Konflikt im Asemwald Heiligabend-Andacht am Brunnen trotz Verbot?

Die Zukunft des ökumenischen Gemeindezentrums im Asemwald ist ungewiss. Spielt das in den Konflikt mit rein? Foto: Caroline Holowiecki

Eine Theologin wollte an Weihnachten zu einer katholischen Andacht am Brunnen in der Wohnstadt Asemwald einladen – und darf nicht. Sie sieht sich nun in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt – und will die Andacht trotzdem halten.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Es sollte ganz gemütlich werden. An Heiligabend wollte Christa Krämer zu einer katholischen Andacht am Brunnen in der Wohnstadt Asemwald einladen. In einer Schale wollte sie ein Feuer entzünden und sich dann zusammen mit Nachbarn auf das Fest einstimmen.

 

Christa Krämer wohnt seit neun Jahren im Asemwald, seit 2022 ist sie auch Eigentümerin. Als Theologin engagiere sie sich in der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius in Hohenheim und leite regelmäßig Wort-Gottesfeiern in der kleinen Asemwald-Kapelle, sagt sie und ergänzt: „Im Asemwald leben viele ältere Menschen, für die der Weg in die Hohenheimer Kirche an der Paracelsusstraße zwischenzeitlich zu beschwerlich geworden ist.“ Darum habe sie vor zwei Jahren in Absprache mit der evangelischen Pfarrerin zum ersten Mal auch am 24. Dezember eine katholische Andacht in der Kapelle angeboten. „Diese wurde so gut angenommen, dass wir auch im letzten Jahr bei voll besetzter Kapelle Heiligabend dort gefeiert haben“, sagt Christa Krämer.

Doch in diesem Jahr sei das nicht möglich. „Unsere evangelischen Geschwister feiern ihren Weihnachtsgottesdienst zu einem für uns ungünstigen Zeitpunkt, sodass die Nutzung der Kapelle für uns Katholiken schwierig ist“, sagt Christa Krämer. Darum habe sie zu der Andacht am Brunnen einladen wollen. Wegen der Feuerschale habe sie bei der Hausverwaltung nach einer Genehmigung gefragt. Und dann hätten die Hausverwaltung und der Verwaltungsbeirat ihr die Andacht komplett untersagt – mit der Begründung, es könnten auch andere Konfessionen oder Glaubensrichtungen ein ähnliches Ansinnen an die Verwaltung herantragen

Die Theologin fühlt sich als Christin diskriminiert

Für Christa Krämer ist das Verbot und seine Begründung „eine Ungeheuerlichkeit – zumal in einem Land, in dem bekanntermaßen Religionsfreiheit herrscht“. Sie fühle sich als Christin diskriminiert. „Möglicherweise handelt es sich bei der Entscheidung von Verwaltung und Verwaltungsbeirat um eine bewusste Retourkutsche gegen meine Person“, vermutet die Theologin. Denn im Oktober habe sie eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Asemwald-Kapelle gestartet, die vom Abriss bedroht sei.

Werner Pohl, Mitglied im Verwaltungsbeirat im Asemwald, weist diese Kritik vehement zurück. „Das hat nichts mit einer Aversion gegen eine Religion oder gegen eine Person zu tun“, betont er. Aber wenn man eine Andacht im öffentlichen Raum erlaube, dann könnten andere Religionsgemeinschaften mit einer ähnlichen Idee folgen.

„So etwas weckt schnell Begehrlichkeiten. Wir wollen einfach verhindern, dass das Raum greift“, sagt Pohl. Und schließlich gebe es eine Kapelle im Asemwald. „Die Konfessionen mögen sich da über die Nutzungszeiten einigen. Mich wundert es, dass man nicht zu einer einvernehmlichen Lösung gekommen ist.“

Lob für die gute Ökumene im Asemwald

Auch die zuständige Pfarrerin Claudia Weyh kann die Situation nicht ganz nachvollziehen. Die Kapelle gehört der evangelischen Verbundkirchengemeinde Plieningen-Birkach. Man habe dort Hausrecht und werde am 24. Dezember um 17.30 Uhr Gottesdienst feiern. „Davor oder danach hätte sehr gerne ein katholischer Gottesdienst stattfinden können. Und ich bin davon ausgegangen, dass das auch der Fall sein wird. Es gab Möglichkeiten, die Kapelle zu nutzen“, sagt Claudia Weyh und betont die ansonsten sehr gut funktionierende Ökumene.

Das sieht die Pastoralreferentin Marie-Pasquale Reuver von der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius genauso. „Die Zusammenarbeit zwischen der evangelischen und der katholischen Gemeinde ist ganz wunderbar. Da gibt es sonst überhaupt keine Probleme“, sagt sie.

Auch Christa Krämer kann das so unterschreiben. „Die Ökumene funktioniert.“ Ihr Unmut richte sich gegen die Hausverwaltung und den Verwaltungsbeirat. Dieser habe kein Recht dazu, die Andacht zu verbieten. Sie habe sich diesbezüglich beim Ordinariat erkundigt. Es gebe ein Grundrecht auf freie Ausübung der Religion. „Und darum werde ich die Andacht am Brunnen trotzdem machen“, kündigt Christa Krämer an.

Wie geht es weiter mit der Kapelle im Asemwald

Immobilienkonzept
Die Zukunft der kleinen Kapelle ist ungewiss. Vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen hat die Verbundkirchengemeinde Plieningen-Birkach ein Immobilienkonzept erarbeitet. „Wir haben zu viele Gebäude, die können wir nicht mehr alle finanzieren“, sagt der geschäftsführende Pfarrer Hans-Ulrich Winkler. In diesem Zusammenhang müsse man sich Gedanken machen über die Zukunft des ökumenischen Gemeindezentrums im Asemwald. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich die katholische Kirchengemeinde mit dem Bau des Palotti-Areals weitgehend zurückgezogen habe.

Bauweise
Neben der Kapelle gibt es noch eine eingruppige Kita und Gemeinderäume. Weil eingruppige Kitas personell schwer zu betreiben sind, soll diese aufgegeben werden. Doch Kita und Kapelle hängen baulich miteinander zusammen. „Wir haben bereits bei einer Gemeindeversammlung im Mai 2023 deutlich gesagt, dass wir aktuell keine Option sehen, dass die Kapelle weiter besteht“, betont Hans-Ulrich Winkler. Entschieden sei aber noch nichts, man sei in Gesprächen. Am 1. Februar wollen die evangelische und die katholische Kirchengemeinde gemeinsam dazu informieren.

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