KommentarKommentar zum Rathausumbau in Ludwigsburg Zu viel des Guten

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Nur auf den ersten Blick erscheint es logisch, die Spitze im Ludwigsburger Rathaus zu verstärken. Auf den zweiten zeigt sich, dass das Problem tiefer liegt.

Im Ludwigsburger Rathaus ist enorm viel Bewegung – und Reibung. Foto: Pascal Thiel
Im Ludwigsburger Rathaus ist enorm viel Bewegung – und Reibung. Foto: Pascal Thiel

Ludwigsburg - Ein Kutscher, der auf sein Gefährt immer mehr und immer noch schickere Schmuckstücke packt, hat am Ende eine wohl schön anzusehende Kutsche – aber vom Fleck kommen wird sie nicht mehr. Nun ist Ludwigsburg keine Kutsche, aber vom Fleck kommt die Stadt in ihrem jetzigen Zustand auch nicht. Was daran liegt, dass der oberste Lenker, der Oberbürgermeister, ihr zu viel aufbürdet.

Ludwigsburg ist großartig: Hochschulstadt, Filmstadt, Festspielstadt, Wirtschaftsstadt, Sportstadt, Nachhaltigkeitsstadt, Tausendsassastadt. Jahr für Jahr staunen mehr Touristen über das boomende Ludwigsburg. Kaum ein Monat vergeht, in dem im Rathaus keine ministerielle Belobigung für den Innovationseifer eingeht. Aber das reicht Spec nicht. Ludwigsburg braucht unbedingt eine Landesgartenschau und einen Tunnel unter der B 27. Für einen neuen Bahnhof wäre es höchste Zeit, und die Aufwertung des Arsenalplatzes kann auch nicht warten.

Viel heiße Luft

Konzepte und Präsentationen gibt es zuhauf, aber die Pläne kommen nicht vom Fleck. Wie auch? Im Gegensatz zu den Projekten, mit denen der OB gleichzeitig jongliert, hat sich die Zahl seiner Mitarbeiter nicht wesentlich erhöht. Und so schnöde es ist, auch in Ludwigsburg gibt es Alltagsarbeit. Schulen, die aufwendig saniert, Wohngebiete, die entwickelt werden müssen. Kinderbetreuung, Glasfaserausbau, Straßensanierungen: Nebenbei erledigt sich das nicht.

Nun, zufällig ein Jahr, bevor Werner Spec als Oberbürgermeister wiedergewählt werden will, hat er erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. Das ist eigentlich eine gute Nachricht. Ob ein Zuwachs an der Verwaltungsspitze wirklich dazu führt, dass die Stadtentwicklung an Fahrt aufnimmt, muss allerdings stark angezweifelt werden. Nennenswert mehr Personal soll es mit dem vierten Dezernat nämlich nicht geben. Wenn am Ende dieselbe Anzahl Mitarbeiter dieselbe Menge Arbeit macht, nur an anderen Stellen im Rathaus – was ist dann gewonnen?

Bevor die Stadträte darüber diskutieren, ob sie den Geknechteten im Rathaus einen neuen Bürgermeister gönnen, sollten sie darüber diskutieren, ob sie ihren Oberbürgermeister nicht endlich einbremsen.




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