Landesbibliothek Wohltaten für Bibeln und Drucke

Für restaurierungsbedürftige Schätze der Landesbibliothek möchte Christian Herrmann gern Paten finden. Foto: Lg/Max Kovalenko
Für restaurierungsbedürftige Schätze der Landesbibliothek möchte Christian Herrmann gern Paten finden. Foto: Lg/Max Kovalenko

Rund sechs Millionen Bücher stehen in den Regalen der Württembergischen Landesbibliothek, jährlich kommen rund 80 000 dazu. Nun sucht die Bibliothek Buchpaten, die die Restaurierung einzelner Werke finanziell unterstützen.

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Stuttgart - Der kuriose Atlas mit Puzzleteilen, die kolorierte Merianbibel oder vielleicht doch der historische Stadtplan von Weissach? Passionierte Bücherfreunde können ab sofort einem ganz besonderen Schätzchen der Württembergischen Landesbibliothek (WLB) mit ihrem Geld zu neuem Glanz verhelfen. Seit ein paar Wochen vergibt die Einrichtung Patenschaft. 135 bis 3300 Euro kann derzeit auf den Tisch legen, wer besondere Verantwortung für ein Druckerzeugnis übernehmen möchte. Das Buch über antiken Glaskunst ist allerdings nicht mehr im Angebot. Der gebrochene Rücken des Werkes von 1903 wird dank einer Spende von 260 Euro bereits geheilt. Auch zwei weitere Sammlungsstücke haben schon spendable Gönner gefunden.

Mit dem Start der Aktion ist Christian Herrmann, Leiter der historischen Sammlungen der Landesbibliothek, zufrieden. „Einen Ansturm habe ich nicht erwartet. Das ist ganz ordentlich, zumal noch Ferienzeit ist“, sagt er. Zwei der drei Sponsoren sind namentlich im Internet gelistet – ein freiwilliges Angebot an die Spender. „Auch Firmen können Patenschaften übernehmen.“ Die Hoffnung sei, dass die Bücher dank der Förderer schneller wieder in einen gepflegten und sicheren Zustand versetzt werden können. Bei einigen der Werke würde es sonst noch lange dauern, bis sie regulär mit der Restaurierung an der Reihe wären. „Wir wollen die Sachen nicht aus der Benutzung nehmen müssen.“

In anderen Stätten ist das Konzept etabliert

Die WLB ist keineswegs die erste Bücherei, die Buchpatenschaften anbietet, sagt Herrmann. Viele Häuser in anderen großen Städten betrieben dieses Sponsoring-Konzept schon seit Längerem. Berlin habe es beispielsweise „ganz groß aufgezogen“. Es gebe erfolgreiche Beispiele, aber auch Bibliotheken, wo es eher schleppend anlaufe. Es könne durchaus auch vorkommen, dass ein solches Angebot wieder einschlafe.

Die Bibliothek ist auch nicht die erste Stuttgarter Einrichtung, die Patenschaften anbietet. Die Staatsgalerie etwa hat ihren grünen Noppenboden mit Hilfe von 500 Bodenfliesen-Patenschaften finanziert, der Killesbergturm trägt die Namen von Spendern auf seinen Stufen. Bei der Wilhelma kann man Tierpatenschaften übernehmen, und auch das Landesmuseum Württemberg hat vor Kurzem eine Patenkampagne gestartet und bereits mehr als 30 000 Euro an Spenden eingenommen.

Beispiele wie diese waren ein Impuls, aber nicht ausschlaggebend für die Entscheidung der WLB, jetzt Buchpatenschaften anzubieten. Letztlich seien es Forderungen aus Reihen des Fördervereins gewesen, die sie bewogen hätten, in das Programm einzusteigen, so Herrmann. Es gebe Mitglieder, denen das ein Anliegen sei.

Jedes Jahr 80 000 Bücher mehr

Die Landesbibliothek verwahrt rund sechs Millionen Bücher. Jährlich wächst der Bestand um circa 80 000 wei­tere Exemplare – auch weil die WLB die Aufgaben hat, alle in Württemberg erschienenen Bücher zu sammeln. Die Enge, die jetzt mit dem rund 52 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau behoben werden soll, habe einen Anteil am Zustand einiger Werke. „Für manche Präventivmaßnahmen zum Schutz der Bücher war einfach kein Platz“, erklärt der Fachmann.

Ob sich das Patenkonzept letztlich bewähre, müsse die Zeit zeigen, betont der Experte. Es sei schließlich auch mit einem „gewissen Aufwand“ verbunden. Zu diesem zählt die Internetpflege. Alle zu vermittelnden Bücher werden auf der WLB-Seite kurz vorgestellt, mit Bildern und den jeweiligen Besonderheiten des Werkes.




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