Kommentar zum Tag der Arbeit Probleme mit den Populisten

Die Gewerkschaften nutzen den 1. Mai für eine klare Standortbestimmung gegen Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit. Dabei neigen auch Gewerkschaftsmitglieder im sozialen Protest zur AfD. Es besteht noch mehr Erklärungsbedarf, meint Matthias Schiermeyer.

DGB-Chef Reiner Hoffmann zieht eine klare Grenze zum Rechtspopulismus. Foto: Julian Rettig/Lichtgut
DGB-Chef Reiner Hoffmann zieht eine klare Grenze zum Rechtspopulismus. Foto: Julian Rettig/Lichtgut

Stuttgart - Ungeachtet der Erfolgszahlen des DGB – wonach an den 500 Mai-Veranstaltungen bundesweit bis zu 390 000 Interessierte teilgenommen haben – tun sich die Gewerkschaften immer schwerer, die Menschen auf die Marktplätze zu locken. Der Tag der Arbeit lebt im Wesentlichen von einer Tradition, mit der jüngere Menschen wenig anfangen können. Da können die Gewerkschaften noch so viele Luftballons an die Kinder ausgeben – Familienfeste, die mit politischen Kampfreden beschallt werden, will kaum jemand feiern. Die dort verkündeten Werte wie Solidarität werden andernorts mit Leben gefüllt.

Die AfD fängt den sozialen Protest ein

Gleichwohl war dieser Tag der Arbeit, speziell aus Stuttgarter Sicht, so aktuell wie lange nicht. Denn in der Nähe des AfD-Parteitages galt es, klare Kante gegenüber dem Rechtspopulismus zu zeigen. Damit hat der DGB selbst ein Problem: Relativ viele seiner Mitglieder haben zuletzt die AfD gewählt – plötzlich fangen die Rechten den sozialen Protest ein, der bisher von der Linkspartei kanalisiert wurde. Das hat selbst die Gewerkschaften überrascht. Umso intensiver müssen sie mit den Regierenden weiterhin an Lösungen für die sozialpolitischen Probleme des Landes arbeiten. Denn das gilt für die Sozialpartner wie für Parteien: Wer sein Heil in der Dauerkonfrontation sucht, fördert die Spaltung der Gesellschaft und stärkt den Populismus.