Klimadebatte um Stuttgarter Airport Umweltschützer empört über den Flughafenchef

Von Josef Schunder 

Auf Walter Schoefer prasselt heftige Kritik ein. Gleich drei Umweltorganisationen kreiden ihm die Äußerungen an, die er im Interview mit unserer Zeitung machte. Da geht es um etliche Aussagen zum Fliegen in Zeiten des bedrohlichen Klimawandels.

Mit den Abgasen der Flugzeuge bekommt die Erderwärmung Auftrieb. Große Streitfrage: Wie soll man umgehen mit dem Luftverkehr? Foto: Flughafen Stuttgart GmbH
Mit den Abgasen der Flugzeuge bekommt die Erderwärmung Auftrieb. Große Streitfrage: Wie soll man umgehen mit dem Luftverkehr? Foto: Flughafen Stuttgart GmbH

Stuttgart - Der Flughafenchef Walter Schoefer wird heftig kritisiert, nachdem er sich im Interview mit unserer Zeitung zum Luftverkehr und zum Klimaschutz geäußert hat. Die Schutzgemeinschaft Filder ist „empört“, das Klima- und Umweltbündnis Stuttgart (KUS) sowie der alternative Verkehrsclub Deutschland (VCD) sind „verwundert“ und „verärgert“.

Schoefer führe die Leser in die Irre und wolle potenziellen Passagieren „das wohlige Gefühl geben, es werde schon viel für das nachhaltige Fliegen getan“, kritisieren KUS und VCD. Sie meinen vor allem die Aussage, dass sich der Treibstoffverbrauch der Flugzeuge binnen 25 bis 30 Jahren fast halbiert habe. Das aber, so die Kritiker, betreffe nur den Verbrauch pro geflogenem Kilometer und Passagier. Trotz „Effizienzfortschritten im Flugzeugbau“ sei der Beitrag des Luftverkehrs zur Erderwärmung wegen stark angewachsener Passagierzahlen „drastisch gestiegen“. Kritisiert wird auch Schoefers Aussage, Fliegen sei ein Bedürfnis der Menschen. Man könne Fliegen nicht zum Menschenrecht erklären, meinen KUS und VCD, „schon gar nicht, so lange es mit echten Menschenrechten kollidiert“ wie Wohnen, Essen, Wassertrinken. Mit Menschenrechten, die vom Klimawandel und den Folgen für Landwirtschaft und Wasservorkommen „ausgehebelt“ würden. Zur Herstellung der synthetischen Kraftstoffe, mit deren Hilfe Schoefer in drei Jahrzehnten klimaneutrales Fliegen für möglich hält, fehle es an erneuerbaren Energien.

Geschäftsführer Schoefer hat die Kerosinsteuer abgelehnt

Das sieht Steffen Siegel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft, ähnlich. Überdies müsste erst die gesamte Flugzeugflotte ausgetauscht werden. Heute mache der Flughafen „auf allen Kanälen Werbung für mehr Fliegen“ und Schoefer schwärme vom Wachstum der Passagierzahlen. Er lasse keinerlei Nachdenklichkeit erkennen, was die die Klimaschädlichkeit des Fliegens angehe. Seine Aussagen seien „alles Ausreden“. Siegel fordert: „Wir müssen dramatisch viel weniger fliegen.“ Wolle man auf dem Planeten „enkelverträglich weiterleben“, müsse man „das Wachstum auf allen Ebenen stoppen, vor allem in besonders klimaschädlichen Bereichen wie der Luftfahrtbranche“. Kerosin müsse sofort besteuert werden.

Hier gelangen Sie zu unserer multimedialen Reportage über den Flughafen Stuttgart

Das Interview war am Dienstag erschienen. Schoefer sagte darin, die Luftfahrtbranche forciere seit langem das Thema Nachhaltigkeit. Der Bund müsse mit seinen Einnahmen aus der Luftverkehrsabgabe die Markteinführung synthetischer Kraftstoffe forcieren. Eine Kerosinsteuer lehnte er ab. Kurzflüge von und nach Frankfurt und München hält er weiterhin für notwendig. Die FDP im Landtag unterstützte ihn dafür.

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