Kommentar System der Selbstbedienung

Von Dirk Preiß 

Die dreisten Millionenzahlungen an die Ex-Bosse der Fifa sollten die Fußball-Welt schockieren. Die neuen Enthüllungen überraschen aber kaum noch – das macht die Sache umso bitterer.

Profiteure unter sich: Joseph Blatter (li.) und Jerome Valcke, einst Präsident und Generalsekretär der Fifa Foto: AFP
Profiteure unter sich: Joseph Blatter (li.) und Jerome Valcke, einst Präsident und Generalsekretär der Fifa Foto: AFP

Stuttgart - Eigentlich kann einen ja nichts mehr verwundern, wenn es um die jahrelangen Gebaren im Zentrum der Macht des Fußball-Weltverbands geht. Zu viel ist in den vergangenen Monaten schon ans Licht gekommen. Doch eines muss man der Fifa lassen: Sie setzt immer noch eine Überraschung obendrauf. Jedes Mal eine negative. Und immer wieder geht es um neue Dreistigkeiten.

Rund 71 Millionen Euro für drei mächtige Männer innerhalb von fünf Jahren – so lautet die Bilanz, die die jüngsten Untersuchungen an die Oberfläche brachte. Wo Funktionäre bisher behaupteten, sie hätten all die Jahre dem Fußball gedient, weiß man es heute viel besser: Sie haben am Fußball verdient – und das in Größenordnungen, die der Basis dieses faszinierenden Sports schon lange nicht mehr zu vermitteln sind. Noch schlimmer: angeblich haben sich die Mitglieder eines kleinen elitären Zirkels um den früheren Präsidenten Joseph Blatter die Millionensummen gegenseitig zugeschanzt und so ein System der Selbstbedienung etabliert. Dreister geht es kaum. Da verwundert es auch nicht, dass der Zug in die Zukunft mit dem neuen Präsidenten Gianni Infantino als Lokführer noch nicht einmal den Bahnhof verlassen hat. Der Schweizer, alles andere als ein Quereinsteiger, ist nun selbst ins Zwielicht geraten. Das Schlimme daran: verwundern wird auch das keinen mehr.