Klima-Projekt Weissach im Tal Mitfahrbänkle und Brezel-Bike

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In Weissach im Tal wird ein ehrgeiziger Aktionsplan präsentiert. Der Kohlendioxid-Ausstoß soll stark sinken. Geplant sind unter anderem ein Sonntagsbrötchen-Fahrradservice und ein Bürger-Energiekonzept.

Der erste Mitfahrstuhl an einer  Bushaltestelle in Unterweissach Foto: Gottfried Stoppel
Der erste Mitfahrstuhl an einer Bushaltestelle in Unterweissach Foto: Gottfried Stoppel

Weissach im Tal - Klima wandeln – prima handeln“: das ist der Titel eines ehrgeizigen Programms, das in Weissach im Tal in den nächsten Jahren dazu beitragen soll, den Kohlendioxid-Ausstoß pro Kopf um rund zwei Tonnen zu reduzieren. Viele engagierte Bürger und ein paar Fachleute feilen seit Monaten an konkreten Einzelprojekten, ein paar sind bereits umgesetzt worden, zum Beispiel der Mitfahrstuhl, der an der Bushaltestelle am Lindenplatz im Hauptort Unterweissach steht.

Der Stuhl solle „das Trampen“ wieder salonfähig machen, so die Projektreferentin Silke Müller-Zimmermann. Wer bei anderen Leuten im Auto mitfährt, der schone die Umwelt und verbessere das Klima, zunächst in erster Linie allerdings im übertragenen Sinne: weil die Bürger sich wieder näher kommen, werde das zwischenmenschliche Klima im Flecken angenehmer.

Weckle mit dem Rad zu den Kunden kutschieren

Am Freitagabend haben die Macher des Projekts „Klima wandeln – prima handeln“ im Weissacher Klima-Kulturzentrum in der Welzheimer Straße ihren umfangreichen Aktionsplan „Klimaschutz im Alltag“ vorgestellt. Geplant ist unter anderem die Aufstellung mehrerer Mitfahrbänkle in den Weissacher Teilorten sowie ein Brezel-Bike: Dieser Sonntagsbrötchen-Fahrradservice solle möglichst viele Autofahrten verhindern. Der Biker, so der Vorschlag, könnte die Weckle direkt zu den Kunden kutschieren.

Bei einem sogenannten Solidarischen Markt sollen samstags in erster Linie regionale Produkte angeboten werden. Recht anspruchsvoll ist das Projekt Bürger-Energiekonzept: Die Menschen, so die kühne Überlegung, sollen sich mit selbst produziertem Strom versorgen, dafür wären Fotovoltaikanlagen und Energiespeicher – womöglich E-Autos – nötig. Auf mindestens 100 Hausdächern sollten Solarstromanlagen installiert werden. Wer kein Dach habe oder zu wenig Geld für eine komplette Anlage, der könnte sich an einer Gemeinschaftsanlage beteiligen.

Viele Lücken im Radwegnetz

Zusammen mit engagierten Landwirten solle ein „Grüner Tisch“ gegründet werden, in dieser Runde sollte dann besprochen werden, wie landwirtschaftliche Flächen besser für den Klima- und Naturschutz genutzt werden könnten.

Eine große Rolle beim Klimaschutz müsse das Thema Mobilität spielen, so die Projektentwickler. Wichtig sei es, den Menschen den Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen oder auf das Fahrrad zu erleichtern, sagte Jürgen Ehrmann, der Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Fahrradclubs (ADFC) Backnang, der sich als Experte an dem Weissacher Projekt beteiligt. Das Radwegenetz in Weissach und im gesamten Raum Backnang müsse „durchgängiger“ werden, sprich die vielen Lücken müssten rasch geschlossen werden. Geplant sei ein Radlertreff im Ort, die Biker in der Kommune müssten sich vernetzten.

Milchautomat und Geschirrmobil

Ob tatsächlich alle 48 konkreten Vorschläge, die jetzt auf dem Tisch liegen, bis zum Abschluss des Gesamtprojekts im Herbst 2022 umgesetzt werden können, das bleibe abzuwarten, sagte Müller-Zimmermann. Das Projekt „Klima wandeln – prima handeln“ wird vom Bundesumweltministerium mit zunächst einer halben Million Euro gefördert. Auf Antrag sei es möglich, weitere 300 000 Euro zu erhalten – für kostspielige Einzelprojekte. Keine Frage, Silke Müller-Zimmermann und ihre Mitstreiter haben da ein paar Ideen: etwa die Beschaffung eines Milchautomaten für einen Biohof in Cottenweiler, eines Geschirrmobils und eines Marktstands für den geplanten Solidarischen Markt.