Kommentar zum Polizistenmord Eine Folge der Verharmlosung

Von Stefan Geiger 

Die Behörden wussten früh um die Gefährlichkeit der Täter und hat sie trotzdem aus den Augen verloren. Mit furchtbaren Folgen. Ein Kommentar.

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Stuttgart - Die deutschen Sicherheitsbehörden haben mit Glück, aber eben auch durch sorgfältige Arbeit bisher schwere Anschläge islamistischer Terroristen im Lande verhindert; sie sind der linksextremen Terroristen der RAF Herr geworden. Sie können es, wenn sie denn wollen. Dass eine kleine rechtsterroristische Vereinigung - wenn denn stimmt, was die Behörden jetzt vermuten - über ein Jahrzehnt hinweg in Deutschland ungestört morden und andere Gewalttaten verüben konnte, ist vor diesem Hintergrund schwer verständlich. Es ist umso weniger verständlich, als die (mutmaßlichen) Täter früh ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten waren. Wer den Rechtsextremismus so ernst genommen hätte, wie er genommen werden muss, hätte diese Täter nicht mehr aus den Augen verlieren dürfen.

Man mag das als einen besonders schlimmen Einzelfall ansehen, als Pech eben, das auch ordentlich arbeitende Behörden einmal haben können. Man könnte es, wenn es nicht eine lange und unselige Geschichte der Verharmlosung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik gegeben hätte. Ausländerfeindlichkeit ist allzu lange als ein Motiv minderer Schwere angesehen worden. Die rechtsextreme Szene, auch die zur Gewalt bereite, ist gerade im Osten der Republik zu wenig ernst genommen worden. Die Folgen sind furchtbar.