Kressart in Stuttgart-Sonnenberg Die Mehrheit will, dass der Asphalt bleibt

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Die Stadt hat zwei Alternativen zum Rückbau des Wegs oberhalb der Kressart-Streuobstwiese in Stuttgart-Sonnenberg vorgestellt. Die CDU konnte sich damit ganz und gar nicht anfreunden und spricht von einer Milchmädchenrechnung.

Um wettzumachen, was der Natur mit der Asphaltierung des oberen Weges genommen worden ist, will das Gartenamt 35 neue Obstbäume pflanzen. Foto: Archiv Frank Eppler
Um wettzumachen, was der Natur mit der Asphaltierung des oberen Weges genommen worden ist, will das Gartenamt 35 neue Obstbäume pflanzen. Foto: Archiv Frank Eppler

Sonnenberg - Es geht um Ökopunkte, und ein Stückweit vielleicht auch ums Prinzip. Fakt ist, dass das Tiefbauamt den Weg oberhalb der Streuobstwiese Kressart 2012 asphaltieren ließ. Der Grund war, dass der Weg als Umleitungsstrecke diente, so lange die Stadt in der Abraham-Wolf-Straße und Im Sonnenbühl neue Kanäle verlegte. Ohne diese Umleitung wären die Anwohner nicht mehr zu ihren Häusern gekommen. Fakt ist aber auch, dass das Umweltamt dieser Umleitung nur unter der Maßgabe zustimmte, dass der Asphalt hinterher wieder rauskommt. So sahen das damals auch der Sonnenberg-Verein und der Möhringer Bezirksbeirat.

In der Zwischenzeit ist gewissermaßen Gras über die Sache gewachsen. Jedenfalls gibt es Stimmen, die dafür sprechen, den asphaltierten Weg zu belassen wie er ist. Es sei so etwa 50 zu 50, meinte die Möhringer Bezirksvorsteherin Evelyn Weis am Mittwochabend im Bezirksbeirat: Die Hälfte derer, die bei ihr anrufen, sei für den Rückbau, die andere Hälfte dagegen.

Die Stadt muss 4427,5 Ökopunkte ausgleichen

Auch die Lokalpolitiker sind sich uneins. Im Dezember 2016 stand das Thema schon einmal auf der Tagesordnung. Damals gab das Gremium der Verwaltung einen Prüfauftrag mit auf den Weg. Die Fachleute sollten Alternativen zum Rückbau vorstellen. Denn Fakt ist wiederum auch, dass wenn der obere Weg bleibt, wie er ist, diese Versiegelung an anderer Stelle ausgeglichen werden muss, indem man der Natur an anderer Stelle wieder was Gutes tut. Darum waren Anja Neupert vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt und Renate Kübler vom Umweltamt am Mittwoch in den Bezirksbeirat gekommen.

Es ist eine mathematische Aufgabe. Der Asphalt auf dem oberen Weg kostet laut einer Verordnung des Landes 4427,5 Ökopunkte. Diese müssen sozusagen bezahlt werden. Variante 1 sieht vor, dass der Asphalt auf einem 50 Zentimeter breiten Streifen entlang des oberen Weges wieder raus kommt. Der Weg unterhalb der Streuobstwiese wird ebenfalls entsiegelt. Entlang des Waldrandes wird eine sogenannte Saumvegetation angelegt. Zudem pflanzt das Gartenamt drei Bäume. Variante 2 unterscheidet sich von Variante 1 lediglich darin, dass der obere Weg bleibt, wie er ist und darum 35 neue Bäume gepflanzt werden.

Die Unterhaltung des Weges kostete 2500 Euro jährlich

Neupert schlug vor, dass die Azubis des Gartenamts den unteren Weg entsiegeln. Dann würden für die Stadt lediglich die Materialkosten in Höhe von etwa 7000 Euro anfallen. Dem gegenüber stehe eine Ersparnis von etwa 2500 Euro jährlich. Denn so viel habe die Unterhaltung des oberen Weges im Durchschnitt pro Jahr gekostet. Das ist auch der Grund dafür, weshalb das Gartenamt Interesse daran hat, den asphaltierten Weg zu belassen. „Weil einige Abschnitte sehr steil sind, hatten wir dort immer wieder Probleme mit Ausspülungen“, sagte Neupert. Der Weg sei dann schwer begehbar gewesen und es habe immer viele Beschwerden gegeben.

Die CDU konnte sich mit den Alternativen zu einem Rückbau aber dennoch nicht anfreunden. Fred Wagner warf der Verwaltung vor, sie habe nie vorgehabt, den Weg wieder zurückzubauen. Er sprach von einer Milchmädchenrechnung und betonte, dass der Bezirksbeirat der Umleitungsstrecke nur unter der Maßgabe zugestimmt habe, dass der Asphalt hinterher wieder rauskommt. „Unsere Meinung von damals werden wir nun nicht wieder abändern“, sagte Fred Wagner.

Die Mehrheit des Gremiums sah es jedoch anders. Axel Brodbeck (Freie Wähler) konterte umgehend. Er dankte Neupert und Kübler für „die vollumfängliche Information“ und fragte, welche Variante sie bevorzugen würden. Beide Expertinnen sprachen sich für die Variante 2 aus. Denn die 35 Bäume hätten langfristig einen höheren Nutzen als ein um einen halben Meter schmalerer Asphaltweg.

Die Fachverwaltung bevorzugt die Variante 2

Hartmut Ellinger (Grüne) sagte in Richtung CDU: „Ein einmal gefasster Beschluss bedeutet ja nicht, dass man sich das Denken abgewöhnen muss.“ Zumindest ein Teil des Gremiums sei der Meinung gewesen, dass eine Alternative zu dem ursprünglich geplanten Rückbau sinnvoll sein könnte. Folglich lehnte es die Mehrheit der Mitglieder ab, den Beschluss des Bezirksbeirats vom Oktober 2011 zu bekräftigen und auf einen vollständigen Rückbau des oberen Weges zu bestehen. Lediglich die fünf CDU-Mitglieder stimmten dafür. Dem Antrag, die vom Gartenamt vorgeschlagene Variante 2 umzusetzen, folgten die Bezirksbeiräte mehrheitlich. Lediglich die CDU stimmte dagegen.

Ein positiver Nebeneffekt könnte sein, dass künftig weniger Autofahrer den unteren Feldweg als Abkürzung nutzen, um von der Sonnenbergklinik über die Betzengaiern in Richtung Sonnenberg zu kommen. Denn ohne Asphalt würde es dort deutlich mehr holpern. Das war zumindest die Hoffnung einiger Bezirksbeiräte.

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