Kürbisregatta in Ludwigsburg Im Kürbis-Cockpit durchs Blühende Barock
Bevor am Wochenende in Ludwigsburg die 18. Kürbisregatta beginnt, muss noch eine Frage geklärt werden: Wie gut paddelt es sich eigentlich in einem ausgehöhlten Kürbis?
Bevor am Wochenende in Ludwigsburg die 18. Kürbisregatta beginnt, muss noch eine Frage geklärt werden: Wie gut paddelt es sich eigentlich in einem ausgehöhlten Kürbis?
Dass ich ausgerechnet an Thomas Gottschalk denken muss, als ich mich in dem riesigen, ausgehöhlten Kürbis vom Steg abstoße, überrascht mich dann doch. Denn eigentlich ist die Szenerie an sich schon absurd genug.
Ich halte ein Paddel in den Händen und schippere auf dem See im Südgarten des Blühenden Barock. Der ist normalerweise Teil der Gartenanlage vor dem Ludwigsburger Residenzschloss und ganz sicher keine Sportstätte. Und noch mal: Ich hocke nicht in einem Kajak, sondern in einem Kürbis, der eigens dafür ausgehöhlt wurde. Als noch viel bizarrer empfinde ich allerdings, dass niemand mich schief anschaut. In den Gesichtern der vorbeikommenden Blüba-Besucher ist von der erwarteten Irritation nichts zu sehen. Ich bin nicht die Lachnummer der Nation, sondern der Protagonist mehrerer Handy-Videos.
Vermutlich liegt das daran, dass Kürbispaddeln in Ludwigsburg eben doch gar nicht so außergewöhnlich ist. Schließlich findet am Wochenende schon zum 18. Mal die Kürbisregatta statt, bei der die Teilnehmenden um die Wette rudern und bis zu 300 Euro Preisgeld absahnen können. Und es ist auch nicht völlig aus der Luft gegriffen, dass mir im Kürbis Thomas Gottschalk durch den Kopf schießt. Denn der See, auf dem ich heute amateurhaft herumpaddele, war 2007 Austragungsort einer „Wetten dass“-Außenwette.
Kürbispilot war damals Mathias Gerber. Fünf Minuten hatte er Zeit, gemeinsam mit seinem Wettpartner einen Riesenkürbis auszuhöhlen und damit durch den See zu pflügen. Er unterbot das Zeitlimit um fast eine Minute und machte damit auch seine Wettpatin Alice Schwarzer froh, die auf ihn gesetzt hatte. Von Gerber habe ich mir vor meiner Jungfernfahrt Ratschläge für einen sicheren Verlauf geholt. Auf den Knien soll ich paddeln, sagt er, auf gleichmäßige Schläge achten. „Eigentlich kann gar nicht so viel passieren“, so der Experte.
Trotzdem habe ich ganz schön wacklige Knie, als ich vom Steg in mein Boot klettere. „Geben Sie mir den Schnelleren“, habe ich noch großmäulig gescherzt, als mich die Helfer zwischen zwei Kürbissen – einem gelben und einem orangenen – haben wählen lassen. Offenbar ist der klassisch orangene das Sportwagen-Modell. Jedenfalls steige ich in dieses Exemplar und setze mich sogleich mit dem Horror-Szenario auseinander, das mir seit Tagen durch den Kopf spukt: Was, wenn ich direkt beim Einstieg den Abflug mache und kopfüber im See lande?
Zum Glück ist Steffen Seeberger von der DLRG da und hält meinen Kürbis fest. Beim Anblick des DLRG-Manns fährt mir zunächst allerdings der Schreck in die Glieder: Er steht in voller Rettungsschwimmermontur im Wasser, hat sogar einen Helm auf. Was für schlimme Dinge passieren hier, dass ein solches Outfit nötig ist? Seeberger beruhigt mich, Vorschrift sei eben Vorschrift.
Irgendwo zwischen meinen Gottschalk-Gedanken und Rettungsmanöver-Befürchtungen paddele ich dann einfach los. Und es funktioniert überraschend gut. Der Kürbis ist breit genug, um die nötige Stabilität zu bieten, und mein Oberkörper ragt für kräftige Paddelschläge weit genug heraus.
Ein bisschen schlonzig fühlt sich mein Gemüse-Cockpit zwar noch an, aber immerhin liegt auf dem Boden eine blaue Plastikplane. Dadurch knie ich nicht im Fruchtfleisch und meine Kleidung trägt keine bleibenden Kürbisspuren davon. Ich kann mich also voll auf Gerbers Tipps konzentrieren und komme recht gut voran. Es macht sogar richtig Spaß.
Heikel wird es nur dann, wenn ich leicht abtreibe und mich mit dem Paddel abstoßen muss, um nicht gegen den Rand zu prallen. Aber ins Schwanken gerate ich selbst dadurch nicht. Mein Kürbis läuft auch nicht mit Wasser voll. „Das passiert manchmal, wenn man zu viel Rücklage hat“, erklärt Seeberger, der während der gesamten Fahrt hinter mir herwatet. 70 Meter ist die Rennstrecke am Wochenende lang, jeweils eine halbe Runde im Kreis. Der Streckenrekord liegt bei 52 Sekunden. Davon bin ich meilenweit entfernt.
Aber ich bin ja auch nicht hier, um Titel abzuräumen. Anspruchsvoll ist die Strecke trotzdem, der Kürbis wiegt selbst im ausgehöhlten Zustand noch etwa 100 Kilo. Dadurch geht die Paddelei ordentlich auf die Arme. Zum Schluss ziehe ich noch mal das Tempo an, und nach diesem Spurt ist es tatsächlich geschafft. Eine Runde im Südgarten-See. Im Kürbis. Und das nicht einmal mit Hängen und Würgen. Ich habe richtig Gefallen gefunden am Kürbispaddeln.
Um Wettkampftauglichkeit zu erreichen, bräuchte es wahrscheinlich noch ein paar Übungsfahrten. Es bleibt mir ein kleines Rätsel, wieso ich immer wieder mit dem Beckenrand Bekanntschaft gemacht habe. Aber in erster Linie bin ich erleichtert, dass ich meine mitgemachte Wechselkleidung nicht brauche, ich bin kaum nass geworden. Auch Steffen Seeberger ist zufrieden mit meiner Performance. „Sie könnten sich das mit dem Rennen echt überlegen“, sagt er. Ich winke ab, will die Erinnerung an mein Kürbis-Debüt nicht zerstören.
Übrigens: Zwar hat auch Mathias Gerber seine Kürbisfahrt 2007 erfolgreich gemeistert, Wettkönig ist er trotzdem nicht geworden. Er verlor gegen einen Mann, der versuchte, schneller als sein Hund einen Napf voll Wasser leerzuschlabbern. „Hat er natürlich nicht geschafft, aber Hundewetten ziehen eben immer“, sagt Gerber heute. Als ich erfolgreich aus meinem Kürbis herausgeklettert bin, überlege ich: Wo kriege ich auf die Schnelle einen Hundenapf her?
Wettbewerb
Die knapp 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer treten am Samstag von 12 Uhr bis 16 Uhr gegeneinander an. Sie starten immer zu zweit von den gegenüberliegenden Seiten. Die acht zeitschnellsten Männer und Frauen kommen ins Finale am Sonntag (ebenfalls 12 bis 16 Uhr). Dort greifen auch die Vorjahressieger ein. Nach einer Platzierungsrunde fürs Achtelfinale treten die Kanuten im KO-Modus gegeneinander an.
Preisgeld
Bis zum vierten Platz gibt es Siegprämien, die Sieger erhalten jeweils 200 Euro. Wer im eigenen Kürbis antritt, kann sogar 300 Euro absahnen.