Landwirtschaft im Kreis Beim Futter kann es im Winter eng werden

Von Brunhilde Arnold 

Weniger Gras und Heu, aber eine durchschnittliche Getreideernte ist die Bilanz des Hitzesommers.

Welche Verluste die Landwirte im Kreis  nach diesem sehr heißen und trockenen Sommer einfahren werden, kann vielfach erst in einigen Monaten berechnet werden. Foto: factum/Granville
Welche Verluste die Landwirte im Kreis nach diesem sehr heißen und trockenen Sommer einfahren werden, kann vielfach erst in einigen Monaten berechnet werden. Foto: factum/Granville

Kreis Böblingen - Mein Betrieb ist mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Thomas Haug. Der Landwirt aus Weil der Stadt hat zwar vor allem beim Grünland-Futter deutlich weniger Ertrag gehabt als in normalen Jahren, doch er kann auf Reserven aus dem Vorjahr zurückgreifen. Schon in dieser Woche habe er die Silage abgedeckt, was sonst Ende September geschehe. Noch nie habe er Mais ohne Früchte gesehen, noch nicht einmal im Dürrejahr 2003, in diesem Jahr aber schon, sagt der 36-jährige Landwirtschaftsmeister. Sein persönliches Glück aber sei die Luzerne, eine relativ unempfindliche Futterpflanze, die er anbaut. Die Wurzeln dieser Pflanze gehen tief in den Boden hinein und können so auch Trockenphasen überstehen.

Etwas besser als beim Mais sieht es beim Getreide aus, das auf guten Standorten – sprich dort, wo der Boden das Wasser halten kann – auch gute Ernte gebracht hat. Allerdings sei das Getreide vier bis fünf ­Wochen früher erntereif gewesen als sonst, sagt Thomas Haug. Mit dieser Einschätzung liegt der junge Landwirt auf der Linie dessen, was auch für den Landkreis Böblingen gilt. Andreas Kindler aus Renningen, der langjährige Vorsitzende des Kreisbauernverbands, gab gestern einen Überblick über die aktuelle Situation der Landwirte im Kreis Böblingen nach dem Hitze­sommer 2018, bei dem bis jetzt ergiebige Regenfälle ausblieben. „Wir sind im Durchschnitt noch ganz gut weggekommen“, erklärt Andreas Kindler, der kreisweit rund 800 Mitglieder vertritt. Beim Getreide habe es für viele Landwirte eine fast durchschnittliche ­Ernte gegeben, bis auf diejenigen, die ihre Felder auf schlechten Standorten haben, beispielsweise Flächen rund um Flacht und Weissach und rund um Aidlingen. An manchen Stellen sei dort die Bodenkrume oft nur ein paar Zentimeter stark, sodass sich kaum Wasser halten kann. Während es im Renninger Becken fast nur gute Böden ­gebe, gelte das hingegen auch in Malms­heim und Weil der Stadt nur für etwa die Hälfte der Flächen. „Wir dürfen keinen Mutterboden auf Erddeponien verklappen“, so seine Forderung, „der hat so lange gebraucht, bis er so gut wurde.“

Es geht jetzt schon an die Reserven

Düsterer sieht es hingegen bei den Futterbaubetrieben aus. Da habe es nach dem ersten Schnitt auf dem Grünland Ende Mai häufig nicht mehr für einen zweiten oder gar dritten Schnitt gereicht. Deshalb werde hier beim Ertrag mit Einbußen von rund 40 Prozent gerechnet. Nicht nur die Menge an Gras und Heu, ­sondern auch die Qualität des        Grünland-Futters sei schlechter. Es gebe Milchviehbetriebe, die jetzt schon ihr Winter­futter verfüttern, sagt Andreas Kindler.

Manche Landwirte würden deshalb jetzt bereits Vieh verkaufen, denn mit einem weiteren Anstieg beim Preis für Heu müsse gerechnet werden. Während 100 Kilogramm gewöhnlich etwa 12 Euro kosten, seien das nun schon 20 Euro. „Und das wird im Frühjahr noch teurer werden“, prognostiziert der Verbandvertreter. Der Landesbauernverband hat für die Landwirte eine Internet-Seite eingerichtet, auf der Betriebe Futter anbieten oder suchen können.

Kühe geben weniger Milch

Dass auch die Tiere unter der Hitze leiden, macht sich nicht nur bei der um etwa zehn Prozent zurückgegangenen Milchmenge bemerkbar, sondern auch an kleineren Hühnereiern. Klein bleiben wohl auch die Kartoffeln und das massenweise vorhandene Obst an den Bäumen. Deutlich früher erntereif sind die Kürbisse, die als typische Herbst-Boten gelten und schon längst überall zum Verkauf angeboten werden.

„Für uns im Kreis Böblingen ist ein zu trockenes Jahr besser als ein zu nasses“, resümiert Andreas Kindler. Wenn der Klimawandel anhalte, müsse man auch auf trockenresistente Pflanzen ausweichen. Welche Verluste die Landwirte im Kreis Böblingen nach diesem sehr heißen und trockenen Sommer einfahren werden, kann vielfach erst in einigen Monaten berechnet werden, wenn die Futtervorräte fürs Vieh aufgebraucht sind und noch nichts Neues auf den Feldern wächst. „Für uns Landwirte wäre es wichtig, dass die Preise für unsere Produkte insgesamt deutlich angehoben werden, sodass wir davon leben können“, so der Wunsch des Bauernvertreters.