Kommunalwahl in Stuttgart Die SÖS will diesmal die FDP überholen

Von Thomas Braun 

Das parteifreie Wahlbündnis Stuttgart-Ökologisch-Sozial strebt bei der Kommunalwahl im Mai an, viertstärkste Kraft im Gemeinderat zu werden. Doch die Kandidatenliste ist nicht ohne...

Maria-Lina Kotelmann ist  auf Platz zwei der SÖS-Liste. Foto: Michael Steinert
Maria-Lina Kotelmann ist auf Platz zwei der SÖS-Liste. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Mit 4,6 Prozent der Wählerstimmen hat das parteifreie Bündnis Stuttgart-Ökologisch-Sozial (SÖS) drei Sitze bei der Kommunalwahl im Jahr 2009 ergattert. Durch die Bildung einer Fraktionsgemeinschaft mit der Linken gelang des dem Team um den vormaligen Einzelstadtrat Hannes Rockenbauch, auch in in den wichtigen beschließenden Ausschüssen des Gemeinderats vertreten zu sein. Fünf Jahre später kämpft die SÖS bei der Wahl am 25. Mai um einen eigenständigen Fraktionsstatus. „Wir orientieren uns an meinem Ergebnis bei der ­OB-Wahl“, gibt Rockenbauch die Zielvorgabe aus – und legt gleich noch einen drauf: „Wir wollen die FDP als viertstärkste Kraft im Rat ablösen.“Die Chance dafür stehen so schlecht nicht – was vor allem an der schwierigen Ausgangslage der Liberalen nach ihrer Abwahl aus dem Bundestag liegt. Ob sich das auch auf das Ergebnis der Kommunalwahl auswirkt, ist aber ungewiss. Das übergeordnete Ziel der SÖS ist es jedenfalls, „eine Mehrheit jenseits von CDU, FDP und Freien Wählern im Gemeinderat wieder hinzukriegen“, wie es der Spitzenkandidat formuliert. Gleichzeitig ist die Wahlliste der SÖS aber auch eine Kampfansage an die Grünen und die SPD. Die wollen Rockenbauch und seine Mitstreiter „zum Jagen tragen“ – etwa in Sachen Stuttgart 21 oder bei der Sozialpolitik.

Kandidatin Kotelmann fällt mitunter durch FDP-Affinität auf

Dementsprechend sieht das Kandidatentableau aus: Neben dem Rotschopf Rockenbauch und dem ergrauten Anti-S-21-Aktivisten Gangolf Stocker finden sich zahlreiche Mitglieder der Parkschützerinitiative auf der Liste, darunter etwa die evangelische Pfarrerin Guntrun Müller-Ensslin. Sie ist so etwas wie der Gegenpol zu ihrem Kollegen Johannes Bräuchle, der bei der CDU das Fähnlein der Projektbefürworter besonders energisch schwenkt, aber den Sprung auf die Wahlliste trotzdem verfehlt hat. Der Bonatz-Enkel Peter Dübbers hingegen sieht sich laut Rockenbauch eher als Unterstützer, würde aber sein Mandat wahrnehmen, falls er gewählt würde. Dass die 300 Personen, die an der „vorgezogenen kleinen Kommunalwahl“, wie Rockenbauch die Aufstellung der Liste nennt, teilnahmen, Maria-Lina Kotelmann auf Platz zwei wählten, verwundert eher. Die italienischstämmige Fachdozentin für Betriebswirtschaftslehre und EDV ist zwar eine Frau mit Migrationshintergrund wie aus dem Lehrbuch und wurde offenbar vor allem von der italienischen Gemeinde stark unterstützt. Politisch hat die Stadträtin in der vergangenen Legislatur über weite Strecken in öffentlichen Gremien allerdings kaum auf sich aufmerksam gemacht. Zuletzt fiel sie bei ihren Äußerungen vor allem durch FDP-nahe Positionen auf – eine Eigenart, die selbst manchen FDP-Stadrat nachdenklich stimmte: „Die Dame argumentiert manchmal fast wie eine von uns.“

SÖS fordert weiterhin den Ausstieg der Stadt bei Stuttgart 21

Dessen ungeachtet ist Frontmann Rockenbauch mit dem Personaltableau der SÖS sehr zufrieden. „Es sind viele Mitglieder aus den verschiedensten Bürgerinitiativen dabei, und wir wollen ja auch die Schnittstelle zwischen Bürger und Gemeinderat sein.“ Zugleich positioniert er die SÖS als Sprachrohr und Interessenvertreter aller Stuttgarter, die sich mit dem Bau des umstrittenen Tiefbahnhofs nicht abfinden wollen. Anders als die SPD und anders als die Grünen, denen Rockenbauch immerhin „gute politische Sacharbeit“ bei S 21 bescheinigt, wolle man das Bahnprojekt nicht nur kritisch-konstruktiv begleiten, sondern im Rat weiter für den Ausstieg der Stadt aus der Finanzierung des Milliardenvorhabens stimmen.

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