Konrad Riehle hat seine Torflaute abgelegt und in den vergangenen beiden Spielen für den Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers dreimal getroffen. Vor der Partie an diesem Samstag (15.30 Uhr) beim Offenburger FV spricht der 20-Jährige über seinen Aufwärtstrend.
Herr Riehle, wie groß ist Ihre Erleichterung, dass der Knoten beim Toreschießen geplatzt ist?
Natürlich bin ich sehr erleichtert. Es war insgesamt eine schwere Zeit für mich, weil ich nicht die erhoffte Leistung aus der vergangenen Rückrunde gebracht habe. Solch eine Durststrecke liegt in jungen Jahren aber schon mal drin.
Auch weil die vergangene Saison mental und körperlich so anspruchsvoll war?
Ja schon, die Spannung war in der vergangenen Runde immer oben, die ganze Zeit. Deshalb haben wir auch so konstant gute Spiele gezeigt. Dann kam mit dem DFB-Pokal-Triumph gegen die SpVgg Greuther Fürth ein absolut emotionales Highlight – nicht nur für mich war das das mit Abstand Größte in meiner bisherigen Karriere. Dass man dann mal für kurze Zeit in ein kleines Loch fällt, ist im Sport keine Seltenheit.
Auffallend war bei Ihnen die Torflaute. Selbst in Vorbereitungsspielen, wie zum Beispiel beim 24:0 beim TSV Harthausen, trafen Sie nicht. Klebte Ihnen einfach das Pech am Kickstiefel oder an was lag es?
Schwer zu sagen. Die Torflaute war jedenfalls da, kein Frage. Oft wird man vielleicht zu sehr an den Toren gemessen und das, was man fürs Team leistet, geht etwas unter. Aber klar, letztendlich wird man an den Toren gemessen. Wobei ich meistens auf dem Flügel gespielt habe, da läuft man ungemein viel, arbeitet für die Mannschaft, und manchmal will der Ball halt einfach nicht über die Linie. Das hat schon an mir genagt, aber jetzt läuft’s zum Glück wieder.
Zuletzt spielten Sie auf der Zehner-Position. Kommt Ihnen das entgegen?
Was das Toreschießen betrifft schon. Die Außenposition liegt mir aber auch. Ich spiele auf beiden Positionen gerne. Schnelligkeit, Dribbelstärke, Übersicht kann man überall gut gebrauchen.
Vom 1. FC Heidenheim gekommen
Sie sind ein spielintelligenter Typ, der ein Gespür mitbringt, wie er sich Räume schafft. Wo haben Sie denn in der Jugend gespielt?
Ich war ja in der Jugend beim SSV Reutlingen, der TSG Balingen und beim 1. FC Heidenheim am Ball. Da spielte ich meistens im Sturm oder kam über den Flügel.
Sie hatten nach ihrer starken vergangenen Saison, in der Sie sieben Treffer erzielten, ein konkretes Angebot von Regionalligist TSG 1899 Hoffenheim II, auch der Drittligist SC Freiburg II hatte die Fühler ausgestreckt. Warum sind Sie geblieben?
Erst einmal empfand ich das Interesse von höherklassigen Vereinen als sehr hohe Wertschätzung für meine Leistungen in der vergangenen Runde. Aber ich fühle mich bei den Kickers eben sehr wohl, der Trainer setzt auf mich, das System passt zu mir, und ich bin im Verein und in der Mannschaft sehr gut integriert. Das hielt ich für sehr gute Voraussetzungen, mich bei den Blauen weiterzuentwickeln.
Hätten Sie einen Raketenstart in die neue Saison hingelegt. Wäre vor dem Ende des Transferfensters am 1. September noch Bewegung reingekommen?
Vielleicht wäre noch ein anderes Angebot gekommen, an meinem Entschluss, zu bleiben, hätte sich nichts geändert.
Beim 5:0 in Pforzheim standen Sie nicht im Kader. Wie hat der Trainer Ihnen das erklärt?
Musti Ünal ist ein authentischer Typ, der einem das immer offen und ehrlich erklärt. In meinem Fall meinte er, dass es besser sei, mich mal ganz rauszunehmen, da meine Auftritte davor ziemlich verkrampft waren. Das war in dem Moment sehr hart für mich, im Nachhinein hat der Coach alles richtig gemacht (lacht).
Am Vertrauen haben Sie nicht gezweifelt?
Nein, der Trainer war ja derjenige, der meine Leistungsexplosion maßgeblich zu verantworten hatte. Warum sollte ich zweifeln? Wir haben nun mal einen sehr ausgeglichenen und breiten Kader, da ist es nichts Ungewöhnliches, auch mal zu pausieren.
Fan von Werder Bremen
Welche fußballerischen Vorbilder hatten Sie in der Jugend?
Cristiano Ronaldo. Weniger wegen seiner Gier nach Toren, sondern vielmehr wegen seiner grundsätzlichen Arbeitsmentalität, seiner top Einstellung. Zudem gefielen mir Claudio Pizarro und Diego, deshalb bin ich bis heute Fan von Werder Bremen.
Sie studieren neben dem Fußball?
Ja, Wirtschaftswissenschaften via Fern-Studium.
Ist das DFB-Pokal-Spiel schon im Hinterkopf?
Manchmal zwangsläufig, da ich schon einige Tickets für das Spiel gegen Eintracht Frankfurt besorgen musste. Aber ansonsten gilt die volle Konzentration der Oberliga. Was würde uns ein – wenn auch sehr unwahrscheinlicher – Sieg gegen die Eintracht bringen, wenn wir am Ende nicht aufsteigen.
Nach dem Pokalmatch geht es in der Liga gegen den SSV Reutlingen. Ein besonderes Spiel für Sie?
Ich habe acht Jahre beim SSV in der Jugend gespielt, wohne in der Nähe von Reutlingen, in Kusterdingen. Da ist dieses Duell natürlich etwas Besonderes für mich. Aber vor allem auch für unsere Fans. Für sie ist es das wichtigste Spiel in der Oberliga. Die Rivalität ist vergleichbar mit der von Dortmund und Schalke.