Kolumne Kreis Böblingen Bürgerbeteiligung schafft das Unmögliche

Von  

Aufgelesen im Kreis: Süßes und Saures. Diese Woche löffelt Gärtringen den Graben zwischen der einen und der anderen Welt zu, während Sindelfingen wieder glänzt.

Egal wie süß die Aufruge gegen Hundekot vor der Grundschule sind: Sie werden ignoriert. Foto: factum/Bach
Egal wie süß die Aufruge gegen Hundekot vor der Grundschule sind: Sie werden ignoriert. Foto: factum/Bach

Weil im Schönbuch - Zur Zeit sind die Erwartungen an die Bürger wieder hoch. Mit ihrer Beteiligung soll das Unmögliche möglich gemacht werden. „Wir löffeln für die eine Welt“, hieß es beispielsweise diese Woche in Gärtringen. Die Teilnehmer mussten zwar nicht einmal auf Fleisch verzichten, denn es gab Kartoffelsuppe mit Saiten, aber für diese Aufgabe brauchten sie viel Kraft. Ob es ihnen gelungen ist, den Graben zwischen den Entwicklungs- und den Industrieländern zu schließen, lässt sich auf die Schnelle nicht sagen. Wenn sie fleißig gelöffelt haben, werden zumindest ein paar Ziegen in Burundi ebenfalls fetter. Der Erlös der Aktion kommt einem gleichnamigen Projekt in dem Land zu Gute.

Der OB füttert die Bevölkerung an

Bernd Vöhringer füttert seine Bürger vorichtshalber auch mit Nahrung an. Sie sollen nämlich Sindelfingen „in neuem Glanz erstrahlen“ lassen. Dafür haben sie drei Stunden Zeit. Das klingt eindeutig nach einer Herkulesaufgabe, weil kaum zu bewältigen. Mit Besen, Greifzange, Schippe und Müllsäcken werden die Sindelfinger am Samstag, 23. März, ausgestattet und von 9 Uhr an in die Kernstadt, nach Maichingen und Darmsheim geschickt. Der Oberbürgermeister träumt davon, dass bereits am Mittag die Verwandlung in eine „sauber­hafte“ vollzogen ist. Seine Wortschöpfung ist nicht ganz so daneben, wie sie vielleicht klingt. Zauberhaft wird Sindelfingen wohl nie, realistisch betrachtet. Unter dem Sammelbegriff sauberhaft hat Tchibo dagegen schon Klobürsten, Bügeleisen und alle anderen Dinge verkauft, die der Schwabe für seine Kehrwoche braucht.

Die Sindelfinger dürfen sich allerdings nicht beklagen: Sie haben sich die Chose selbst eingebrockt, erinnert sie der Oberbürgermeister in seiner Einladung. Im Jahr 2014 wurde beim Beteiligungsprozess „Sindelfingen 2025“ die Idee zu der Säuberungsaktion geboren. Bei Erfolg will Bernd Vöhringer seine Bürger belohnen: „Wenn Sindelfingen dann in neuem Glanz erstrahlt“, gibt es „ein Dankeschönfest für ­alle Aktiven“. Da bleibt nur zu hoffen, dass er keinen allzu strengen Maßstab anlegt.

Mehr als eine Fastensuppe für die Beteiligung

In Weil im Schönbuch erspart der Schultes seinen Bürgern möglicherweise die Markungsputzete. Es bräuchte wesentlich mehr als eine Fastensuppe mit Fleischeinlage, um sie zur Beteiligung zu bewegen. Denn die Kommune ist mit Tretminen verseucht. Und der Verursacher lässt sich nicht einmal von süßen Kinderbildern erweichen. Damit ist natürlich nicht der Hund gemeint, der sein Geschäft ständig vor der Neuweiler Grundschule und auf den Spielplätzen hinterlässt, sondern dessen Halter. Die Gemeinde hat Verbotsschilder aufgestellt, die Grundschüler malten zusätzliche und jeder Hundebesitzer bekam einen Brief. Doch nichts hat Wirkung gezeigt. Ein Ortschaftsrat ist sich inzwischen sicher, dass ein Bürger mit Absicht handelt.

Allein daran lässt sich erkennen wie ambitioniert das Projekt „Wir löffeln für eine Welt“ ist. Dass sich jemand daran freut, wenn Kinder mit stinkendem Dreck an den Schuhen aus der Pause in den Unterricht zurückkommen, ist eine unmögliche Vorstellung. Der Ortschaftsrat hat schon versucht, den Übeltäter zu stellen – bisher vergeblich. Nach den neuen Maßstäben eignet sich die Aufgabe also bestens als neues Bürgerbeteiligungsprojekt.