Kooperative Berufsorientierung am BBW Waiblingen Besser als jede Theorie

Von Annette Clauß 

Praktische Erfahrungen sammeln Schüler bei der Kooperativen Berufsorientierung (KOOBO). Dabei setzen sie mithilfe von Fachleuten Projekte von der Idee bis zur Vollendung um. Das Berufsbildungswerk Waiblingen (BBW) betreut das Angebot im Auftrag des Kultusministeriums.

Die  Projektteilnehmer  beim Besuch in einer Ausbildungswerkstatt des Berufsbildungswerks Waiblingen Foto: Gottfried Stoppel
Die Projektteilnehmer beim Besuch in einer Ausbildungswerkstatt des Berufsbildungswerks Waiblingen Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Die einen haben fast sechs Tonnen Kies geschaufelt und im Innenhof ihrer Schule ein Grünes Klassenzimmer angelegt. Die anderen brachten einen in die Jahre gekommenen Wald- und Naturlehrpfad in der Nähe ihrer Schule wieder auf Vordermann: Morsche Pfosten mussten demontiert, verrostete Schrauben gelöst und neue Sitzbänke entworfen, gebaut und in den Boden betoniert werden. „Dass das so anstrengend sein kann, hätten wir nicht gedacht“, sagte ein Schüler über das Anrühren des Betons.

Viel Schülerschweiß ist geflossen

Keine Frage – es ist reichlich Schülerschweiß geflossen im Zuge des Projekts Kooperative Berufsorientierung (KOOBO), das im zu Ende gehenden Schuljahr seine Premiere hatte (siehe „Projekte mit Ernstcharakter“). Am Donnerstag haben Schülerinnen und Schüler im Berufsbildungswerk Waiblingen (BBW) ihre Projekte bei einer Abschlussveranstaltung präsentiert. Die Jugendlichen waren dazu aus ganz Baden-Württemberg angereist – beispielsweise aus Biberach, Heilbronn, Waldshut-Tiengen oder Lauda-Königshofen.

Ihre Verbindung zum Rems-Murr-Kreis ist Nadine Kästle: Die Mitarbeiterin des Berufsbildungswerks Waiblingen hat im Auftrag des Kultusministeriums die rund 120 jungen Leute, die Sonderschulen oder berufsvorbereitende Bildungsgänge beruflicher Schulen besuchen, das ganze Schuljahr über betreut und begleitet – von der Projektidee bis zu deren Vollendung. Eine zeitaufwendige Aufgabe dabei sei die Akquise von Betrieben gewesen, die das nötige Fachwissen und Werkzeug haben, um die Projekte zu verwirklichen, erzählte Nadine Kästle. Doch das Klinkenputzen bei Landschaftsgärtnern, Schreinern, Gastronomen oder Metallbauern habe sich gelohnt: „Wenn die Jugendlichen praktisch arbeiten können, sind sie fasziniert und voll dabei.“

Ältere Schüler spielen eine Vorreiterrolle

Praktische Erfahrungen zu machen und möglichst viele Berufe und Arbeitsfelder kennenzulernen sei die Idee des Projekts, erklärt der BBW-Bereichsleiter Jürgen Tress. Von KOOBO profitierten aber nicht nur die Schulen, sondern auch die Betriebe: „Beide Partner geben ihre Erwartungen aneinander weiter.“ Dass beim Projekt stets Schüler einer Berufsschule und eines sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums – landläufig Förderschule genannt – zusammengespannt werden, ist seiner Ansicht nach ein weiterer Pluspunkt: „Die älteren Berufsschüler spielen eine Vorreiterrolle, das ist gut fürs Selbstbewusstsein. Und die jüngeren Schüler landen später häufig an dieser Berufsschule und haben so einen sanften Übergang.“

Bis zu den Sommerferien könnten sich Schulen noch für die nächste Projektrunde, die im Herbst startet, bewerben, sagt Yvonne Dorsch vom Kultusministerium. Im aktuellen Schuljahr hätten rund 350 Schulen im ganzen Land teilgenommen. „Für das Schuljahr 2017/18 rechnen wir mit doppelt so vielen Schulen“, sagt die Koordinatorin. Ein Ziel sei es auch, noch mehr jüngere Schüler anzusprechen.