Kontaktsperre, Schulschließung und Co. Corona-Maßnahmen verhinderten viele Tote

Um das Virus an der Ausbreitung zu hindern, wurden seit März Kontaktsperren verhängt. Foto: imago images/photothek/Florian Gaertner/photothek.net via www.imago-images.de
Um das Virus an der Ausbreitung zu hindern, wurden seit März Kontaktsperren verhängt. Foto: imago images/photothek/Florian Gaertner/photothek.net via www.imago-images.de

Waren Schulschließungen, Kontaktsperren und Co. wirklich nötig, um das neuartige Coronavirus aufzuhalten? Zwei Studien kommen nun zu einer eindeutigen Antwort.

Wissenschaft: Klaus Zintz (Zz)
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London/Berkeley - Weltweit ächzen viele Länder unter den Maßnahmen, die gegen die Ausbreitung des Coronavirus getroffen wurden. Dabei wird immer häufiger die Frage gestellt, wie sinnvoll die rigorosen Eindämmungsmaßnahmen waren – und wie schnell man sie nun wieder lockern kann. Zwei Studien, die jetzt im Fachjournal „Nature“ publiziert wurden, kommen zu einer eindeutigen Antwort: Die rigorosen Maßnahmen haben vielen Menschen das Leben gerettet.

530 Millionen Infektionen verhindert

Eine Studie, die von Solomon Hsiang von der Universität von Kalifornien in Berkeley (USA) geleitet wurde, befasste sich mit Daten aus sechs Ländern: China, Südkorea, Italien, Iran, Frankreich und USA. In die Betrachtungen der Studie einbezogen wurden 1717 Maßnahmen, die lokal und regional getroffen wurden, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Dazu zählen Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen. Ohne solche Maßnahmen wächst die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen zu Beginn der Epidemie mit einer Rate von ungefähr 38 Prozent – pro Tag. Den Berechnungen zufolge haben die in den sechs untersuchten Ländern ergriffenen Maßnahmen bis Anfang April dazu geführt, dass rund 530 Millionen Infektionen mit dem Virus verhindert wurden. Damit wurden viele Millionen Menschenleben gerettet.

Forscher nutzten ein Modell, um die Todesfälle aus bestehenden Infektionen hochzurechnen

Die zweite Studie beschäftigt sich mit dem Infektionsgeschehen in elf europäischen Ländern, darunter Deutschland. Die Analysen des britischen Forscherteam um Seth Flaxman vom Imperial College London kommen zu dem Schluss, dass die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus bis Anfang Mai etwa 3,1 Millionen Todesfälle verhindert haben. Für ihre Berechnungen nutzten die Forscher ein Modell, um die Todesfälle aus bestehenden Infektionen hochzurechnen. Für Deutschland ergab dies bis 4. Mai eine errechnete Todeszahl von etwa 6800 – tatsächlich wurden bis dahin 6831 Tote gezählt. Auf dieser Basis werden die durch die Maßnahmen vermiedenen Todesfälle mit 560 000 angegeben – oder anders herum: Ohne die rigorosen Abwehrmaßnahmen wären in Deutschland bis Anfang Mai rund 570 000 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben – wobei die statistische Bandbreite zwischen 370 000 und 780 000 liegt.

Die sogenannte Reproduktionsrate konnte unter eins gedrückt werden

Nur dank der starken Eingriffe sei es möglich gewesen, die sogenannte Reproduktionsrate unter eins zu drücken. Diese gibt an, wie viele Menschen ein infizierter Mensch mit dem Virus ansteckt. Nur wenn diese Rate dauerhaft unter eins ist, also ein Menschen weniger als einen weiteren Menschen ansteckt, kann sich der Erreger nicht mehr weiter ausbreiten. Der britischen Studie zufolge haben sich in den elf untersuchten europäischen Ländern bis Anfang Mai zwischen 12 und 15 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Das entspricht einer Spanne von 3,2 bis 4,0 Prozent der dort lebenden Menschen. Damit aber ist die Gefahr nicht vorbei, weshalb die Experten dringend empfehlen, auch weiterhin solche Interventionsmaßnahmen im Auge zu behalten.

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