Calwerstraße in Stuttgart Das hat es mit Stuttgarts erstem Kunstautomaten auf sich

Von Martin Haar 

Ein Co-Produktion der Stuttgarter Künstlerin Oda und der Galeristin Dagmar K. Schill zwingt die Comic-Figur Pea (engl. Erbse) in einen Kunstautomaten in der Calwerstraße. „Von dort will Pea nun befreit werden“, sagt Oda, „und per Postkarte bei einem lieben Menschen oder als Figur unter dem Weihnachtsbaum landen.“

Künstlerin Oda (li.) und Galeristin Dagmar K. Schill am Kunstautomat Foto: Axel Schulz
Künstlerin Oda (li.) und Galeristin Dagmar K. Schill am Kunstautomat Foto: Axel Schulz

Stuttgart - Von nun an wird es schräg. Das Geradlinige hat Urlaub bis nach Weihnachten. Denn für das ungewöhnliche Weihnachtsgeschenk Kunst in einen Automaten zu zwängen ist nun mal schräg. Die Idee dazu hatte unlängst Dagmar K. Schill, die vor ihrem Kunsthaus in der Calwer Straße den ersten und einzigen Kunstautomaten der Stadt aufgestellt hat.

Kleinkunst zum Mitnehmen als Geschenk an andere oder an sich selbst: Was der Galeristin Dagmar K. Schill an der Ursprungsidee noch nicht gefiel, war das Austauschbare der Kunstobjekte. Sie wollte – ganz der exklusiven Sache entsprechend – etwas Einzigartiges, am Besten von einem Künstler oder einer Künstlerin, die aus Stuttgart oder der Region kommt.

Das Schicksal führte sie zu Oda – ein wasserstoffblondiertes Energiebündel, das an der Stuttgarter Kunstakademie studierte und für diese Ausdrucksform sofort zu haben war. So antwortete Oda auf die Anfrage von Dagmar K. Schill mit den Worten: „Wow. Das wird der krasseste Automat seit der Erfindung der Waschmaschine. Die Leute werden aufhören zu shoppen und nur noch Kunst kaufen.“

Pea lügt nie

Die Kunst(figur), um die es im Kunstautomaten geht, nennt sich Pea, auf Deutsch übersetzt Erbse. Die kleine Pea erfüllt genau das, was jede gute Comicfigur erfüllen muss: Sie lädt zum Träumen, Lachen, Schimpfen und Lieben ein. Pea nimmt ihr jeweiliges Alter Ego mit auf Reisen – in ihre innere Welt, aber auch in die ferne Außenwelt. Oda sagt dazu: „Manchmal ist Pea Gemüse ad absurdum.“ Genau das liebt Dagmar K. Schill, die der Zusammenarbeit mit Oda eine geerdete Struktur gegeben hat, die sich auch verkaufen lässt.

Herausgekommen sind Pea-Figuren in handlicher Größe und Comics im Postkartenformat, die zusammen mit einem Bleistift und aufgeklebter Briefmarke aus dem Automaten befreit werden wollen. „Ich finde das nicht nur schön, sondern auch sehr pragmatisch“, sagt Dagmar K. Schill. Oda bewundert die Kunsthändlerin für diese besondere Verbindung zwischen Kunst und Geschäft: „Sie ist tipptop. Sie verkauft Kunst, weil sie sie liebt. Das ist ungewöhnlich in der Szene. Normalerweise verkaufen Galeristen Kunst, weil sie zu senil für Sportwetten und zu feige für ganz verrückte Sachen sind.“ Im Grunde bestehe zwischen ihnen auch eine Art von Seelenverwandtschaft, meint Oda: „Denn genauso ungewöhnlich ist es auch, Kunst zu machen, weil man sie liebt.“

Fixpunkt dieser Liebe ist nun also die kleine Pea. Die charmante Erbse, die nie lügt, die Eiscreme liebt und die Welt immer aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Und doch bleiben die Pea-Perspektiven immer nur insoweit schräg, dass sich auch jeder mit ihnen identifizieren kann. Ein großes Bild der kleinen Pea im Schaufenster von Schill mit der Überschrift „It’s fantastic but possible – es ist fantastisch, aber möglich“ bringt die Kunstaktion auf den Punkt. Oder besser gesagt: in den Automaten.

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