Landesparteitag wählt Was der neue Chef der CDU in Baden-Württemberg schaffen muss
Manuel Hagel wird am Wochenende die neue Nummer Eins der Landes-CDU. Er hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Doch die größten Herausforderungen kommen noch.
Manuel Hagel wird am Wochenende die neue Nummer Eins der Landes-CDU. Er hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Doch die größten Herausforderungen kommen noch.
Wirklich ist die Wirklichkeit immer erst, wenn sie passiert ist. Aber auch wenn der Wachwechsel in der Landes-CDU erst am Wochenende vollzogen wird, lässt sich ein Fazit ziehen, bevor der Wahlparteitag auch nur begonnen hat: Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten schaffen es die Christdemokraten im Südwesten, den Generationswechsel ihrer Führungsspitze im Einvernehmen zu vollziehen – ohne Diadochenkämpfe, ohne Lagerbildung, ohne Gerangel, ohne Verletzte, Beleidigte und neu aufflammende Parteifeindschaften.
Mit diesem Erfolg wird der neue starke Mann, Manuel Hagel, trefflich wuchern können. Zu verdanken ist das aber mindestens im gleichen Maße wie Hagels eigenem Geschick, dem bisherigen Landesvorsitzenden Thomas Strobl. Er hat nach zwölf Jahren an der Parteispitze Platz gemacht für den Wechsel – nicht ohne Zögern und Bedauern, aber kampflos.
Für Hagel und die Südwest-CDU verbessert sich damit die Ausgangslage für die nächste Landtagswahl noch einmal mehr. Die politische Großwetterlage bei den Grünen ist schon wegen der Fehler der Bundespartei auf Regierungsebene nicht gerade sonnig, und auf Landesebene sind sie zwar Koalitionspartner, aber zugleich auch politischer Hauptgegner der Christdemokraten.
Den massiven Gegenwind bekommen die Grünen im Südwesten mit sinkenden Umfrage- und Zustimmungswerten ungewohnt deutlich zu spüren, die Christdemokraten haben den Nutzen davon. Kretschmann tritt nach dieser Wahlperiode ab. Deshalb sind die Aussichten seit zwölf Jahren nie günstiger gewesen, dass die Christdemokraten den Platz zurückerobern, den sie auch heute noch gerne als den ihnen eigentlich angestammten betrachten: als Koalitionsführer der Landesregierung mit Sitz in der Villa Reitzenstein. Dass Manuel Hagel am Ende als CDU-Spitzenkandidat auf dem Schild steht, wird beim Parteitag zwar noch nicht entschieden. Aber wenn er keine gravierenden Fehler macht, kommt es am Ende so.
Leicht wird es aber nicht für den 35-Jährigen, auf den sich jetzt alle landespolitischen Hoffnungen der Südwest-CDU richten. Allein das Image als bienenfleißiger, junger Konservativer mit Bilderbuchfamilie, ist keine ausreichende Grundlage, um die CDU auf Erfolgskurs zu bringen.
Die nächste Etappe wird für Hagel denn auch deutlich schwieriger als die letzte. Es gibt in der ersten Reihe keine Deckung. Wer dort steht, zieht alle Pfeile auf sich. Es ist schwer, Hagels Job als Fraktionschef – erfolgreich mit den Grünen zu regieren – und seine neue Aufgabe als Landesvorsitzender – das Profil der CDU für den Wahlkampf zu schärfen – unter einen Hut zu bringen.
Außerdem muss er die Partei auf Kurs bringen – wahltaktisch und programmatisch. Will die CDU zurück an die Macht, muss sie konservative Kretschmann-Anhänger zurückgewinnen und der AfD möglichst viele Wähler abspenstig machen. Dieser Spagat ist anspruchsvoll. Aktuell mag es angesichts der anti-grünen Stimmung für manche Konservative verlockend sein, alle Energie auf die Karte einer verschärften Asyl- und Migrationspolitik zu setzen, und den Klimaschutz mit seinen teuren Zumutungen für Bürger und Wirtschaft hinten runterfallen zu lassen. Das aber wäre falsch. Denn beide Politikfelder stehen für Dauerkrisen, die die politische Agenda noch auf lange Sicht prägen werden und Lösungen verlangen, die auch die CDU bisher nicht hat. Seine Partei bei und zwischen diesen Themen auf Mittekurs zu halten ist wahltaktisch und für die Zukunft des Landes essentiell. Wie gut Hagel das gelingt, mag als Prüfstein taugen, ob die neue Nummer eins der Südwest-CDU das Zeug zum Regierungschef hat.