Kommentar zum VfB Stuttgart Vision statt Demotivation

Neuer VfB-Trainer: Thomas Schneider soll den Karren aus dem Dreck ziehen. Foto: dpa 18 Bilder
Neuer VfB-Trainer: Thomas Schneider soll den Karren aus dem Dreck ziehen. Foto: dpa

Die Entscheidung des VfB Stuttgart, den Trainer Bruno Labbadia zu entlassen, war konsequent. Die Entscheidung, Thomas Schneider zum Nachfolger zu ernennen, ebenso – meint StZ-Sportchef Peter Stolterfoht. Es ist ein klares Zeichen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)
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Stuttgart - Bernd Wahler wird in die Geschichte des VfB eingehen. So schnell hat bisher kein Präsident des Stuttgarter Fußball-Bundesligisten einen Trainer entlassen. Wahler hat diese Entscheidung noch vor seinem offiziellen Amtsantritt am 1. September getroffen. Und deshalb wird ihm bestimmt auch keiner seiner Nachfolger diesen Titel mehr streitig machen können. Dies ändert allerdings nichts daran, dass die Entlassung von Bruno Labbadia zwingend notwendig war. Die Mannschaft spielte in dieser Saison nicht nur erfolglos, die 1:2-Niederlage beim zuvor ebenfalls punktlosen FC Augsburg war ein Offenbarungseid: Nichts geht mehr, so lautete am Sonntagabend das niederschmetternde Fazit, das Bernd Wahler in ganz enger Absprache mit dem Sportvorstand Fredi Bobic zum Handeln veranlasste.

Es sind ja nicht nur die schlechten Auftritte der Mannschaft gewesen, die Bruno Labbadia nach zweieinhalb Jahren beim VfB den Job gekostet haben. Es sind auch seine eigenen Auftritte gewesen, die den neuen Präsidenten früh an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Trainer zweifeln ließen. Während es Wahler schaffte, auf der Mitgliederversammlung Aufbruchstimmung unter den Fans und Mitgliedern zu erzeugen, schaffte es Labbadia, dieses neue Hochgefühl gleich wieder im Keim zu ersticken. Angesichts des Kaders sehe er wenig Grund zur Euphorie, meinte der Trainer wenig später.

Labbadia hat nie zum VfB gepasst

Wahler und Labbadia – da knallte Vision auf Demotivation. Auch zum VfB hat der Trainer nie wirklich gepasst – obwohl sich Bruno Labbadia gleich zu Beginn seiner Stuttgarter Amtszeit im hohen Maße verdient um den Verein gemacht hat. Aus fast aussichtsloser Lage schaffte er mit dem Team den Klassenverbleib. Doch Dankbarkeit ist in der Bundesliga endlich. Zumal der Trainer einfach nicht mit dem Grundanspruch des Clubs in Einklang zu bringen war, verstärkt auf die eigenen Talente zu setzen.

Labbadia baute stattdessen auf altdeutsche Fußballwerte. Ihm widerstrebte es, junge Spieler früh eine Chance zu geben. Einen Auftritt in der Bundesliga, so seine Überzeugung, muss man sich über einen längeren Zeitraum verdienen. Harte Arbeit schätzt der Trainer grundsätzlich höher ein als Talent. Die Herangehensweise des Gerechtigkeitsfanatikers ließ sich mit dem vom Verein propagierten Jugendstil nicht vereinbaren. Auffällig ist dabei auch, dass sich unter Labbadia kein Spieler entscheidend weiter entwickelt hat. Im Gegenteil: die Profis sind unter ihm zum Großteil schlechter geworden.

Thomas Schneider bringt beste Voraussetzungen mit

Ebenso schlüssig wie die Entlassung von Bruno Labbadia ist die Nachfolgeregelung. Thomas Schneider verkörpert den Weg, den der Verein schon lange gehen will, von dem er sich aber immer wieder hat abbringen lassen. Als bisheriger Meistertrainer der B-Junioren scheint er die Garantie dafür zu sein, dass die Talentförderung nicht vor der Bundesliga-Mannschaft haltmacht. Als ehemaliger VfB-Profi, der sich aus der Stuttgarter Jugend in die erste Liga gespielt und einem Angebot des FC Bayern einst widerstanden hat, bringt er die besten Voraussetzungen mit. Deshalb darf der VfB jetzt auch endlich einmal hoffen, ein eigenes großes Trainertalent hervorzubringen – so wie es Mainz 05 mit Jürgen Klopp und Thomas Tuchel gelungen ist.

Jetzt muss allerdings auch die Mannschaft mitspielen, die sich zuletzt in einem desolaten Zustand präsentiert hat. Das Alibi für schlechte Leistungen wurde ihr mit der Trainerentlassung genommen. Die Spieler können sich nun nicht mehr hinter der Konzeptlosigkeit und den nicht enden wollenden taktischen Erklärungen von Bruno Labbadia verstecken. Ihre Pflicht ist es nun, das verprellte Stuttgarter Publikum zurückzugewinnen. Die Voraussetzungen dafür hat die Vereinsführung geschaffen. Jetzt heißt es: Aufbruchstimmung erzeugen, nächster Versuch.




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