Künstliche Intelligenz in Esslingen Wenn der neue Kollege ein Roboter ist

Natürliche Intelligenz für Künstliche Intelligenz: Oliver Dürr, Dorothea Brauner und Christian Cseh (von links) von „Analyz-ES“. Foto: Ines Rudel

Angst vor Künstlicher Intelligenz? Die Hochschule Esslingen will sie nehmen und bietet Beratungen an. Auch kleine und mittelständische Unternehmen können nach Ansicht der Wissenschaftler von den Vorteilen profitieren.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Manche mögen’s analog. „Kennst du schon Analyz-ES, das Labor für Künstliche Intelligenz?“, steht in schwarzen und roten Lettern auf dem weißen Brett im Flur von Gebäude zwei der Hochschule Esslingen am Campus Flandernstraße. Nostalgisch-altmodisch geht es auch. Werbung auf die herkömmliche Art abseits der sozialen Medien kann ebenfalls wirken. Dabei setzen sich die Macher von „Analyz-ES“ eigentlich für hochmoderne Forschung ein. Das achtköpfige Team an der Fakultät „Wirtschaft und Technik“ unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen beim Einsatz, der Nutzung und der Einbindung von Künstlicher Intelligenz (KI). Das geschieht durch Workshops, kostenlose Beratungen und eine Vortragsreihe, die am Donnerstag, 13. Oktober, startet.

 

Einsatzfelder gibt es viele. Künstliche Intelligenz kann auch beim Marketing helfen. Professorin Dorothea Brauner von „Analyz-ES“ nennt ein Beispiel: In einer Woche hat ein Kunde drei Bestellungen aufgegeben. In den darauffolgenden Tagen waren es noch zwei. Dann kam monatelang nichts mehr. Künstliche Intelligenz, so erläutert die Betriebswirtin, kann herausfiltern und anzeigen, dass dieser zuvor so treue Kunde plötzlich abgesprungen ist. Und KI kann darauf reagieren und dem scheinbar Abtrünnigen ein besonderes Angebot zukommen lassen. Künstliche Intelligenz biete der Wirtschaft viele Chancen. Doch leider haben laut der Professorin gerade kleine und mittelständische Unternehmen Berührungsängste, sind unsicher, befürchten fehlendes Know-how oder wissen nicht, ob und wie sie KI betriebsintern nutzen könnten. Hier möchte „Analyz-ES“ ansetzen. Seit April 2020 organisiert das Team Vorträge, Workshops, individuelle Beratungen, vermittelt Studierende in Bachelor- und Masterarbeiten mit entsprechenden Themenstellungen und macht Networking mit den anderen 18 KI-Laboren in Baden-Württemberg. Oberstes Ziel ist dabei laut Professor Oliver Dürr von „Analyz-ES“ immer, lokalen Unternehmen bei KI auf die Sprünge zu helfen.

Denn Künstliche Intelligenz hilft beim Sparen. Viele Betriebe haben teure, hochkomplexe Maschinen im Einsatz. KI könnte laut Dorothea Brauner nun mit Hilfe von Produktionsdaten der letzten Monate ermitteln, wann bei einem der Geräte eine Reparatur anstehen könnte. Durch ein solches Wissen könnte das Bedienungspersonal vorausschauend eine Wartung vornehmen, bald schadhaft werdende Teile austauschen oder alternative Erzeugungsmethoden ermitteln. Künstliche Intelligenz könnte so die Produktionsbedingungen entscheidend verbessern, erklärt Dorothea Brauner.

„Analyz-ES“ möchte diese Vorteile von KI darlegen. In der ersten Phase von April 2020 bis Ende 2021, so ergänzt Oliver Dürr, hatte das baden-württembergische Wirtschaftsministerium das Projekt mit 70 000 Euro unterstützt. In zehn Online-Vorträgen waren insgesamt mehr als 500 Teilnehmende über Themen rund um das Thema KI aufgeklärt worden, vier Workshops für Unternehmen waren durchgeführt worden, und 17 Betriebe waren während der ersten Tranche beraten worden. Für jeden Interessenten werde eine für ihn passende Lösung gesucht. Mittelständische Betriebe, so definiert Christian Cseh vom Team, sind Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden und bis zu 500 Millionen Umsatz im Jahr.

KI ist ein produktiver Kollege in Betriebsabläufen. Sie kann etwa bei Kundenpflege und im Servicebereich zum Einsatz kommen. Dorothea Brauner nennt ein weiteres Beispiel: Das Besteller-Profil einer Kundin ist eindeutig. Sie hat sich bisher nur für einen bestimmten Produktbereich interessiert. KI stellt diesen Bezug zwischen Kundin und gekaufter Ware fest und schickt ihr selbstständig ein Angebot aus ihrem Favoritenpool zu. „Wer also ein Brecheisen bestellt hat, bekommt eine Offerte für Sturmhauben“, witzelt Oliver Dürr. Ernster geworden weist er auf die weiteren Vorhaben von „Analyz-ES“ hin. Im Sommer habe das Stuttgarter Wirtschaftsministerium weitere Förderungsgelder in Höhe von 190 000 Euro für zweieinhalb Jahre bewilligt. Diese Summe möchte „Analyz-ES“ produktiv einsetzen. Eine weitere Vortragsreihe mit Start am Mittwoch, 13. Oktober, ist geplant. Außerdem stehen Workshops, eine große KI-Konferenz 2024 und die Einbindung der Studierenden in die Forschungsarbeit auf dem Programm. Durch eine Art Wettbewerb sollen die jungen Erwachsenen für die Thematik begeistert werden. Sie bekommen eine Aufgabe gestellt, die sie innerhalb einer bestimmten Zeit lösen müssen. Preisgelder und Notengebung sollen den Anreiz noch erhöhen. Außerdem starten zum Wintersemester 2023/24 mit dem Digital Business Bachelor und dem Digital Engineering Bachelor zwei neue Studiengänge. Werbung dafür wird auf allen virtuellen Kanälen gemacht.

Analog geht es aber auch. Etwa mit einem Spruch am dem weißen Brett im Flur der Hochschule: „Analyz-ES bietet Abschlussarbeiten, KI-Vorträge, Programme.“

Künstliche Intelligenz an der Hochschule Esslingen

Team
Zum „Analyz-ES“-Team gehören die Professoren Dorothea Brauner, Oliver Dürr, Christian Cseh und Jürgen van der List sowie zwei studentische Hilfskräfte, ein wissenschaftlicher und ein organisatorischer Mitarbeitender.

Vorträge
Das Vortragsprogramm beginnt am Donnerstag, 13. Oktober, um 17.30 Uhr mit der Online-Veranstaltung zum Thema Neuronale Netze. In den Folgemonaten bis Februar stehen weitere Referate an.

Kontakt
Das „Analyz-ES“-Team bietet einen Newsletter, das Vortragsprogramm, kostenlose Beratungen für Unternehmen, Informationen auf Facebook, Instagram und Linkedin an. Infos stehen unter www.analyz-es.de . Eine Kontaktaufnahme ist unter info@analyz-es.de möglich.

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