann von der Freien Wählervereinigung bemängelte, dass die Eltern für die einstige Aufschiebung jetzt „doppelt bestraft werden“. Dennoch ging die Erhöhung einstimmig bei drei Enthaltungen durch. Mit den geplanten Erhöhungen wird der Kämmerei zufolge ein Deckungsgrad von insgesamt knapp elf Prozent erreicht.

Die Elternbeiträge für Kinder ab drei Jahren werden zum 1. Januar 2024 so angeglichen, dass der Kostendeckungsgrad von 20 Prozent in dieser Altersklasse erreicht wird. Eltern mit einem Kind zahlen für eine 30-Stunden-Betreuung pro Woche bald 189 Euro im Monat statt 155. Für eine Ganztagsbetreuung (40,5 Wochenstunden) werden 319 statt 257 Euro fällig. Die stärkste Erhöhung betrifft Eltern von Kindern unter drei Jahren. Bei einem Kind kostet die 30-Stunden-Betreuung bald 458 statt 366 Euro. Ganztagsbetreuung mit 45 Wochenstunden wird sogar um 137 teurer – die Kosten steigen von 547 auf 684 Euro im Monat. Um hier einen Deckungsgrad von 20 Prozent zu erreichen, müssten es fast 1500 Euro sein.

Eltern mit mehreren Kindern zahlen zum Teil weniger

Gute Nachrichten gibt es dagegen für Eltern mit mehreren Kindern. Für 42 Wochenstunden zum Beispiel zahlen Eltern mit vier Kindern bald nur noch 194 Euro statt 224 für Krippenkinder, bei Kindern über drei Jahren sogar nur noch 58 Euro statt 150.

In der jetzigen Situation ist eine Gebührenerhöhung gleichwohl schwer zu vermitteln. „Der Personalmangel hält uns weiter auf Trab“, berichtete Klara-Sophie Schüßler. „So deutlich wie jetzt war es noch nie“, bestätigte der Bürgermeister. Immer wieder kommt es bei Krankheitsfällen zu Verkürzungen von Öffnungszeiten oder Ausfällen an Kitas, weil einige Erzieherstellen unbesetzt sind. Klara-Sophie Schüßler warnte aber davor, den Teufel an die Wand zu malen. „Wir dürfen jetzt nicht in diese Spirale geraten, dass alles schlecht und furchtbar sei.“ Bei der Suche nach Erzieherinnen und deren Ausbildung habe die Verwaltung schon viel getan und bekomme von Bewerberinnen viele positive Rückmeldungen. Doch die Stadt befindet sich im Konkurrenzkampf mit anderen Kommunen, alle Bemühungen brauchten ihre Zeit.

Mehr Kinder für die Kita Bloßenberg

In der Zwischenzeit – und darüber hinaus – muss die Stadt sich Lösungsansätze überlegen. Im Krippenbereich zum Beispiel sind zwar ausreichend Plätze vorhanden. „Die Belegung kann in der Krippe Lerchenrain durch den Fachkräftemangel jedoch nicht vollzählig erfolgen“, erklärte Schüßler. Es geht um acht Betreuungsplätze. Auch in der Krippe Heerstraße kommt es bei der Aufnahme zu Wartezeiten, weil nur zwei neue Kinder pro Monat aufgenommen werden können. Ein Ziel lautet daher, in der Krippe Heerstraße, wo Kinder bisher erst ab zwei Jahren zugelassen sind, bereits Einjährige unterzubringen. Das würde auch die Fachkräfte entlasten, „die sonst permanent am Eingewöhnen von Kindern sind“.

Die Kita Bloßenberg soll außerdem ab Mitte 2025 weitere Kinder aufnehmen. Das sorgte für Kritik im Rat. Denn die Bloßenberg-Kita gilt bereits als sanierungsbedürftig, die Raumverhältnisse sind beengt. „In der Eulenstraße haben wir eine ganz neue und geräumige Kita gebaut, wieso kann man die Kinder nicht dort unterbringen?“, wollte Dennis Waldherr (CDU) wissen. Das Problem ist: Der Platz ist zwar da. Aber weder die Betriebserlaubnis noch die Personalkapazitäten geben das dort her, erklärte Klara-Sophie Schüßler. Wegen der beengten Raumsituation soll die Erweiterung im Bloßenberg auch nicht von Dauer sein, sondern bis spätestens 2027 wieder beendet werden.

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