Kommentar zur Kapitalmarktrückkehr Athens Comeback mit Beigeschmack

Der griechische Finanzminister  Yannis Stournaras (links) und EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia sind zufrieden mit Athens Comeback am Kapitalmarkt. Foto: AP
Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras (links) und EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia sind zufrieden mit Athens Comeback am Kapitalmarkt. Foto: AP

Das Comeback ist gelungen, zumindest vorerst. Nach vier Jahren hat die Regierung in Athen nun erstmals wieder Kredit von privaten Geldgebern erhalten. Die Rückkehr an den Kapitalmarkt hätte ohne EZB-Garantien nicht geklappt, meint Klaus Dieter Oehler.

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Frankfurt - Das Comeback ist gelungen, zumindest vorerst. Nach vier Jahren, in denen sich der griechische Staat nur dank der Milliarden aus den Hilfspaketen der EU und des Internationalen Währungsfonds über Wasser halten konnte, hat die Regierung in Athen nun erstmals wieder Kredit von privaten Geldgebern erhalten. Bis zu 20 Milliarden Euro, so jubeln die griechischen Politiker, hätten sie dabei sogar einnehmen können. Und auch die Zinsen, die sie für die drei Milliarden Euro, die sie letztlich erhalten haben, zahlen müssen, sind deutlich niedriger als gedacht.

Alles bestens also, Griechenland erstarkt und die Eurokrise endgültig abgehakt? So weit ist es noch nicht. Richtig ist, dass es kaum noch Spekulanten gibt, die darauf wetten, dass die Gemeinschaftswährung auseinanderbricht. Das ist auch der Grund, warum nicht nur die Griechen nicht mehr 20 oder 30 Prozent Zinsen zahlen müssen, sondern auch das Zinsniveau für Staatsanleihen der anderen europäischen Krisenländer an den Kapitalmärkten weit unter das Niveau der ersten Krisenjahre gesunken ist. Die Eurokrise, das ist gängige Meinung, ist zwar noch nicht vorbei, sie ist aber beherrschbar geworden.

Das liegt allerdings vor allem an der Europäischen Zentralbank und ihrer quasi unbegrenzten Garantie. Es ist daher gar nicht so überraschend, dass die erste Griechenlandanleihe der neuen Zeitrechnung von vielen ausländischen Investoren gezeichnet wurde. Vermutlich werden es sogar recht viele Hedgefonds gewesen sein, die sich angesichts des insgesamt niedrigen Zinsniveaus über die knapp fünf Prozent freuen, die Athen ihnen bietet. Dass es der griechischen Wirtschaft noch längst nicht gut geht, dass auch die Finanzen noch nicht richtig geordnet und die Schulden nach wie vor absurd hoch sind: es interessiert die Anleger nicht, denn sie können darauf vertrauen, dass im Notfall doch wieder die Europartner und die EZB einspringen, wenn Athen die Luft ausgehen sollte. Erst wenn Griechenland wirklich seinen Haushalt saniert hat und nicht mehr auf Hilfskredite der Partner angewiesen ist, ist das Comeback endgültig gelungen. Aber das wird noch Jahre dauern.

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