Forschungsministerin Annette Schavan soll abgekupfert haben. Wenn das stimmt, wird es eng für sie, meint Thomas Maron.

Berlin - Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) stehen unruhige Tage bevor. Sie soll in ihrer Doktorarbeit unsauber zitiert haben, behauptet ein anonymer Ankläger im Internet, der zahlreiche Fundstellen als Beleg aufführt. Schavan wird sich bei der Überprüfung der Vorwürfe besonders strengen Maßstäben ausgesetzt sehen. Auch deshalb, weil sie in der Guttenberg-Affäre harte Worte wählte. Sie schäme sich nicht nur heimlich, sagte sie damals. Dennoch verbieten sich vorschnelle Urteile. Eine erste Durchsicht der Textpassagen vermittelt nicht den Eindruck, dass die Ministerin seitenweise abkupferte, so wie es der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg tat. Strittig dürfte vor allem sein, ob ihre Quellenangaben in allen Fällen wissenschaftlichen Standards genügten. Dies wird jetzt von der zuständigen Kommission der Universität Düsseldorf geprüft, die damit letztlich wohl auch über das politische Schicksal der Ministerin befindet.

Viel wird davon abhängen, ob ihr überhaupt in ihrer jahrzehntealten Doktorarbeit Fehler verziehen werden. Denn gänzlich ohne Makel wird die Arbeit – wie übrigens jeder wissenschaftliche Text – wohl nicht sein. Wenn allerdings längere Passagen identifiziert werden können, die gänzlich ohne Quellenangabe übernommen wurden, dann wird es eng für Schavan.