Kultdiscothek in Ludwigsburg Rockfabrik verkauft ihr Interieur

Von Michael Bosch 

Teile des Innenlebens der Ludwigsburger Institution werden verkauft – und die Fans stehen bereits Schlange. Das Herz einer jeden Discothek behalten die Rofa-Verantwortlichen aber für die Zukunft. Ein möglicher Standort ist allerdings vom Tisch.

Zu verkaufen: Skurrile Objekte, wie diese Maske, hängen in der Rofa. Foto: factum/Jürgen B/ach 8 Bilder
Zu verkaufen: Skurrile Objekte, wie diese Maske, hängen in der Rofa. Foto: factum/Jürgen B/ach

Ludwigsburg - Es ist schwer vorstellbar, wie viele hunderte Liter Bier und Schnaps im Laufe von über drei Jahrzehnten über die Barhocker und Sofas in der Ludwigsburger Rockfabrik geflossen sein müssen. Noch schwerer vorstellbar, dass jemand auf dem – im wahrsten Sinne des Wortes – durchgerockten Mobiliar auch daheim sitzen möchte. Doch die Liebe der Metaller und Fans zur Kultdiscothek scheint grenzenlos.

„Ich habe schon dutzende Anfragen von Leuten, die irgendetwas haben wollen“, sagt Johannes Rossbacher, einer der drei Geschäftsführer. Mit irgendetwas meint er Teile des Interieurs. Sofas, Bierkrüge, Bilder – aber auch Stücke, wie ein Spinnennetz aus Eisenstangen. Die teilweise auch ungewöhnlichen Wünsche will und kann Rossbacher den Menschen, die dem Club, der aller Voraussicht nach Ende des Jahres seine Pforten schließen muss, über Jahre die Treue gehalten haben, nicht verwehren. Deshalb veranstaltet er in der Rockfabrik im Ludwigsburger Westen am Samstag, 11. Januar 2020, einen Räumungsverkauf.

Hat es sich endgültig ausgerockt?

„Alles muss raus“, heißt es auf einem Ankündigungsplakat, auch wenn das nicht zu einhundert Prozent stimmt. Die Flipper- und Dartautomaten zum Beispiel gehören einer Fremdfirma, die sie in der Rockfabrik aufstellen durfte. Wer gerne die riesige Maske, mit den Monitoraugen möchte, sollte lieber Verstärkung mitbringen, rät Rossbacher. Denn von der Wand schrauben müsse man sie selbst. Verkäuflich aber ist sie. „Alles Verhandlungsbasis“. Nur die wenigsten Dinge, Massenware wie Bierkrüge, werden vor dem Verkauf mit Preisschildern versehen. Es darf also gefeilscht werden. Die Musik- und Lichtanlage, quasi das Herz einer jeden Discothek, behalten Rossbacher und Co. Für sie gibt es einen Lagerplatz, für die vielen kleinen Teile aber nicht. Die Platzfrage sei der Hauptgrund für den Räumungsverkauf gewesen, sagt Johannes Rossbacher.

Aus unserem Plus-Angebot: Bald gehen die Lichter in der Rofa aus – für immer?

Die Frage, die sich nach der Entscheidung zum wiederholten Male stellt: Hat es sich nun endgültig ausgerockt? Denn nach dem Flohmarkt dürfte es ziemlich karg in der ehemaligen Kühlschrankfabrik aussehen. Die Frage nach dem endgültigen Aus verneint Rossbacher. Er wartet auf die vier alternativen Standorte, die die Stadt ihm vorschlagen möchte. Mitte Dezember soll das passieren. Erst dann zu überlegen, was man mit „dem ganzen Zeug“, machen wolle, sei zu spät, so Rossbacher. Falls es tatsächlich zur Einigung zwischen Stadt und Rofa-Betreibern kommen sollte, werde es eine halbjährige Übergangsfrist auf dem alten Areal geben, um den Umzug zu organisieren, hat zumindest Oberbürgermeister Matthias Knecht versprochen. Vom Unternehmer Max Maier, dem das Gelände gehört, sei das aber nie dokumentiert worden, so Rossbacher. Und deshalb wolle er sich nicht darauf verlassen.

Aus Kornwestheim wird nichts

Gewissheit haben Rossbacher und Co. indes in einer anderen Sache: Der neue Rocktempel wird zumindest nicht in Kornwestheim eröffnet. Dort hatten die Verantwortlichen bis zuletzt das Areal eines großen Getränkehandels, auf dem bereits eine Discothek beheimatet ist, ins Auge gefasst. „Sie haben uns aber inzwischen abgesagt“, so Rossbacher.