Krippen aus Waiblingen Wie ein Wurzelstock zum Stall wird

Jede Krippenfigur entsteht in Handarbeit. Zehn bis 15 Stunden benötigt Franz Wimmer jeweils. Foto: Gottfried Stoppel

Der Schreinermeister Franz Wimmer hat ein kreatives Hobby: Er baut Krippen. Als Behausung für die Heilige Familie nimmt er Waiblinger Wurzeln und Rinden. Die Figuren sind aus Ton – und wer genau hinsieht, kann auch mal Prominente erkennen.

Waiblingen - Für den Waiblinger Franz Wimmer ist eigentlich das ganze Jahr Weihnachten. Er baut Krippen. Aus Wurzelstöcken, Holzscheiten und Rinde gestaltet er Ställe, in denen die Heilige Familie Unterschlupf findet. Aus Ton formt er die Figuren. Er ist ein detailverliebter Autodidakt, genauer Beobachter und aufmerksamer Spaziergänger. In der Natur findet er Anregungen und auch das Material. „Ein Stück Holz in die Hand zu nehmen, es zu betrachten und es zu gestalten, ist für mich wunderbar.“

 

Die Krippen von Franz Wimmer sind ausdrucksstarke Kunstwerke. Jede ist ein Unikat, handmodelliert. In seinem Wohnzimmer stehen aktuell zwei. Die ganz große Krippe habe er dieses Jahr nicht aufgebaut,sagt er und zeigt auf eine kleinere auf dem Fenstersims und die andere, etwa zwei Meter lang, die das Esszimmer dominiert.

Jede Figur bekommt eine fortlaufende Nummer

Ein ganz eigenwilliger Wurzelstock wurde zum Stall, die Figuren und Schafe sind aus Ton, bemalt, glasiert und ganz fein bis in die Gesichtszüge, die Gestik und den Faltenwurf ihrer Kleider ausgearbeitet. Mit Moos ist die Landschaft modelliert. Bis zu 25 Zentimeter groß sind die Figuren. Franz Wimmer nimmt eine in die Hand, einen König. „Zehn bis 15 Stunden brauche ich für eine Figur“, sagt er. Viel Zeit, wenn man bedenkt, dass jede Krippe mindestens drei Figuren hat, es aber auch Exemplare mit mehreren Dutzend gibt. Bereits 575 Krippenfiguren hat er geschaffen. Wimmer weiß das genau, weil er jeder Figur in den Fuß eine Nummer einritzt.

Bei der „Waiblinger Krippe“, die er 2019 fertiggestellt hat und für die er den Fachwerkbau der Remise in der Talaue als Stall nachgebaut hat, sind es 26 Figuren. Teilweise bekannte Persönlichkeiten: Man erkennt den katholischen Stadtpfarrer von Waiblingen, Franz Klappenecker, Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und auch Franz Wimmers Hausarzt. „Bei allen habe ich vorher die Genehmigung eingeholt“, sagt Wimmer und zeigt auf einen Brief mit der Einwilligung von Kretschmann. „OB Hesky hat seine Figur sogar gekauft.“

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Mit Holz umzugehen hat den 82-Jährigen schon in früher Jugend begeistert. In seiner Heimat und in seiner Familie – „ein Onkel von mir hat geschnitzt“ – spielt Holz eine wichtige Rolle, die Bearbeitung in vielen unterschiedlichen Formen hat Tradition. Franz Wimmer ist gebürtiger Niederösterreicher, er lebt seit 1963 in Waiblingen. Der Vater von zwei Kindern hat Schreiner gelernt, den Meister gemacht und später auf Einrichtungsberater umgesattelt.

Die Handarbeit mit Holz hat er zu seinem Hobby gemacht. Eine kleine Ecke im Keller, die Arbeitsfläche etwa einen auf einen Meter groß, genügt ihm für sein kreatives Werkeln. Früher habe er viel geschnitzt, auch Madonnenfiguren. An einer Krippe aus Wachs hat er gar 30 Jahre gearbeitet. Dass die Figuren mittlerweile aus Ton sind, hat er einem Zufall und der Begegnung mit Lydia Höck zu verdanken. Regelmäßig stellte Franz Wimmer seine Krippen aus. Lydia Höck hat als Keramikkünstlerin eine dieser Ausstellungen besucht und Wimmer animiert, überredet und dann auch unterrichtet, mit Ton zu arbeiten. Inzwischen gibt Franz Wimmer selbst Ton-Kurse an der Volkshochschule. Und er fertigt nicht nur Krippenfiguren, sondern auch Clowns, vollständige Trachtenkapellen und auch Auftragsarbeiten. So hat er zum Geburtstag eines Handwerkers ihn selbst bei der Ausübung seiner Arbeit dargestellt.

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Seit 2004 ist Franz Wimmer in Ruhestand, sein Hobby pflegt er weiter. Er zeigt seine Arbeiten regelmäßig. Zum ersten Mal hat er 2009 im Schlosskeller in Waiblingen Krippen ausgestellt, später im Rathaus in Winnenden, in der Antoniuskirche in Waiblingen und im ökumenischen Gemeindezentrum auf der Korber Höhe sogar dreimal. Die Liste ist lang. In diesem Jahr gibt es allerdings keine öffentliche Schau, coronabedingt.

Aber ganz im Verborgenen bleiben seine Krippen dennoch nicht. In zwei Geschäften in Waiblingen stehen mehrere Exemplare im Schaufenster und zum Verkauf. Vorige Woche habe er eine Krippe nach Fellbach verkauft, erzählt er. Sich von seinen Werken zu trennen falle ihm nicht schwer. Im Gegenteil – er freut sich.

Franz Wimmer ist ein gläubiger Mensch. Ganz besonders hat es deshalb ihn und seine Frau Herta, die das Hobby ihres Mannes mit viel Stolz begleitet, gefreut, dass selbst Papst Franziskus von dem Waiblinger Krippenbauer und seinem Talent erfahren hat. Die große „Waiblinger Krippe“ hatte es bei einer weltweiten Klassifizierung unter die schönsten Exemplare geschafft. Franz Wimmer war selbst überrascht, als er über Facebook davon erfuhr und sah, wie dem Papst auf einem Tablet-Computer ein Foto seiner Krippe gezeigt wurde.

Alle Werke sind in Fotobüchern festgehalten

Von seinen kreativen Arbeiten macht er viele Fotos und auch Fotobücher, mit erklärendem Text. Sie stehen in Reih und Glied im Regal. Wenn er darin blättert, dann werden Erinnerungen wach. Jede Krippe hat eine Geschichte. Normalerweise würde er die jetzt vor Weihnachten in einer Ausstellung davon erzählen und sich mit den Besuchern unterhalten. „Das war immer sehr schön“, sagt Ehefrau Herta. Es habe immer interessante und schöne Begegnungen gegeben. Franz Wimmer nickt. „Wir hoffen, dass dies nächstes Jahr wieder möglich ist.“ Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

„Da ich in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen bin, wo Tradition gelebt und gepflegt wurde, ist für mich Weihnachten ohne Krippe nicht denkbar und in meiner eigenen Familie bis heute unverzichtbar“, sagt Franz Wimmer.

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