Die drei Fraktionen bieten neue Kandidaten – und Kontinuität. Der Gemeinderat wird aber in der neuen Legislaturperiode deutlich jünger sein.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Jettingen - Die Kommunalwahl ist für die Jettinger Bürger wie eine Verjüngungskur: Bei der Wählergemeinschaft tritt eine fast völlig neue Mannschaft an. Von den acht Gemeinderäten der größten Fraktion hören sechs auf. „Das ist schon viel“, sagt Birgit Seeger, die sich wieder zur Wahl stellt. Es habe sich einfach so ergeben: Drei Kandidaten treten als Langzeit-Gemeinderäte ab, drei finden keine Zeit mehr für das Amt. „Aber wir haben eine gute Liste zusammengestellt“, sagt Birgit Seeger. Dass die Freien Wähler in Wolfgang Siebenrock den ehemaligen Rektor der örtlichen Gemeinschaftsschule gewinnen konnten, darauf sind sie besonders stolz.

Die CDU kann dagegen mit mehr Kontinuität – und einer Verjüngung werben. Von den sieben Räten treten zwei nicht mehr an, darunter Gerd Walter, der seit 33 Jahren dabei war. Beate Heidlauff will damit punkten, dass von den 18 Kandidaten fünf weiblich sind, drei mehr als bei den Freien Wählern. Die CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende hofft auf acht Sitze. Aber das klingt fast schon nach zu viel Konkurrenz zwischen den Fraktionen. „Wir haben ein gutes Miteinander“, betont die 50-Jährige und schließt die SPD ausdrücklich ein. Von den drei Sozialdemokraten stellen sich zwei nicht mehr der Wahl, ein Dutzend kandidiert. Konstante Größe ist der Pfarrer Wilhelm Kern, der im Ruhestand seit 2009 Kommunalpolitik macht.

Großzügige Rücklagen zum Gestalten

„Jettingen soll eine Gemeinde bleiben, in der man gut leben kann“, sagt der 68-jährige Geistliche und liegt damit auf einer Linie mit allen Ratskollegen. Der Umbau der Willy-Dieterle-Halle, die Einführung der Gemeinschaftsschule, die Fertigstellung der Ortsumfahrung, der Ausbau der Kinderbetreuung und die Gestaltung des Marktplatzes in Oberjettingen waren die Themen in der vergangenen Legislaturperiode. „Wir haben großzügige Rücklagen, hier kann man etwas gestalten“, sagt Birgit Seeger von den Freien Wählern. Der Marktplatz wird auch den nächsten Gemeinderat beschäftigen, außerdem soll ein neues Baugebiet ausgewiesen, die Radwege verbessert und das Freizeitgelände in Schuss gehalten werden, zählt die 46-Jährige auf. Die CDU hat unter anderem eine bessere Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Herrenberg auf der Agenda. „Jettingen liegt uns wirklich am Herzen“, sagt Beate Heidlauff.

Um Parteilinien gehe es selten im Gemeinderat, stimmt Wilhelm Kern zu. Nur wenn es um Ökologie gehe oder Soziales, zeigt sich für ihn der Unterschied zwischen der SPD und den beiden anderen Fraktionen. Wilhelm Kern würde lieber den Ortskern verdichten, als ein neues Baugebiet ausweisen. Und am neuen Marktplatz plädierte er vergeblich für mehr Verkehrsberuhigung. Aber als es um die Genehmigung eines verkaufsoffenen Sonntags in Jettingen ging, gab es wieder ganz andere Koalitionen: Der ehemalige Pfarrer war dagegen – mit Teilen der CDU. „Dass sie mit mir gestimmt haben, hat mich gefreut“, sagt er.