Kommentar zum Landesparteitag der Grünen Selbst ernannte Erben

Von Reiner Ruf 

Die Grünen in Baden-Württemberg haben ihr Programm fürdie Landtagswahl beschlossen. Geschenkt! Im Wahlkampf zählt am Ende allein Kretschmann, kommentiert unser Redakteur Reiner Ruf.

Kretschmann ist das Zugpferd der Grünen in Baden-Württemberg. Foto: dpa
Kretschmann ist das Zugpferd der Grünen in Baden-Württemberg. Foto: dpa

Stuttgart - Vor einem Jahr positionierten sich die Grünen auf ihrem Tuttlinger Landesparteitag als die „neue ­Wirtschaftspartei“. Das heißt, Winfried Kretsch­mann behauptete einfach mal, die Grünen im Land seien in der Nachfolge der CDU die neue Wirtschaftspartei. Womit der Ministerpräsident bei überschauba­rer argumentativer Substanz beträchtliche mediale Aufmerksamkeit generieren konnte. Jetzt beginnt das Spiel von Neuem, nur dass Kretschmann die Grünen diesmal zur „neue Baden-Württemberg-Partei“ ausruft, welche die CDU als führende Kraft im Land abgelöst habe.

Früher gab es bei den Grünen noch Linke, denen solches Reden ein bisschen viel CDU enthalten hätte. Ob nun modernisiert, ökologisiert oder sonst irgendwie variiert – als neue CDU sahen sie ihre Partei nicht. Erbschleicher Kretschmann aber ist da unerbittlich. Er will ja nicht der SPD Stimmen abnehmen. Er braucht die Genossen, will er im Amt bleiben. Nein, er muss die CDU angreifen. Aber ist die Südwest-CDU wirklich tot, und gibt es überhaupt ein Erbe anzutreten? Nun, die Landtagsfraktion ist nicht auf der Höhe der Zeit, und CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf hat bisher auch nicht gezündet. Doch Totgesagte leben länger. Und im Land sind die Christdemokraten immer noch diejenigen, die sagen können: „Wir sind die Mehreren.“