InterviewLadesäulen in Steinenbronn „Ich halte das für den größten Schwachsinn“

Von Frank Wahlenmaier 

Alle waren dafür, nur einer nicht. Warum will ein einziger Lokalpolitiker keine Ladesäulen für E-Autos in seinem Ort sehen? Wir haben ihn gefragt.

Immer mehr Autofahrer wollen lieber Strom statt flüssigen Treibstoff  zapfen. Foto: dpa
Immer mehr Autofahrer wollen lieber Strom statt flüssigen Treibstoff zapfen. Foto: dpa

Steinenbronn - Benzin, Diesel oder doch Batterie? Wer sich heutzutage ein neues Auto kauft, sieht sich dieser Frage ausgesetzt. Ab Oktober sattelt auch der Amtsbote von Steinenbronn auf die neue, aber auch bei manchen umstrittene E-Mobilität um. Dazu kommen drei Ladesäulen, die an drei unterschiedlichen Stellen im Bezirk installiert werden sollen. Der Gemeinderat stellte nach einer Abstimmung die Ampeln auf Grün, obwohl der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Menzel mit der einzigen Gegenstimme heftige Zweifel äußert.

Herr Menzel, welche Bedenken haben Sie zu der einzigen Gegenstimme im Gemeinderat verleitet?

Ich bin der Meinung, dass die Leute, die die E-Mobilität blind verherrlichen, bei dem Thema nicht wirklich über den Tellerrand hinausschauen. Es wird immer vom klimafreundlichem Fahren geredet, aber die Schattenseiten scheint wohl keiner sehen zu wollen. Die Umstände, unter der beispielsweise die Batterien für die Autos hergestellt werden, sind weder klima- noch umweltfreundlicher als ein herkömmlicher Diesel. Erst nach Jahren, so heißt es, gleicht man die Umweltbelastung der Produktion eines E-Autos aus.

Dennoch wird diese Art von Antrieb neuerdings staatlich bezuschusst.

Aber E-Mobilität wird auch noch, genauso wie Wasserstoff und Brennstoffzellen, als Antriebstechnik erforscht. Keiner kann mit hundertprozentiger Gewissheit sagen, dass es die Allerweltslösung ist. Damals hieß es, der Diesel sei so umweltfreundlich, und nun darf ich mit meinem Kombi nicht einmal mehr in die Stuttgarter Innenstadt fahren. Mir ist diese Art von Technik zu unausgegoren, und ich finde, man sollte dem Verbraucher auch fein säuberlich aufzeigen, wie ein Elektroauto hergestellt wird. Von der ersten Schraube bis hin zum fertigen Produkt.

Deutschlandweit steigen die Neuzulassungen von E-Autos sprunghaft an. Anscheinend wird das neue Antriebskonzept von der Bevölkerung angenommen.

Das ist aber auch eine Kostenfrage. Nicht jeder kann und will sich ein Elektroauto zulegen, was ich verstehen kann. Außerdem stellt sich mir die Frage, ob unser bestehendes Stromnetz die steigende Zahl an E-Autos versorgen und laden kann. Das wage ich nämlich zu bezweifeln. Dazu kommt die Art und Weise, wie der Strom produziert wird. Erneuerbare Energien allein können den dafür benötigten Strombedarf noch gar nicht decken. Mir fehlt diese definitive Gewissheit, dass das der richtige Weg ist.

Sie sind hauptberuflich Bestatter und somit auf ein Fahrzeug angewiesen. Mit was fährt ein Herr Menzel privat und geschäftlich?

Meinen alten Diesel benutze ich nur noch für kurze Strecken innerhalb Steinenbronns. Ein Verkauf kam für mich nicht in Frage, zumal man mir einen Spottpreis als eine Art Abwrackprämie angeboten hat. Deswegen habe ich mir noch einen Benziner für private Fahrten nach Stuttgart geholt. Geschäftlich sieht es da nicht anders aus.

Das heißt, ein E-Auto kommt für Sie generell nicht in Frage?

Ehrlich gesagt, halte ich das für den größten Schwachsinn, also nein. Ich hoffe nur, dass diejenigen, die sich bereits ein Auto mit Elektroantrieb gekauft haben, nicht irgendwann das böse Erwachen haben und weitere Fahrverbote kommen, weil die Rechnung am Ende nicht aufgeht.