Lieber wäre mir, es wird endlich etwas umgesetzt, als fünf weitere solcher Veranstaltungen.“ Das sagte ein Bürger bei der Beteiligungsveranstaltung zur Neugestaltung der Güterbahnhofstraße am Donnerstagabend im Kornwestheimer Rathausfoyer. Etwa 60 Anwohner, Gewerbetreibende und sonstige Interessierte tauschten sich über Ideen zur Straße aus, die auf den Holzgrundplatz führt.
Unansehnlicher Flickenteppich
150 Meter ist die Straße lang, 17 Auto-Parkplätze gibt es dort, fünf für Fahrräder. Die Straßenoberfläche ist ein Flickenteppich. Die am Straßenrand parkenden Autos sorgen nicht gerade für eine hohe Aufenthaltsqualität. Ein schöner Anblick ist die Straße nicht, die gemeinsam mit der Bahnhofstraße und dem Holzgrundplatz sowie dem Bahnhofsvorplatz zur Innenstadt Kornwestheims gehört. Das soll sich nun aber ändern.
Das Ziel gibt es allerdings schon länger. Ein Anwohner erinnerte sich gar daran, dass die Straße, die seit 1989 ihr Aussehen nur wenig verändert habe, schon seit den 1990er-Jahren immer wieder in der Diskussion stehe, verschönert zu werden. Nur getan wurde eben nie etwas. Der Erste Bürgermeister Daniel Güthler, der am Donnerstag den erkrankten Oberbürgermeister Nico Lauxmann, vertrat, machte mehrmals deutlich, dass diesmal tatsächlich etwas unternommen werde. Man habe 1,5 Millionen Euro bereitgestellt für die Neugestaltung und schiele noch auf Fördermittel. „Wir würden nicht eine solche Veranstaltung machen, wenn es uns nicht ernst wäre“, sagte Güthler.
Ab Ende 2026 ohne Autos?
Auch einen Zeitplan präsentierten die Verantwortlichen von der Stadtverwaltung schon. Noch vor der Sommerpause soll der Gemeinderat über die Neugestaltung entscheiden. Nach Planung und Baubeschluss im kommenden Jahr könnte nach dem Stadtfest im September 2025 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Ende 2026 könnte die Straße dann ihr neues Gesicht präsentieren. Aber wie soll das aussehen? Mehrere Bürger wünschten sich Dinge, die zunächst über die Planung hinausgingen, etwa ein Café in der Straße oder die Umbenennung der Straße in Salamanderweg. Konkret spricht aber einiges für die Einrichtung einer Fußgängerzone. Noch ist die Straße eine Einbahnstraße. Allerdings verkehren dort pro Tag nur 400 Autos. Ohne Autos erhöhe sich die Aufenthaltsqualität und die Geschäfte könnten Flächen vor der Tür bewirtschaften, so die Stadtverwaltung. Gegen die Einrichtung einer Fußgängerzone sprachen sich auch Bürger aus. Das sei angesichts der Postfiliale in der Straße wenig praktikabel, hieß es.
Güthler räumte ein, dass eine Postfiliale mit dem Auto gut erreichbar sein muss. Die Parkplätze vor der Tür seien also wichtig. „Aber vielleicht finden wir gemeinsam mit dem Betreiber einen anderen Standort, der auch zentral gelegen ist“, sagte der Erste Bürgermeister. Gespräche gebe es schon mit allen Parteien. Klar sei, dass es die Planungsfreiheit einschränke, wenn die Post in der Güterbahnhofstraße bleibe.
Ein Bürger warf ein, dass eine Veränderung in der Straßennutzung nicht immer auch gleich zu einer Verbesserung des Einzelhandels vor Ort führe. In der Bahnhofstraße habe man trotz Neugestaltung immer noch mit Leerständen und wenig attraktiven Geschäften im Erdgeschoss zu tun. Güthler erklärte, dass die Güterbahnhofstraße wesentlich enger sei, räumte aber auch ein, dass allein eine Aufwertung der Straße nicht gleich dazu führe, dass sich die Angebote vor Ort verbesserten. „Da sind wir alle gefordert, die Angebote vor Ort auch anzunehmen“. Ihm schwebt eine Begegnungsfläche vor.
Jens Bartmann, der ein Fotogeschäft in der Bahnhofstraße betreibt, appellierte an die Verwaltung bei der Planung flexibel zu bleiben. Was heute gelte, sei in zehn oder 15 Jahren schon wieder hinfällig. Bartmann geht von einem weiteren Ladensterben in der Innenstadt aus und dann müsste man alternativen Nutzungen Raum geben.
Feste während der Bauzeit
Aktionen
Weil die Umgestaltung der Bahnhofstraße die Einzelhändler vor Ort arg gebeutelt habe, will die Stadtverwaltung in der Güterbahnhofstraße vieles anders machen während der Bauzeit.
Sonderbudget
Mit einem Sonderbudget sollen währende der Baustellenzeit zum Beispiel rote Teppiche zu den Geschäften ausgelegt werden. Der Bauzaun soll von den Ladeninhabern gestaltet werden können. Auch Rabattaktionen, kostenlose Parkplätze und Feste zur Baustelle sind möglich.
Austausch
Es soll eine Baustellensprechstunde eingerichtet werden. Zudem will die Verwaltung den regelmäßigen Kontakt mit Innenstadtakteuren.