Konjunktur Maschinenbauer verlieren an Tempo

Im nächsten Jahr werden sich die Räder im südwestdeutschen Maschinenbau aller Voraussicht nach etwas langsamer drehen. Foto: dpa
Im nächsten Jahr werden sich die Räder im südwestdeutschen Maschinenbau aller Voraussicht nach etwas langsamer drehen. Foto: dpa

Die Auftragsbücher der Branche sind bis Mitte des kommenden Jahres voll. Handelskonflikte, der Brexit und die Sanktionen gegen Russland bereiten den Betrieben aber Sorgen. Auch Lieferengpässe hemmen das Wachstum.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)
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Stuttgart - Die mögliche Verschärfung von Sanktionen gegen Russland wegen der wieder aufgeflackerten Krimkrise bereitet auch den südwestdeutschen Maschinenbauern Sorge. Der widergewählte Vorsitzende des Branchenverbands VDMA in Baden-Württemberg, Mathias Kammüller sagte, schon seit drei Jahren leide die Branche unter den Sanktionen. „Man kann sich kaum vorstellen, dass es noch schlimmer wird“, sagte Kammüller unserer Zeitung. Im vergangenen Jahr hätten die Exporte wieder etwas angezogen, Russland liege inzwischen auf Platz zwölf bei den Exporten und gehöre damit nicht zu den wichtigsten Märkten. Auffallend sei aber, dass in Ländern, in die wegen Sanktionen weniger geliefert werden könne, „die Chinesen in die Bresche springen“.

Kopfzerbrechen bereitet den Maschinenbauern auch ein möglicher ungeregelter Brexit. Dies könne zu Exporterschwerungen für in Großbritannien produzierende deutsche Unternehmen führen. Auch ein geregelten Brexit werde zu Problemen führen. So würden deutsche Unternehmen wegen kommender Zölle bei Exporten nach Großbritannien ihren Wettbewerbsvorteil etwa gegenüber Konkurrenten aus Japan einbüßen.

Zur Frage des kommenden CDU-Vorsitzenden sagte Kammüller, er wünsche sich eine deutlich wirtschaftsfreundlichere Politik. „Das sehe ich bei Friedrich Merz.“ Dieser sei sich der Wichtigkeit der Wirtschaft bewusst. Diese Aussage solle aber nicht als Kritik an Annegret Kramp-Karrenbauer verstanden werden. Außerdem treffe er die Aussage nicht als VDMA-Vorsitzender. Es handele sich dabei lediglich um seine persönliche Meinung.

Vor allem Handelskonflikte machen Sorgen

Der Kern der Probleme, vor denen die Maschinenbauer stünden, „ist die politische Nervosität“, erklärte Kammüller. So habe US-Präsident Donald Trump „eine verhängnisvolle Kette aus Reaktionen und Gegenreaktionen in Gang gesetzt“. Angesichts der zahlreichen Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa sei ein Investitions- und Handelsabkommen mit China nötig. Dieses müsse dazu führen, dass europäische Unternehmen in China leichter investieren könnten.

Kleine Betriebe finden kaum noch Fachkräfte

Die Auftragsbücher der südwestdeutschen Maschinenbauer sind nach den Worten des VDMA-Vorsitzenden noch bis Mitte des nächsten Jahres gut gefüllt. Dieses Jahr werde mit einem Umsatz von knapp 88 Milliarden Euro ein neues Rekordjahr werden. Etwa 80 Prozent ihres Umsatzes erzielen die Maschinenbauer im Export. Gebremst wurde das Wachstum in diesem Jahr durch den Mangel an Fachkräften. Die größten Probleme hätten Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten. Diese fänden kaum noch Mitarbeiter. Ein weiteres Hemmnis für das Wachstum waren Lieferengpässe bei Komponenten.

Für das kommende Jahr rechnet Kammüller mit einer Abschwächung. Die Branche erwarte im

Südwesten – wie bundesweit – nur noch ein Umsatzplus von zwei Prozent. Der Mangel an Fachkräften bleibe bestehen, könnte sich aber etwas entschärfen, meinte der VDMA-Vorsitzende.

Projektarbeit wird wichtiger

Dietrich Birk, der Geschäftsführer des VDMA in Baden-Württemberg sagte, vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der fortschreitenden Globalisierung müssten auch Strukturen in den Unternehmen geändert werden. Dabei gelte es, starre Organisationsformen zu öffnen und mehr Projektarbeit in wechselnden Teams zu gestalten. Nur so könne die Branche auch den immer individueller werdenden Wünschen der Kunden gerecht werden.

Größte Industriebranche im Südwesten

Keine andere ­Industriebranche in Baden-Württemberg hat mehr ­Beschäftigte als der Maschinenbau. Mit fast 328 290 Mitarbeitern liegt der Maschinenbau vor der Autoindustrie und deren Zulieferern mit 228 800 Mitarbeitern. Seit den Krisenjahren 2008/2009 ist der Umsatz kontinuierlich gestiegen. 2008 lag er bei 66 Milliarden Euro und sackte 2009 auf nur noch 50 Milliarden Euro ab. Mit 88 Milliarden Euro wir das Vorkrisenniveau inzwischen klar übertroffen. 80 Prozent seines Umsatzes erzielt der südwestdeutsche Maschinenbau mit Exporten. Wichtigster Kunde sind die USA mit 12,1 Milliarden Euro gefolgt von China mit 10,8 Milliarden Euro. Großbritannien liegt mit 4,6 Milliarden auf Rang fünf.

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