Krise in der Kreis-SPD Abrechnung statt Rechenschaftsbericht

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Kampflos überlässt der SPD-Vorsitzende im Kreis Ludwigsburg, Thorsten Majer, seinem Herausforderer Lars Barteit das Feld. Kämpferisch gibt sich Majer gleichwohl: seine Abschiedsrede zeugt von großen Verletzungen und legt tiefe Gräben innerhalb der Partei offen.

Sitzung ohne Vorsitz: Macit Karaahmetoglu, Lars Barteit und  Thomas Utz sind erstaunt über Thorsten Majers Abgang. Foto:  
Sitzung ohne Vorsitz: Macit Karaahmetoglu, Lars Barteit und Thomas Utz sind erstaunt über Thorsten Majers Abgang. Foto:  

Kornwestheim - Eklat bei der Delegiertenversammlung der Sozialdemokraten in Kornwestheim: Der Kreisvorsitzende Thorsten Majer machte seinen Rechenschaftsbericht gegenüber den 100 Parteimitgliedern im Kornwestheimer Johannes-Gemeindehaus zu einer heftigen Abrechnung mit seinen Kritikern. Die geplante Kampfkandidatur gegen seinen Herausforderer Lars Barteit als SPD-Chef entfiel. Nach seiner Rede packte Majer seine Sachen und verließ zum Erstaunen seiner Parteigenossen den Saal. Er wolle „dem restlichen Spektakel heute nicht mehr beiwohnen“, sagte er.

Der Ingersheimer Gemeinde- und Kreisrat Thorsten Majer hatte zuvor bekanntgegeben, dass er seinem vier Jahre älteren Herausforderer Barteit (40) das Feld überlasse. Nicht, weil er Angst habe, die Wahl gegen ihn zu verlieren: „Dafür hätte man schon jemand anderen gegen mich vorschicken müssen.“ Dass Majer von „vorschicken“ sprach, ist wohl kein Zufall. Er dürfte hinter der Kandidatur des Eberdingers Bar­teit mit seinem „vor Selbstherrlichkeit und Unwahrheiten strotzenden“ Herausforderungsschreiben den Ditzinger Genossen Macit Karaahmetoglu vermuten. Diesen hatte Majer im vergangenen Jahr brüskiert, weil er im Kampf um einen aussichtsreichen Listenplatz beim Landesparteitag gegen ihn angetreten war.

Parteibuch statt Qualifikation?

Auch der im Saal anwesende SPD-Landtagsfraktionschef geriet ins Visier des zornigen Kreisvorsitzenden. Er habe bei der Debatte über Stuttgart 21 „auch einem Claus Schmiedel mal sagen müssen, was geht und was nicht“, sagte Majer. Er könne einer „erneuten Kandidatur Schmiedels nichts abgewinnen“. Seine internen Kritiker („die dunkle Seite der Macht“) hätten vorab bei Delegierten angerufen, „um mich persönlich schlechtzumachen“. Und Lars Barteit verdanke seinen Job im SPD-geführten Kultusministerium „mehr seinem Parteibuch als seiner Qualifikation“.

Nachdem Majer den Saal verlassen hatte, geriet die Wahl zum neuen Chef des Ludwigsburger SPD-Kreisverbands – mit rund 1600 Mitgliedern einer der großen im Land – zum Solo für Barteit. Dieser reagierte mit keinem Wort auf Majers Vorwürfe und spulte stattdessen sein vorbereitetes Bewerbungsprogramm ab. Macit Karaahmetoglu leistete ihm bei der Wahl ungewöhnliche Schützenhilfe: Noch während die Stimmzettel ausgefüllt wurden, schwor der Ditzinger die Genossen darauf ein, für Barteit zu stimmen. Damit biete sich „die Gelegenheit für einen guten Neubeginn“. Es half offenbar nur bedingt. Nur 63 der 100 anwesenden Delegierten stimmten letztlich für Lars Barteit.

Schelte von Vorgänger Stehmer

Der Ex-Kreisvorsitzende und Ex-Landtagsabgeordnete Wolfgang Stehmer ging mit Thorsten Majer scharf ins Gericht. Die Aussage, dass Schmiedel nicht mehr antreten solle, sei schlicht „unverschämt“ und treibe „einen Keil mitten durch das Herz des Kreisverbands“. Letztlich helfe es „nur dem politischen Gegner, wenn der Kreisvorsitzende hier alles in den Dreck zieht“, polterte Stehmer. „Nur gemeinsam sind wir stark, merkt euch das!“

Zum Eindruck einer gespaltenen Kreis-SPD trug auch das Wahlergebnis des Ex-Vorsitzenden Thorsten Majer bei. Mit 33 Stimmen wurde er als 14. von 14 Delegierten für den Landesparteitag gewählt – trotz seiner Abwesenheit.