Kongress „Stadt der Zukunft“ der StZ Nahverkehr ist eine Preisfrage

Volles Haus beim Zukunftskongress der StZ, als es um das Thema Intermodalität Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Miteinander statt gegeneinander: Wie könnte die Mobilität der Zukunft aussehen? Beim Zukunftskongress der StZ werden neue Apps, Sammeltaxen und ein einheitlicheres Tarifsystem diskutiert.

Stuttgart - Am ersten Tag des Zukunftskongresses der Stuttgarter Zeitung ging es um den Strom, der den Verkehr antreibt, ums Parken, um die Logistik, um verschiedenste Formen der Mobilität. Da war es nur konsequent, am Nachmittag die unterschiedlichen Arten des Verkehrs in einem Podium zusammenzufassen. Unter dem Schlagwort „Intermodalität“ stellte StZ-Titelautor Christian Milankovic als Moderator die Frage, wie wir uns künftig miteinander statt nebeneinander her bewegen können.

 

An der Beantwortung dieser Frage tüftelt zum Beispiel Marina Weinehl. Die Geschäftsführerin der Firma BlueGo entwickelt gerade eine App, die auf Basis der Smartphone-Sensoren Fahrgästen das jeweils günstigste Ticket anbieten will. Im Dezember soll ein Prototyp der App fertig sein, Mitte nächsten Jahres soll das System dann für alle verfügbar sein.

Forderung: einheitlicher Baden-Württemberg-Tarif statt Flickenteppich

Weinehl geht mit ihrer App auf das Problem ein, dass unterschiedliche Verkehrsbetriebe in verschiedenen Städten ganz unterschiedliche Tarifsysteme haben. Auf diesen Umstand wies auch Gudrun Heute-Bluhm hin, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg. Die entscheidende Frage in ihren Augen: „Wie kann man den Leuten vermitteln, wie sie am schnellsten an das richtige Ticket kommen?“ Ob in naher Zukunft ein einheitlicher Baden-Württemberg-Tarif möglich sein könnte, „statt des Flickenteppiches, den wir heute vorfinden“, wie Moderator Milankovic es formulierte, konnte Heute-Bluhm nicht beantworten. Das sei wie immer eine Frage der Kosten, aber auch hier könnte eine gemeinsame App Abhilfe schaffen.

Der Zukunftskongress der StZ ist immer dann am besten, wenn konkrete Beispiele aus der Gegenwart vorgestellt werden, die aus verkehrstechnischer Sicht Mut machen. Dirk Reimelt, Senior Manager Shared Mobility und Transportation bei der Firma Daimler, berichtete vom Projekt Berlkönig in Berlin, bei dem Vans als sogenannte Ruftaxen ergänzend zum öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind. Die Fahrzeuge richten sich nicht nach einem festen Fahrplan, sondern können individuell geordert werden. Seine Zwischenbilanz fällt positiv aus. Das Angebot werde gut angenommen. „Es müssen vier oder fünf Gäste in unseren Fahrzeugen sitzen, dann ist das Angebot auch wirtschaftlich“, ist sich Reimelt sicher.

Können mehr Mobilitätssysteme auch zu mehr Verkehr führen?

Till Ackermann, Fachbereichsleiter im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, sieht in Modellen wie dem Berlkönig oder der Stuttgarter Variante mit Namen SSB Flex eine Alternative für den ländlichen Raum, „anstatt dort große Busse mit wenig Fahrgästen fahren zu lassen“.

Zum Schluss diskutierte das Podium über die Frage, ob mehr Mobilitätssysteme im schlechtesten Fall zu mehr Verkehr führen können. In amerikanischen Städten wie San Francisco hätten Angebote wie der Fahrdienst Uber zur Folge gehabt, dass der öffentliche Nahverkehr weniger genutzt wird. Diese Gefahr sieht Daniel Krajzewicz vom Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt nicht. Er plädierte für passgenaue Angebote: „Aus Gründen des Klimaschutzes ist es notwendig, dass der motorisierte Individualverkehr nachlässt.“

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Stadtwerke Augsburg kürzlich ein Modell initiiert, von dem die App-Entwicklerin Marina Weinehl zu berichten wusste. Seit September wird in der Fuggerstadt eine Nahverkehrs-Flatrate angeboten, bei der verschiedenste Formen der Mobilität zu einem Fixpreis genutzt werden. Gudrun Heute-Bluhm vom Städtetag verwies daran anknüpfend auf das viel zitierte Wiener Modell, bei dem die Kunden 365 Euro für das Jahresticket der Öffentlichen bezahlen. Die Attraktivität des Nahverkehrs sei am Ende eben eine Preisfrage.

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