Krimikolumne

Klassiker-Check: „Der Pate“ Drohendes Rumoren

Am Hochzeitstag seiner Tochter kann der Pate (Marlon Brando) keinen Wunsch abschlagen. Aber irgendwann will er halt eine kleine Gefälligkeit dafür. Foto: AP
Am Hochzeitstag seiner Tochter kann der Pate (Marlon Brando) keinen Wunsch abschlagen. Aber irgendwann will er halt eine kleine Gefälligkeit dafür. Foto: AP

Der Bestseller stand einst in jedem zweiten Wohnzimmer. Dennoch ist es auch heute noch ein Buch, das man nicht ablehnen kann.

Lokales: Hans Jörg Wangner (hwe)
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Stuttgart - Auch bücherferne Haushalte hielten sich in den 70er Jahren Bücher. Das hatte mit den Buchclubs zu tun und mit dem Umstand, dass man zu runden Geburtstagen mangels origineller Alternativen dann doch ein Buch verschenkte. Zu den Werken, die aus diesem Grund in jeder zweiten Wohnstube standen, gehörten Leon Uris’ „Exodus“, Günter Grass’ „Butt“ und – für Heranwachsende besonders interessant – irgendwas von und mit „Angélique“. Ein weiteres Buch, das man häufig sah und schon deshalb gar nicht mehr lesen wollte, war „Der Pate“ von Mario Puzo.

Die Sache mit dem Pferdekopf

Der Pate. Natürlich. Brando und das Angebot, das man nicht ablehnen kann. Die Sache mit dem Pferdekopf. Und die Musik von Nino Rota. Ein Klassiker. Einer, den ich als Buch immer links liegen ließ. Bis ich jetzt sah, dass ein gewisser Ed Falco die Vorgeschichte zu „Der Pate“ geschrieben hat, „Die Corleones“, und die auf Deutsch auch noch beim Stuttgarter Verlag Klett-Cotta erscheint. Da wurde ich doch noch neugierig auf den Klassiker.

Es heißt ja immer, dass die Mafiosi sich erst wie Mafiosi benehmen, sich so kleiden, sprechen und bewegen, seit sie es beim „Godfather“ so gesehen und gelernt haben. Dazu kann ich mangels eigener Anschauung nichts sagen. Aber dass der Pate auch in Zeiten brutaler Thriller und durchgestylter Hightech-Krimis noch ohne Probleme bestehen kann, das ist eine Tatsache.

Puzo erzählt die Geschichte des Dons Vito Corleone ernsthaft und zwingend. Er leistet sich epische Breite und lakonische Pointen, er schweift ab in die Geschichte der Familie, über weite Strecken ist der namensgebende Pate nicht mehr als ein drohendes Rumoren im Hintergrund.

Am Ende... aber lassen wir das.

Eine Krimi-Überraschung

Grass muss nicht mehr sein, über Angélique und ihre galanten Abenteuer bin ich längst hinaus. Aber der Puzo war für mich persönlich die Krimi-Überraschung der letzten Zeit.

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