Diese Rede war mit Spannung erwartet worden: Die CDU rüstet sich für einen ungemütlichen Bundestagswahlkampf, doch Merkel gibt sich auf dem Parteitag wenig mitreißend, meint unser Kommentator.

Essen - Was war das jetzt? Eine Ruckrede hat Angela Merkel jedenfalls nicht gehalten. Auch keine Rede, die Angriffslust atmet, die Partei rüstet für einen Bundestagswahlkampf, der ungemütlich werden könnte. Vielleicht hat die Parteivorsitzende Recht: Es war nicht der rechte Augenblick für eine Rede, die der traditionellen Logik des politischen Alltags folgen könnte: hier eine kleine Spitze für den politischen Gegner, dort ein billiger rhetorischer Punkgewinn. Eine ernste Rede für ernste Zeiten – das sollte es wohl sein.

Hier gibt es die Rede im Liveticker zum Nachlesen.

Die Parteivorsitzende ist dem lange nicht gerecht geworden. Zu kursorisch, zu pflichtgemäß streifte sie die Themen: ein bisschen Familie, ein bisschen Digitalisierung, letztlich übrigens auch nur ein wenig Flüchtlingspolitik. Und wie die christdemokratischen Grundwerte der Schlüssel zur Gestaltung der modernen Gesellschaft sein können – das hätte man bei einer Rede gerne grundsätzlicher ausgedeutet bekommen, die doch gerade das sein wollte: eine Grundsatzrede.

Wenig Mitreißende Rede

So bleibt von diesem keineswegs mitreißenden Auftritt vor allem ein Satz in Erinnerung: „Ihr müsst mir helfen.“ Darin steckt viel. Vielleicht sogar mehr als Merkel eigentlich sagen wollte. Es ist ja nicht nur der notwendige Appell zur Geschlossenheit in einer kritischen politischen Situation. Vor allem steckt in der Bitte an Delegierte und Partei die bemerkenswerte Einsicht, es nicht mehr alleine reißen zu können. Merkel ist zu einer polarisierenden Person geworden – auch in der eigenen Partei. Überlebensgroß Angela Merkel – das ist keine Botschaft mehr im Wahlkampf, die alleine trägt.

Die Partei hat das verstanden. Es ist auffallend, wie stark die programmatische Orientierung längst von anderen übernommen wird – übrigens nicht zuletzt von der Südwest-CDU und ihrem Vorsitzenden. Dass Merkel das akzeptiert, ist eine auch politische Leistung, der man Anerkennung zollen muss.

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