Kommentar zu Hany Azer Eine Zäsur

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Projektleiter Hany Azer geht. Doch über die Zukunft von Stuttgart 21 wird in der Politik entschieden, meint StZ-Redakteur Holger Gayer.

Der Bauleiter Hany Azer gibt am liebsten keine Auskünfte, ... Foto: Heiss
Der Bauleiter Hany Azer gibt am liebsten keine Auskünfte, ... Foto: Heiss

Stuttgart - Es ist eine bemerkenswerte Kaskade von Personalien, die sich in Sachen Stuttgart 21 seit der Landtagswahl vor sieben Wochen gebildet hat. Da räumt zunächst der umstrittene Polizeipräsident Siegfried Stumpf seinen Posten, später betritt ein neuer Verkehrsminister die Bühne, der nur dann für den Tiefbahnhof zuständig sein will, wenn dieser beerdigt wird, und schließlich gibt der Projektleiter Hany Azer sein Amt auf , noch ehe der Lenkungskreis der Projektpartner über die Zukunft von Stuttgart 21 beraten hat.

In der Bewertung der Causa Azer werden sich Gegner und Befürworter immerhin in einem Punkt einig sein: dass der Ingenieur aus persönlichen Gründen an der Aufgabe gescheitert ist, das politisch umstrittenste Infrastrukturprojekt der jüngeren deutschen Geschichte zu bauen. Fachlich gilt der Tiefbauspezialist als Kapazität; als Kapo beim Bau des Berliner Hauptbahnhofs etwa hat sich der Ägypter einen hervorragenden Ruf unter den Bauingenieuren erarbeitet. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit agierte Hany Azer jedoch eher wie ein unwilliger Praktikant, dem selbst die wohlwollendsten Partner sagen konnten, was sie wollten; er tat's halt nicht. Das politische Kalkül war ihm zuwider; Azer wollte nicht verhandeln, sondern bauen. Diese Beratungsresistenz hat zu so großen Spannungen geführt, dass der Chef der Baustelle zuletzt sogar bahnintern als Belastung galt.

Und nun? Azers Abschied ist zwar eine Zäsur für Stuttgart 21; die Gegner werden jetzt den Anfang vom Ende des Tiefbahnhofs proklamieren, die Befürworter einem entfesselten Neustart das Wort reden. Doch beide Interpretationen sind zu weit gesprungen. Ein Projektleiter kann nur so stark sein wie es die Kräfte sind, die ihm den Rücken stärken. Deswegen gilt im Moment mehr denn je: die Zukunft von Stuttgart 21 wird auf dem politischen Parkett entschieden, nicht in den Büros von Planern, Architekten und Ingenieuren.