Kontroverse beim Heizen Zu wenige Wärmenetze in Stuttgart? Kritiker fordern Korrektur

Die Innenstadt eignet sich besonders gut als Netzgebiet – hier gibt es meist auch keine Alternative zur Fernwärme. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Seit Ende 2023 steht fest, welche Quartiere in Stuttgart mit einem Wärmenetz rechnen können. Aus Sicht von Kritikern müsste die Stadt viel größer denken. Dazu gibt es nun zwei Vorstöße.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Die Kritik an der Stuttgarter Wärmeplanung ebbt nicht ab. Ende vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat sie beschlossen. Nun können Immobilienbesitzer prüfen, ob in ihrem Gebiet ein Wärmenetz vorgesehen ist. Das gilt für etwa 45 Prozent aller Haushalte. Aktuell gibt es in der Landeshauptstadt Wärmenetze von insgesamt 218 Kilometern Länge.

 

Dass die Stadt Stuttgart zu zurückhaltend plane und dass die Immobilieneigentümer trotz Wärmeplanung oftmals vor etlichen Fragen stünden, diese Kritik gibt es seit geraumer Zeit. Nun hat die SPD-Fraktion im Gemeinderat beantragt, nachzubessern. „Leider wird die zentrale Zielsetzung einer guten kommunalen Wärmeplanung nur unzureichend umgesetzt“, heißt es. „Dies kann und muss nun zeitnah korrigiert werden, durch eine einfache Erweiterung der bisherigen Wärmenetzeignungsgebiete.“

Gemeinderat solle 2026 Netze beschließen

Die SPD möchte, dass die Stadt die Fraktionen über alle Gebiete mit hohem Verbrauch informiert und auch Szenarien für Quartiere mit geringerer Wärmedichte zeichnet. Zudem solle die Stadt bis Mitte dieses Jahres darlegen, „wie und auf welcher Grundlage die angestrebten Wärmenetzgebiete bis Mitte 2026 im Gemeinderat beschlossen werden können beziehungsweise sollen“, heißt es in dem Antrag. Die SPD bezieht sich auch auf Stimmen und Expertisen aus der Stadtgesellschaft, wie von Umweltinitiativen und -verbänden oder der Initiative Lebenswert_70599 in Birkach und Plieningen. Unter anderem wird darin argumentiert, dass Wärmenetze die für Verbraucher wohl kostengünstigere Variante wären beim Heizungswechsel – im Vergleich zur Einzelversorgung per Wärmepumpe. In Fachkreisen ist dies durchaus umstritten.

Brief an den OB Nopper und Stuttgarter Stadträte

Fast zeitgleich haben Stuttgarter Umweltgruppen unter anderem an den Oberbürgermeister Frank Nopper, den Bürgermeister Peter Pätzold und an Stadträte geschrieben.

Auch sie fordern, bei der Wärmeplanung in Stuttgart größer zu denken. Man habe die als zurückhaltend gewertete Planung der Stadt bereits im Herbst 2023 kritisiert, heißt es. „Die jetzt anlaufenden Informationsveranstaltungen in den Stadtteilen ändern an der Einschätzung wenig.“

Herzstück der Argumentation ist eine Stellungnahme des Experten Helmut Böhnisch, ehemals Mitarbeiter bei der Klima- und Energieagentur Baden-Württemberg. Die Initiativen fordern, dass Böhnisch seine Erkenntnisse in einer Sitzung des Ausschusses für Klima und Umwelt vorstellen kann. Zudem verlangen die Initiativen, die Wärmeplanung müsse sogleich überarbeitet und die Öffentlichkeit müsse daran umfangreicher beteiligt werden.

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