Kochkurs in Stuttgart Nachhaltigkeit geht auch auf dem Esstisch

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Regionale Lebensmittel und Fair-Trade-Produkte sind die Zutaten für ein Sieben-Gänge-Menü, welches eine Diakonin in Stuttgart-Möhringen mit sieben Hobbyköchinnen zubereitet. Und obendrein ist alles vegetarisch.

Cranberries und Walnüsse geben den Kürbisquiches eine spezielle Note. Foto: Sandra Hintermayr
Cranberries und Walnüsse geben den Kürbisquiches eine spezielle Note. Foto: Sandra Hintermayr

Möhringen - „Hat jemand den Pfeffer gesehen?“, „Wo sind denn jetzt die Schneidebretter?“, „Braucht jemand die große Herdplatte oder kann ich?“ Acht Frauen in einer Küche, da geht es schon trubelig zu. Die Mangoldblätter müssen geputzt werden, die Zwiebeln geschnitten, die Alblinsen gekocht und die Rote Bete püriert. Das scheinbare Durcheinander hat allerdings seine Ordnung: Jede Köchin hat ihre Aufgabe, ihr Rezept, das Diakonin Birgit Keyerleber vorab ausgesucht hat.

Sieben Gänge stehen auf dem Menü, von der Suppe bis zum Dessert, dazu gibt es Salat, Brot mit Dip und ein farbenfrohes Rettich-Carpaccio. Der Kochkurs steht unter der Überschrift „Nachhaltig kochen und genießen“ und ist ein Angebot der evangelischen Kirchengemeinde Möhringen im Rahmen des Erwachsenenbildungsprogramms Treff am Turm. Die meisten Zutaten für das Menü hat Birgit Keyerleber auf dem Möhringer Reyerhof gekauft, die übrigen stammen aus den Biomärkten Erdi und Naturgut. „Und das Brot ist von der Eselsmühle“, sagt die Diakonin.

Die Möglichkeiten mit heimischen Produkten sind vielfältig

„Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde“, sagt Keyerleber. Einen entsprechenden Kochkurs anzubieten, sei für die Hobbyköchin naheliegend gewesen. „Kochen macht mir einfach total viel Spaß“, sagt sie. „Und es ist mir ein Herzensanliegen, zu zeigen, welche vielfältigen Möglichkeiten mit regionalen Produkten es gibt“. Dass die Rezepte an diesem Abend alle vegetarisch sind, ist für manche Teilnehmerin zunächst überraschend. Das Fleisch vermisst am Ende allerdings keine von ihnen. „Es war so gut, da braucht man gar kein Fleisch“, sagt Gerlinde Wolf. Sie habe sich gleich für den Kochkurs angemeldet, als sie im Gemeindebrief davon gelesen habe. „Es macht Spaß und es erweitert den Horizont.“

Das sehen auch die anderen Teilnehmerinnen so. Das Kennenlernen neuer Rezepte sei auch für sie eine Motivation gewesen, sagt Cornelia Hoppenstedt. „Und tatsächlich komplett fleischlos zu kochen, war interessant.“ Die anderen Frauen nicken zustimmend. Die Rezepte, die Birgit Keyerleber aus verschiedenen Kochbüchern kopiert hat, dürfen die Teilnehmerinnen selbstverständlich zum Nachkochen mit nach Hause nehmen.

Nachhaltigkeit beim Essen spaltet sich in vier Bereiche, erklärt die Kursleiterin: Gesundheitsverträglichkeit, Sozialverträglichkeit, Wirtschaftsverträglichkeit und natürlich Umweltverträglichkeit. Tierwohl, faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen oder angemessene Preise sind nur ein Teil dessen, auf das beim Thema nachhaltige Ernährung geachtet wird.

Regionale Erzeugnisse haben kürzere Transportwege

„Es gibt so viele tolle Produkte, die bei uns wachsen“, sagt Keyerleber. Mit diesen zu kochen, leiste schon einen großen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Gerade im Herbst ist die Vielfalt an heimischen Produkten groß: Kürbis, Kohl, Walnüsse und Rote Bete sind nur einige Beispiele, die auch beim Kochkurs auf dem Teller landen. „Und wenn Sie doch einmal Produkte wollen, die bei uns nicht angebaut werden: Schauen Sie doch, ob Sie diese in Bioqualität und fair gehandelt bekommen“, appelliert Birgit Keyerleber. Biomärkte und Weltläden seien gute Anlaufstellen. Auch bei alltäglichen Dingen wie Milchprodukten lohne es sich, auf Regionalität zu achten. „Ich brauche keine Milch aus Norddeutschland, wenn es sie auch regional gibt. Das spart Transportwege und ist damit auch umweltfreundlicher“, sagt Keyerleber.

Dass nachhaltig nicht gleich teuer bedeuten muss, zeigt der Blick auf die „Rechnung“ am Ende des Abends. Die Kosten für das Sieben-Gänge-Menü belaufen sich auf zehn Euro pro Person. Bei der Vielfalt auf dem Teller erstaunt das die Köchinnen. „Man merkt natürlich am Preis, dass kein Fleisch dabei ist“, sagt Keyerleber.

Bei all den verschiedenen Geschmackserlebnissen bleibt die Frage: Was hat am Besten geschmeckt? Das Alblinsengratin mit Ziegenfrischkäse? Oder doch die Filderkraut-Roulade mit Couscous-Lauch-Füllung? „Oh weh, da kann ich mich nicht entscheiden“, sagt Gerlinde Wolf. Auch die anderen Teilnehmerinnen haben keinen klaren Favoriten. Hoch im Kurs stand bei der Autorin dieser Zeilen jedenfalls der Nachtisch: Apfelpuffer mit Vanillesoße.

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