Kreis Esslingen Die Streuobstwiese als natürliches Kraftwerk

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Das Angebot des Landkreises, den Stücklesbesitzern Sammelplätze für das ihren Streuobstwiesen anfallende Schnittgut anzubieten, ist ein Erfolg. Zuletzt sind 10 000 Kubikmeter Häckselgut zusammengekommen – das erspart der Umwelt eine Million Liter Heizöl.

Da steckt viel Energie drin. Die Obstwiesen liefern mehr als  nur Apfelkuchen und Kirschschnaps. Foto: Horst Rudel Foto:  
Da steckt viel Energie drin. Die Obstwiesen liefern mehr als nur Apfelkuchen und Kirschschnaps. Foto: Horst Rudel

Kreis Esslingen - Der Landkreis Esslingen liegt inmitten des größten zusammenhängenden Streuobstgebiets Europas. Ein 9500 Hektar umfassender Obstwiesengürtel prägt das Landschaftsbild zwischen der Filderebene, der Schwäbischen Alb und der Schurwaldhöhe. Doch das Blütenparadies ist in Gefahr. Eine von der Universität Hohenheim im Auftrag des Umweltministeriums Baden-Württemberg in Auftrag gegebene und jetzt veröffentlichte Studie zeigt, dass im Schnitt der zurückliegenden vier Jahrzehnte jedes Jahr rund 100 000 Streuobstbäume im Land verloren gegangen sind. Derzeit stehen auf den Wiesen in Baden-Württemberg rund 7,1 Millionen Obstbäume – vor zehn Jahren waren es noch 9,3 Millionen.

Dabei liefern die Obstwiesen, ungeachtet ihres ökologischen Wertes für die Tier- und Vogelwelt, dem Menschen mehr als nur Apfelkuchen und Kirschwasser. Sie sind dank des jährlich anfallenden Schnittholzes auch ein nicht zu unterschätzender Energielieferant. Darauf hat jetzt der Landkreis Esslingen hingewiesen und die These mit Zahlen untermauert. Im vergangenen Frühjahr ist an den 30 dezentralen Sammelstellen, die der Landkreis in Kooperationen mit 20 Städten und Gemeinden den Stücklesbesitzern zur Verfügung gestellt hat, so viel Holzschnitt abgelegt worden, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb daraus 10 000 Kubikmeter Holzhackschnitzel herstellen konnte. Mit dem gehäckselten Obstbaumschnitt ist unter anderem der Ofen des Holzheizkraftwerks im Scharnhauser Park befeuert worden. „Durch die Verwertung des Schnittguts sind rund eine Million Liter Heizöl eingespart worden“, sagt Peter Keck, der Sprecher der Kreisverwaltung.

Den Anstoß hat die Europäische Union gegeben

Im Jahr 2011 hatte der Landkreis Esslingen im Rahmen des von der Europäischen Union initiierten Pilotprojektes „Energetische Nutzung von Obstbaumschnittholz“ damit begonnen, dezentrale Sammelstellen für Schnittgut anzubieten. „Das hat den Stücklesbesitzern den häufig langen Weg zur nächsten regulären Grünschnittsammelstelle oder zur Kompostierungsanlage erspart“, sagt Keck. Nach dem zähem Beginn – im ersten Jahr waren an den ersten beiden in Owen eingerichteten Sammelstellen rund 60 Kubikmeter Holz angefallen – zeigt die Kurve beständig nach oben. Fünf Jahre später waren es an mittlerweile 30 Sammelplätzen schon 2000 Kubikmeter. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch das Angebot auch mehr Eigentümer ermutigt werden, ihre Bäume wieder oder weiter zu schneiden“, sagt Keck.

Projekt wird fortgesetzt

Auch in diesem Jahr wird der Landkreis wieder Sammelstellen einrichten. An den Plätzen können Wiesenbewirtschafter vier Wochen lang rund um die Uhr ihr geschnittenes Obstbaumholz abliefern, bevor der Abfallwirtschaftsbetrieb mit dem Häcksler kommt.

Der Landkreis Esslingen hat im Jahr 2011 als erster Landkreis in Baden-Württemberg damit begonnen, temporäre Sammelplätze für Schnittgut auf den Obstwiesen einzurichten. Das Erfolgsmodell ist landesweit von einer Reihe von Städten und Gemeindeverbänden übernommen worden. Unter der Regie eines Landkreises wird die energetische Nutzung von Obstbaumschnittholz nach wie vor nur im Kreis Esslingen praktiziert. In diesem Frühjahr werden den Wiesenbewirtschaftern im Kreis Esslingen in Kooperation mit den Städten und Gemeinden insgesamt 28 eigens ausgewiesene Sammelplätze zur Verfügung gestellt. Nähere Informationen zu den örtlichen Ablageplätzen und den Sammelzeiträumen gibt es auf der interaktiven Kreiskarte. Sie findet sich im Internet auf www.landkreis-esslingen.de, Untermenü Bürgerservice.