KZ-Kinderoper in Waiblingen Ein Singspiel wider die Angst

Aninka und Pepicek, gespielt von Verena Szkudlarek und Felix Fritschle,  brauchen dringend Geld für ihre  kranke Mutter. Foto: Gottfried Stoppel
Aninka und Pepicek, gespielt von Verena Szkudlarek und Felix Fritschle, brauchen dringend Geld für ihre kranke Mutter. Foto: Gottfried Stoppel

Für die Kinder im KZ Theresienstadt war die Kinderoper „Brundibár“ ein Lichtblick im Lagerleben. Die Kinder- und die Jugendkantorei Waiblingen führen das Singspiel mit Geschichte am Wochenende in der Michaelskirche bei freiem Eintritt auf.

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Waiblingen - Den grimmigen Leierkastenmann namens Brundibár spielt ein Erwachsener – ansonsten stehen am Wochenende in der Waiblinger Michaelskirche ausschließlich Kinder und Jugendliche auf der Bühne. Die rund 50 Nachwuchssänger der Kinder- und der Jugendkantorei Waiblingen sowie die Mitglieder des Chors Große Spatzen, alles Schüler der Klassen eins und zwei, proben dieser Tage eifrig. Sie führen am Samstag und Sonntag die Kinderoper „Brundibár“ des tschechischen Komponisten Hans Krása auf.

Den Bezirkskantor und Kirchenmusikdirektor Immanuel Rößler, seine Frau Adelheid und die Regisseurin Birte Novak beschäftigt die Oper schon seit Längerem. Denn „Brundibár“ ist in mehrerlei Hinsicht ein besonderes Werk. Musikalisch sei es „auf der Höhe der Zeit“, sagt Rößler, „moderne Musik aus den 1930er Jahren“, nicht atonal, sondern eine melodiöse Variante.

Die Oper als Hoffnungsschimmer im KZ

Inhaltlich handele es sich um einen „Märchenstoff mit politischer Verankerung“. Die Oper erzählt von den Geschwistern Aninka und Pepicek, die eine kranke Mutter haben – und kein Geld, Milch für sie zu kaufen. Die Kinder beschließen, es dem Leierkastenmann Brun­dibár gleichzutun und singen auf dem Marktplatz. Doch kaum einer hört sie, bis ihnen ein Hund, eine Katze und ein Spatz zur Hilfe kommen und die Kinder der Stadt zusammentrommeln. Der gewaltige Chor bekommt viele Spenden, die der Leierkastenmann Brundibár, was übersetzt in etwa Brummbär bedeutet, stehlen will. Doch mit vereinten Kräften schlagen die Kinder und die Tiere den Bösewicht in die Flucht.

Dass die 1938 komponierte Oper ausgerechnet in einem tschechischen Konzen­trationslager, in Theresienstadt, wieder und wieder aufgeführt worden ist, ist eine weitere Besonderheit. „Die Oper war für die Kinder im KZ ein Hoffnungsschimmer“, sagt Rößler – auch wenn die Inszenierung des Lagers durch die Nazis als heile Welt und Kultur-KZ an sich zynisch gewesen sei. Denn die Figur des Brundibár, den die Kinder am Ende zum Teufel jagen, stellte für die jungen Sänger Hitler dar, der vertrieben wurde. Auch habe es für die Beteiligten größere Essensrationen gegeben.

Freundschaft und Solidarität

Die Kinder von heute jedenfalls „sind sofort auf der richtigen Seite gewesen“, erzählt Immanuel Rößler, „sie musizieren in Stellvertretung für die deportierten Kinder“ zum Beispiel das Lied „Ihr müsst auf Freundschaft bauen, den Weg gemeinsam gehn“. Die Geschichte der Kinderoper haben die Rößlers mit den Teilnehmern vorab besprochen und auch Buchempfehlungen zum Thema gegeben. „Oft hat die ganze Familie gelesen, und Großeltern, Eltern und Kinder sind ins Gespräch gekommen.“ Im Rahmen eines Begleitprogramms haben die Kinder darüber hinaus zum Beispiel auch Wissenswertes über jüdische Feste wie das Pessach erfahren.

Die Oper in zwei Akten ist relativ kurz – 35 Minuten dauert die Aufführung. Dennoch steckt viel Arbeit darin, auch in den Ferien und an den Wochenenden haben die Teilnehmer geprobt. Die Zuhörer bekommen am Wochenende zunächst Stücke in Instrumentalform zu hören, außerdem Lyrik und Prosatexte zu Theresienstadt und Brundibár. Den krönenden Abschluss bildet dann die Aufführung der Oper mit Sängern und Instrumentalisten.




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